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Kommentar Die Allianz hat den Reiz der Einfachheit entdeckt

Europas größter Versicherungskonzern steht gut da, muss sich aber weiter wandeln. Denn die neue, digitale Konkurrenz verändert die Spielregeln.
17.02.2019 - 15:26 Uhr Kommentieren
Der CFO und CEO der Allianz auf der Jahrespressekonferenz des Versicherers in München. Quelle: Reuters
Giulio Terzariol und Oliver Bäte

Der CFO und CEO der Allianz auf der Jahrespressekonferenz des Versicherers in München.

(Foto: Reuters)

Bescheidenheit klingt anders. „Wachstum ist da für die richtigen Leader“, sagte Allianz-Chef Oliver Bäte bei der Vorstellung des neuen Strategieprogramms Ende 2015. „Wir wollen einer von ihnen sein.“

Knapp vier Jahre später kann kein Investor dem selbstbewussten Schnelldenker und -sprecher an der Spitze von Europas größtem Versicherer vorwerfen, dass er nicht geliefert habe – jedenfalls nicht angesichts der am Freitag vorgelegten Jahreszahlen. Der frühere McKinsey-Manager hat die wichtigsten Ziele seines Dreijahresplans umgesetzt.

Der Konzern ist operativ auf Kurs und enteilt auf dem deutschen Markt inzwischen anderen Lebensversicherern. Mit etwa 142.000 Mitarbeitern und einem Rekordgewinn von 11,5 Milliarden Euro ist Europas umsatzstärkster Versicherungskonzern eine Gewinnmaschine – und, angesichts des schwachen Zustands der Deutschen Bank, das zurzeit bedeutendste Finanzunternehmen des Landes.

Dennoch ist die Unruhe in der Königinstraße in München, wo die Allianz SE in einem blassgrünen Gebäude ihre Zentrale hat, spürbar. Das hat einen triftigen Grund: Der Versicherungskonzern steht vor der nächsten Stufe eines Umbaus, der den Dax-30-Titel grundlegend verändern soll.

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    Denn der Vorstandschef richtet die Traditionsfirma stärker denn je voll auf den digitalen Umbau aus. Im stolzen Münchener Konzern mit dem Adler im Firmenemblem kommt das nicht überall gut an. „Warum soll ein Konzern, der so viel Gewinn macht, plötzlich alles anders machen?“, fragt mancher Manager, wenn kein Vorgesetzter im Raum ist.

    Doch kann die Allianz einfach so weitermachen wie bisher? Nein, das kann sie nicht. Es stimmt zwar, dass das Team um den gebürtigen Rheinländer Bäte in den vergangenen Jahren operativ vieles richtig gemacht hat. Die Zahlen weisen in eine positive Richtung, und das Managementteam wurde verjüngt.

    Es stimmt allerdings auch, dass die Manager immer noch vor einem Berg von Aufgaben stehen. Für eine Verschnaufpause gibt es darum keinen Anlass. Mit dem Start des neuen Strategieprogramms muss sich die Allianz weiter verändern, wenn sie sich für neue Rivalen wie Google, Amazon oder den chinesischen Versicherungsgiganten Ping An wappnen will.

    Versicherer drohen austauschbarer Zulieferer zu werden

    Schließlich verfügen die Giganten aus Übersee über teilweise höchst innovative Technik, hohe Skalenvorteile, einen umfangreichen Datenschatz und vor allem über genaue Kenntnisse, was die Kunden möchten. Bäte weiß darum, dass er handeln muss.

    Der Chef eines anderen deutschen Finanzkonzerns, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, warnte jüngst, dass die Banken angesichts der Stärke der Plattformökonomie aufpassen müssten, nicht zu austauschbaren Zulieferern degradiert zu werden. Es ist eine Mahnung, die besser auch die Versicherer nicht überhören. Denn die gigantischen Plattformen wie Amazon versprechen maßgeschneiderte, simple Lösungen. Das ist bequem für den Kunden – und hochgefährlich für die etablierten Versicherer.

    Bäte stellt darum nun „Einfachheit“ ins Zentrum der Allianz-Pläne. Der erste Schritt dazu ist ein europaweiter Direktversicherer, der als „Allianz Direct“ auftreten soll. Mit „Allianz Direct“ will die Allianz eine kostengünstige Plattform schaffen, über die alle Kunden Policen aus einem einheitlichen Sortiment abschließen können.

    Das könnte nicht nur den Kunden eine neue Produktwelt eröffnen – sondern auch den Investoren. Denn sollten die Münchener das Projekt erfolgreich in Europa ausweiten, wäre der Konzern so auch in der Lage, stärker als bisher mit Skaleneffekten von einem seiner wichtigen Unterscheidungsmerkmale zu kleineren Rivalen zu profitieren: seiner schieren Größe.

    Wie groß das angesprochene Potenzial ist, skizzierte Vorstandschef Bäte schon mit den neuen Gewinnvorgaben. So will die Allianz den Gewinn pro Aktie in den Jahren von 2019 bis 2021 um jeweils mehr als fünf Prozent steigern, davon vier Prozent organisch – also ohne Zukäufe.

    Viel Überzeugungsarbeit nötig

    Doch einfach wird der Weg nicht, da sollte sich niemand täuschen. So scheiterte der Rivale Zurich vor einigen Jahren bereits mit einem ähnlichen Versuch für einen Direktversicherer. Die Krux an dem Plan: Der Versicherungsmarkt ist zersplittert, die regulatorischen Anforderungen unterscheiden sich von Markt zu Markt. Das macht einheitliche, standardisierte Lösungen schwierig.

    Zudem ist der neue Direktversicherer ein heikles Thema bei der Allianz. Im vergangenen Jahrzehnt hatte das Unternehmen einen ersten Versuch mit einem Onlineversicherer unter dem eigenen Markennamen wegen heftigen Widerstands der um Einkommen und Arbeitsplätze fürchtenden Vertreter wieder eingestellt.

    Bäte wird also Überzeugungsarbeit leisten müssen. Dennoch führt am Umbruch kein Weg vorbei. Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung, das wusste schon der griechische Philosoph Heraklit. Es ist eine Weisheit, die auch der 129 Jahre alte und stockkonservative Versicherungskonzern Allianz nicht ignorieren sollte.

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