Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die absurde Welt der Minuszinsen entwickelt sich zur neuen Normalität

Die Staatsbank KfW bereitet sich auf den nächsten Tabubruch vor und will ihre Förderkredite zu Minuszinsen vergeben. Das ist kein gutes Omen für die Euro-Zone.
18.11.2019 - 15:56 Uhr Kommentieren
Die mächtige Staatsbank bereitet sich auf den nächsten Tabubruch vor. Quelle: dpa
KfW-Zentrale in Frankfurt

Die mächtige Staatsbank bereitet sich auf den nächsten Tabubruch vor.

(Foto: dpa)

Es war eine denkwürdige Veranstaltung. In der vergangenen Woche hatte die KfW in ihre Zentrale in Frankfurt geladen. Vorstandschef Günther Bräunig wollte den versammelten Bankern erklären, warum die staatliche Förderbank sich mit voller Kraft darauf vorbereitet, ihre Kredite schon bald mit negativen Zinsen vergeben zu können. Doch kurz bevor die Veranstaltung begann, schrillte plötzlich der Feueralarm und ein Löschzug der Frankfurter Feuerwehr rückte mit Blaulicht im Innenhof der Staatsbank an.

Der Alarm war fast schon ein bisschen zu viel Symbolik für das Thema Minuszinsen, das Deutschlands Banker und ihre Kunden seit Monaten umtreibt. Der Vorstoß der Förderbanken beweist, wie schnell sich die absurde Welt der Minuszinsen zur neuen Normalität entwickelt.

Und diese neue Normalität ist eines der erschreckendsten Symptome für die Dauerkrise, in der sich die Währungsunion festgefahren hat. Je weiter die Minuszinsen um sich greifen, desto größer wird die Gefahr einer Japanisierung der Euro-Zone. Ähnlich wie in Japan droht auch hier eine jahre-, wenn nicht jahrzehntelange Lähmung der Wachstumskräfte.

Seit über fünf Jahren fordert die Europäische Zentralbank (EZB) nun Strafzinsen von den Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank. Zuerst gaben die Geldhäuser diese Last gar nicht weiter, dann nur an Großkunden wie Unternehmen oder Finanzdienstleister. Seit aber die EZB mit ihrer Entscheidung aus dem September das Thema Minuszinsen quasi zementiert hat, müssen sich auch immer mehr Privatkunden mit dem Gedanken anfreunden, dass die Banken für Giro- und Tagesgeldkonten ein „Verwahrentgelt“ von ihnen verlangen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Jetzt bereitet sich die mächtige Staatsbank KfW auf den nächsten Tabubruch vor: Die Vergabe ihrer Förderkredite zu Minuszinsen. Weil die KfW ihre Darlehen nicht selbst an die Endkunden vergibt, sondern Banken dazwischenschaltet, die auf die Konditionen der Förderbank noch ihre Gewinnmarge draufschlagen, müssten die Kreditnehmer im Moment zwar noch immer einen positiven Zinssatz bezahlen, die Betonung liegt allerdings auf „im Moment“. Kühlt sich die Konjunktur in der Euro-Zone weiter ab, und fallen die Renditen an den Anleihemärkten noch tiefer, dann könnten Häuslebauer und Mittelständler tatsächlich bald Geld geschenkt bekommen, wenn sie sich für einen Förderkredit der KfW entscheiden.

    Aus Sicht der Staatsbank ist dieser Schritt nur logisch. Wegen der historisch einmaligen Geldschwemme der EZB nähern sich die Kreditzinsen der privaten Banken der Nulllinie an. Die Förderkredite der KfW werden dadurch zusehends weniger attraktiv und verlieren einen Teil ihrer Steuerungsfunktion, zum Beispiel beim Thema Klimaschutz. Deshalb ist es nur konsequent für die Staatsbank, das Zinstabu zu brechen und bei der Kreditvergabe die Nulllinie zu unterschreiten.

    Grafik

    Es klingt wie der Traum eines jeden Kreditnehmers: Schulden machen und dann auch noch dafür bezahlt werden. Noch sind es nur die Förderbanken, die sich ernsthaft auf Minuszinsen für Kredite vorbereiten. Aber längst ist klar, dass aus der Notmaßnahme der EZB eine Dauereinrichtung geworden ist. Je mehr die paradoxe Welt der negativen Sätze zur neuen Normalität wird, desto stärker wächst der Druck auf die Geschäftsbanken, ebenfalls Darlehen mit Minuszinsen zu vergeben.

    Nehmen wir für einen Moment an, dass es bereits soweit wäre und wir in einer Welt mit flächendeckenden Minuszinsen leben. Müsste das nicht zu einem Run auf Kredite führen, der die Investitionen und damit das Wachstum befeuert? Wäre das nicht der Impuls, der nötig wäre, um die Euro-Zone aus ihrer Lethargie zu holen? Was wiederum der EZB die Möglichkeit gäbe, endlich die so sehnlich erwartete Normalisierung der Geldpolitik einzuläuten?

    Theoretisch ja. Aber würden Unternehmen und Verbraucher in der Realität die Minuszinsen für Kredite nicht als genau das sehen, was sie eigentlich sind, nämlich nicht als Aufbruchssignal, sondern als ein Symptom für eine lähmende Dauerkrise in der Währungsunion?

    Die Minuszinsen wären dann zwar die neue Normalität, aber diese hätte mit der alten Normalität und ihren Wirkungszusammenhängen nur noch sehr bedingt etwas zu tun. Das Beispiel Japan, wo die Konjunktur trotz immer exotischerer Maßnahmen der Notenbank seit vielen Jahren nicht wieder anspringt, spricht für diese ziemlich unerfreuliche These.

    Der Feuerwehreinsatz bei der KfW in der vergangenen Woche stellte sich am Ende zum Glück als Fehlalarm heraus. Dass das auch beim Thema Minuszinsen passiert, ist leider eher unwahrscheinlich.

    Mehr: Geld verdienen trotz Niedrigzinsen und Mini-Wachstum: Das lässt sich von Japan lernen

    Mit diesen Instrumenten bestimmt die EZB die Geldpolitik in Europa

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Die absurde Welt der Minuszinsen entwickelt sich zur neuen Normalität
    0 Kommentare zu "Kommentar: Die absurde Welt der Minuszinsen entwickelt sich zur neuen Normalität"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%