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Kommentar Die Aktionäre von Thyssen-Krupp sollten ihren Zorn vergessen und nach vorn schauen

Dass die kleineren Aktionäre mit den Aufsichtsräten hart ins Gericht gehen, ist verständlich. Es hilft bloß nichts. Rücktritte sind das Letzte, was der Konzern braucht.
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Der Thyssen-Krupp-Chef hat eine gewaltige Aufgabe vor sich. Quelle: dpa
Guido Kerkhoff

Der Thyssen-Krupp-Chef hat eine gewaltige Aufgabe vor sich.

(Foto: dpa)

Das Ergebnis der Abstimmung war auch ohne übersinnliche Fähigkeiten vorherzusehen: Mit einer überwältigenden Mehrheit von fast 95 Prozent haben die Aktionäre dem Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp am vergangenen Freitag die Entlastung erteilt. Die gute Quote mag überraschen angesichts der schweren Krise, in die das Gremium den Konzern im vergangenen Jahr gestürzt hat.

Doch weil die beiden Großaktionäre, die Krupp-Stiftung und der schwedische Investmentfonds Cevian, bei der Hauptversammlung zusammen rund 50 Prozent der Stimmrechte vertraten, war die Absolution für die Kontrolleure schon im Vorhinein sicher. Allein drei der zehn Kapitalvertreter werden direkt von den beiden größten Eignern gestellt, von denen zwei für die Bestellung neuer Mitglieder zuständig sind.

Dabei steht zu bezweifeln, ob auch alle Aufsichtsräte diese Entlastung tatsächlich verdient haben. Was ist zum Beispiel mit dem früheren Chefkontrolleur Ulrich Lehner, der im Sommer quasi über Nacht Konzern und Aufsichtsrat nach seinem Rücktritt kopflos zurückließ? Allein dieser Fall hätte wohl eine Einzelabstimmung über die Leistung der Aufsichtsräte gerechtfertigt.

Löste Lehner damit doch ein beispielloses Chaos aus, bei dem auch die Personalverantwortlichen aus dem Gremium, Krupp-Stiftungschefin Ursula Gather und Cevian-Vertreter Jens Tischendorf, keine gute Figur abgaben. Doch letztlich hätte eine Einzelabstimmung wohl niemandem geholfen. Das mag zwar im Rückblick vor allem für die vielen kleineren Aktionäre bedauerlich sein, die ihren Frust stattdessen in langen Reden ausließen.

Doch mit der geplanten Teilung in einen Werkstoff- und einen Industriegüterkonzern steht die Zukunft von Thyssen-Krupp nach der langen Hängepartie nun fest – und Schuldzuweisungen bringen das Unternehmen in dieser Situation nicht weiter.

Es ist insofern erfreulich, dass mit Martina Merz an der Aufsichtsratsspitze am Freitag nun endlich eine einstimmig gewählte Nachfolgerin für Ulrich Lehner angetreten ist – und dass sich das Gremium ebenso einstimmig hinter Vorstandschef Guido Kerkhoff gestellt hat.

Nun müssen die Verantwortlichen gemeinsam die Spaltung vorantreiben. Schon im Oktober sollen Materials und Industrials komplett voneinander getrennt sein. Den Kleinaktionären sei daher gesagt: Lasst den berechtigten Zorn der Vergangenheit der Aussicht auf eine bessere Zukunft weichen.

Die Aufgaben sind groß – und auch so schon mit genügend Unsicherheiten behaftet. Rücktritte im Aufsichtsrat, wie sie einige wenige am Freitag sogar forderten, sind derzeit das Letzte, was Thyssen-Krupp braucht. Und sie waren es, die das Unternehmen erst in dieses Chaos gestürzt haben.

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