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Kommentar Die Atomkraft braucht eine neue Chance

Für einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel brauchen wir bahnbrechende Neuerungen. Einen wichtigen Beitrag könnten Innovationen im Bereich der Kernenergie leisten.
15.02.2021 - 19:33 Uhr 1 Kommentar
Das Kernkraftwerk Grohnde in der Gemeinde Emmerthal. Quelle: dpa
Niedersachsen

Das Kernkraftwerk Grohnde in der Gemeinde Emmerthal.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wer noch Zweifel hat, wie bedrohlich der Klimawandel ist und dass alles in unserer Macht Stehende unternommen werden muss, ihn zu bremsen, der sollte das neue Buch von Bill Gates lesen. Der Microsoft-Gründer analysiert glasklar und emotionslos. Woher stammen die meisten CO2-Emissionen? Und was kann man gegen sie tun?

Eine der zentralen Erkenntnisse Gates: Der Mensch hat bei diesem Thema eine gefährliche Tendenz zur Selbsttäuschung entwickelt. Solaranlagen, Windräder und Elektroautos sind im Kampf gegen den Klimawandel zwar schön und gut, reichen aber bei Weitem nicht aus.

Was wir brauchen, ist viel, viel mehr Innovation – und zwar ohne Denkverbote. Denn oberstes Ziel muss die Reduzierung der Emissionen bis 2050 auf null sein. Alles andere ist angesichts der ungeheuren wirtschaftlichen, menschlichen und ökologischen Schäden nicht akzeptabel.

Politisch bedeutet das: keine steuerliche Förderung mehr von einzelner Technik, seien es Solaranlagen, Windräder oder Elektroautos. Stattdessen müssen die Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen konsequent besteuert werden. Den Rest erledigt die unsichtbare Hand des Markts, die keine Lobbyarbeit kennt.

Dabei darf es keine halben Sachen geben. Sicherlich ist es vernünftig, keine Kohlekraftwerke mehr zu nutzen. Sie aber durch Erdgaswerke zu ersetzen senkt zwar die Emissionen, ergibt langfristig ökologisch aber keinen Sinn. Denn auch Erdgas ist klimaschädlich, und die Werke laufen über viele Jahrzehnte.

Wasserstoff und Kernkraft

Große Hoffnungsträger sind Technologien wie Wasserstoff oder Kernfusion. Nur mit grünem Wasserstoff kann eine emissionsfreie Produktion von Zement, Stahl oder Dünger stattfinden – drei große Klimasünder.

Aber ob Kernfusion jemals Wirklichkeit wird – das kann trotz aller Bemühungen und Start-ups in dem Gebiet kaum jemand sagen. Schon seit 1940 forschen Physiker und Experten an einer kontrollierten Kernfusion, bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

Die Zeit aber drängt, die Katastrophe droht. Wir können und dürfen uns nicht auf Durchbrüche nur in diesen Technologien verlassen. Deshalb sollten auch andere völlig emissionsfreie Stromquellen wie die Atomkraft kein Tabu mehr sein, fordert Gates zu Recht.

Das mag dem einen oder anderen Grünen oder Umweltaktivisten arg aufstoßen. Aber wir sollten uns die Fakten anschauen.

Nach dem Desaster in Fukushima wurden beschlossen, die Kernkraftwerke in Deutschland abzuschalten. Sicherlich aus gutem Grund, aber mit fatalen Folgen für das Klima. Hätten wir nicht stattdessen mehr in dem Bereich forschen müssen? Derzeit tobt in Schweden die gleiche Diskussion, dort wurde ein Reaktor abgeschaltet - und der Strom kommt jetzt aus Kohlekraftwerken in Polen.

Gates redet nicht einfach so dahin. Der 65-Jährige fördert seit 2006 ein Start-up, das eine völlig neue Kernkraft verspricht: Terra Power arbeitet mit abgereichertem Uran, also Atommüll. Auch sollen die kleinen Reaktoren deutlich sicherer und effizienter sein. Ein Versuchsreaktor soll in fünf Jahren entstehen.

Natürlich ist die Skepsis gegenüber der Kernenergie nicht unbegründet. Wird der Atommüll wirklich abgebaut? Kann der Reaktor tatsächlich vollautomatisch und ohne Gefahr laufen?

Aber genauso, wie wir mit der Energiewende in vielen Dingen falschlagen, könnten uns auch bei der Atomkraft Vorurteile den Weg zu einer Lösung verbauen.

Corona zeigt Bedrohung

Denn machen wir uns nichts vor: Die Bedrohung ist riesig, und wir tun viel zu wenig. Mit dem dramatischen Wirtschaftseinbruch durch Corona sanken die Emissionen 2020 um etwas mehr als sechs Prozent oder 2,3 Milliarden Tonnen.

Mit anderen Worten: Selbst die harten Einschnitte infolge der Pandemie haben den CO2-Ausstoß nur unwesentlich gemindert. Wir müssen aber den Ausstoß bis 2050 um 51 Milliarden Tonnen senken – mehr als das 20-Fache der Reduktion durch die Pandemie.

Uns läuft die Zeit davon. Jedes ausgestoßene Treibhausgas bleibt auf unabsehbare Zeit in der Atmosphäre und verursacht eine Erwärmung der Erde. Das CO2 wird nicht abgebaut, sondern es bleibt – es ist wie bei einer Badewanne, die voll läuft.

Die Pandemie hat gezeigt, wie sich eine globale Krise anfühlt. Laut Gates‘ Berechnung können wir schon 2031 so weit sein, dass der Klimawandel die Wirtschaft durch Stürme, Dürren, Waldbrände und andere Desaster deutlich schwächt – so, als ob wir alle zehn Jahre eine Pandemie hätten.

Und das ist erst der Anfang. Die Situation wird sich immer weiter verschlechtern. Wenn die Krise in einigen Jahrzehnten unsere Welt durchrüttelt, werden wir vielleicht eine andere Meinung über Kernkraft haben.

Aber dann – und das ist der wichtige Punkt von Gates – steht die Technologie in einer modernen Version nicht zur Verfügung. Weil ihre Entwicklung und Erforschung viele Jahre braucht – und wir nichts getan haben.

Mehr: Bill Gates will zwei Milliarden Dollar in den Klimaschutz investieren – und setzt auch auf umstrittene Technologien.

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