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Kommentar Die australische Finanzaufsicht hat zu lange weggeschaut

Australiens Banker werden für ihre „von Gier und Habsucht geprägte“ Kultur angeprangert. Doch auch die Aufseher tragen Schuld an dem Schlamassel.
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Der australische Schatzkanzler will die Finanzbranche stärker regulieren. Quelle: Reuters
Josh Frydenberg

Der australische Schatzkanzler will die Finanzbranche stärker regulieren.

(Foto: Reuters)

Kenneth Hayne ist kein Lebemann. Der ehemalige Oberrichter und Vorsitzende der Kommission, die zuletzt die australische Finanzbranche auf die Streckbank gebunden hatte, hat noch nie auch nur den Anschein eines Lächelns gezeigt.

Schon gar nicht, wenn er dem aufgesetzt grinsenden Schatzkanzler Josh Frydenberg eine Kopie der Ergebnisse seiner Untersuchung der Schmarotzer-Kultur des Finanzsektors übergeben muss. „Nein“, murmelte er auf die Bitte eines Fotografen um einen Handschlag. Mundwinkel nach unten.

Kein Wunder. Jahrelang hatte sich die konservative Regierung gegen die Untersuchung gewehrt, sie als „Hetzjagd gegen die Finanzbranche“ bezeichnet, als „populistische“ Maßnahme abgestempelt. Erst als der Druck auch in den eigenen Reihen zu groß wurde, als sich Meldungen über zerstörte Existenzen häuften, lenkte sie ein.

Der Schlamm, den die Hayne-Kommission zutage förderte, schockierte selbst Insider. Systematischer Betrug im großen Stil. Versicherungen, die das Papier nicht wert waren, auf dem sie gedruckt standen. Hypotheken, mithilfe von Push-Telefonaten verkauft, obwohl die Kunden keine Mittel hatten, sie jemals abzustottern.

Und dann auch noch „fees for no service“: Über Jahre haben Finanzberater selbst großer Institute Geld kassiert, ohne einen Finger zu rühren. Sogar Toten wurden Rechnungen gestellt.

Haynes Ruf nach Änderung dieser „von Gier und Habsucht geprägten Kultur“ ist berechtigt. Doch ebenso verwerflich gehandelt wie die Abzock-Banker hat die Finanzaufsicht. Die schaute stets weg. Ein Klaps auf die Schulter und ein Bier, wo es Knast, Wasser und Brot hätte geben sollen. Die Finanzaufsicht bestehe mehrheitlich aus Ex-Bankern und Vermögensverwaltern, sagt ein Insider. Kumpelkultur.

Die australische Regierung wusste seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten von diesem Jobkarussell. Und sie unternahm nichts. Im Mai sind Wahlen. Spätestens dann wird Kenneth Hayne nicht mehr der Einzige ohne Lächeln im Gesicht sein.

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