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Kommentar Die „America first“-Politik hat versagt

Das kletternde US-Handelsdefizit bleibt für Donald Trump nicht ohne Konsequenzen: Sein Spielraum für Erfolgsbotschaften im Wahlkampf wird kleiner.
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Die Reformen des US-Präsidenten haben zum Handelsdefizit beigetragen. Quelle: dpa
Donald Trump

Die Reformen des US-Präsidenten haben zum Handelsdefizit beigetragen.

(Foto: dpa)

Der Tag, an dem die US-Regierung brisante Zahlen zum Handelsdefizit veröffentlichte, wurde von einer Werksschließung begleitet. Der US-Autohersteller General Motors machte einen Standort im Bundesstaat Ohio dicht, weitere werden folgen.

Trumps Wirtschaftsbilanz ist angekratzt, und seit dieser Woche mehr denn je. Seit Donald Trump das Präsidentenamt von Barack Obama übernommen hat, ist das Außenhandelsdefizit der USA um mehr als 100 Milliarden Dollar geklettert.

Aktuell ist es auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Das ist das Gegenteil von dem, was Trump seinen Anhängern im Wahlkampf versprochen hat. „America first” ist an zentraler Stelle gescheitert.

Seine Strafzölle auf Waschmaschinen, Solarmodule, Stahl und Aluminium sollten die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz schützen. Tatsächlich aber haben sie zu einem Importüberschuss in Rekordhöhe beigetragen.

Für den Präsidenten ist das ein herber Rückschlag, auch wenn Trumps Politik nur teilweise direkten Einfluss darauf hat. Kein Präsident kann eine Handelsbilanz steuern wie die Bedienung eines Fernsehers, die weltweite Nachfrage spielt ebenso hinein wie der Dollarkurs. Das Problem ist nur: Trump hat vor seinen Anhängern stets behauptet, er könne das Außenhandelsdefizit im Turbotempo schrumpfen.

Die Ironie der Situation ist nun, dass ausgerechnet die Reformen, auf die Trump am meisten stolz ist, zum kletternden Handelsdefizit beigetragen haben. Sie waren nicht per se falsch, Trumps Steuersenkungen haben die Binnenwirtschaft angekurbelt und Konsumenten zum Kaufen animiert.

Und das Druckmittel Strafzölle zwang immerhin mehrere Länder an den Verhandlungstisch. Doch die Maßnahmen hatten einen hohen Preis. Wie sich jetzt herausstellt, war er zu hoch.

Die Nachfrage nach Produkten aus dem Ausland kletterte so stark, dass die Handelslücke immer breiter wurde. Und manche Länder pumpten im Zuge des Handelskriegs ihre Waren doppelt so schnell in die USA, um möglichen neuen Strafzöllen zuvorzukommen. Trumps Protektionismus ist ein starkes Instrument, aber auch ein riskantes.

Die Folgen bekommt er nun zu spüren, zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, nur eineinhalb Jahre vor den nächsten Präsidentschaftswahlen.

Trump ist selbst daran schuld, dass sich viele Kritiker mit Häme auf die Zahlen stürzen werden. Stets wirft er in Auftritten mit vereinfachten Zahlen um sich, er rechnet das Plus und Minus von Importen und Exporten schlicht gegeneinander, ignoriert Expertise. Der US-Präsident‧ wollte den Stolz seiner Anhänger entfachen und bekommt stattdessen nun eine riesige Blamage serviert.

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