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Kommentar Die Autoindustrie kann mit einem Tempolimit gut leben

Tempo 130 auf Autobahnen wird früher oder später kommen. Dank Elektroantrieben und Robotaxen fürchten sich die Autobauer nicht vor der Geschwindigkeitsbegrenzung.
07.10.2019 - 17:03 Uhr 9 Kommentare
Auf vielen deutschen Autobahnen gelten heute schon Geschwindigkeitsbegrenzungen. Quelle: dpa
Tempolimit

Auf vielen deutschen Autobahnen gelten heute schon Geschwindigkeitsbegrenzungen.

(Foto: dpa)

Es gibt Debatten, die sind so erwartbar wie die Reaktionen ihrer Beteiligten. Kaum liegt das Klimapaket der Bundesregierung auf dem Tisch, da legen die Grünen nach. Tempo 130 auf Autobahnen fordert die Ökopartei, der Sicherheit und der Umwelt wegen.

Die Gegner sind schon auf der Zinne: FDP-Politiker Oliver Luksic vermutet einen irrationalen „grünen Beißreflex“ gegen das Auto, CSU-Generalsekretär Markus Blume will nicht die Bürger, sondern den „Bevormundungswahn der Grünen“ stoppen. Schon bald kommt es zum Showdown, die Grünen haben für Mitte Oktober eine Abstimmung im Bundestag beantragt.

Zwei Dinge sind absehbar. Erstens: Die Grünen werden die Abstimmung verlieren, weil die jetzige Regierung nicht mitzieht. Zweitens: Das Tempolimit auf den Autobahnen kommt später so sicher wie das Rauchverbot in der Kneipe oder der Kohleausstieg. Denn auf Dauer wird kaum ein Argument der Tempolimit-Gegner Bestand haben.

Außer Deutschland haben alle entwickelten Länder der Welt eine Geschwindigkeitsbegrenzung und fahren gut damit. Der Stresspegel sinkt ebenso wie die Anzahl der tödlichen Unfälle. Auch ernsthafter Klimaschutz ist ohne Tempolimit nicht denkbar: Jeder Autofahrer weiß, dass Tempo 180 aus der gutmütigsten Familienkutsche einen kapitalen Energiefresser macht. Das nicht regulierte Schnellfahren auf der Autobahn ist ein Recht von wenigen zulasten von vielen. Es ist wie mit dem Rauchen in der Kneipe: Die Freiheit hört dort auf, wo andere gefährdet werden.

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    Es bleibt das vermeintlich kraftvollste Argument: Das Tempolimit koste Arbeitsplätze. Dass man in Deutschland so schnell fahren kann, wie man will, gilt als ein Wettbewerbsvorteil der heimischen Hersteller.

    Erfolgreich im Ausland

    Tatsächlich lebt die deutsche Autoindustrie weltweit gut vom Mythos der deutschen Autobahn. Das nicht existierende Tempolimit habe BMW, Daimler und Audi die Entwicklung jener überlegenen Motoren und Fahrwerke ermöglicht, mit denen die Deutschen heute das oberste und damit lukrativste Drittel des Weltmarktes dominieren.

    Dass Porsche die 911-Modelle ausgerechnet in den USA besonders gut verkauft, wo die Kunden mit einem Speedlimit von 55 Meilen leben, passt nur bedingt in diese Argumentation. Und auch in China sind deutsche Autos sehr beliebt, obwohl der dichte Stadtverkehr von Schanghai und Peking dem ungezügelten Fahrspaß sehr enge Grenzen setzt.

    Anders als früher halten sich die Vertreter der Autoindustrie in der Debatte diesmal zurück. Zum einen fürchten sie nach der Dieseldiskussion erneut in der Ecke der Umweltsünder und ewig Unbelehrbaren zu landen. Zum anderen ist für die Autoindustrie der Kampf gegen das Tempolimit nicht mehr so wichtig wie früher. Mit Hochdruck arbeiten die Konzerne an der Einführung der Elektromobilität und dem autonomen Fahren. In beiden Zukunftsfeldern sind hohe Geschwindigkeiten für die Einführung der neuen Technologien eher abträglich.

    Da wäre das Elektroauto, das die Autoindustrie ab jetzt massiv in den Markt drücken will, um die Klimaziele einhalten zu können. Die größte Hürde des Stromautos ist aber die Angst der Kunden, liegen zu bleiben, auf absehbare Zeit wird es den Batterien an Reichweite fehlen. Ein Elektroauto taugt deshalb nicht für Geschwindigkeitswettbewerbe auf der Autobahn – schon gar nicht bei einem unzureichenden Ladenetz. Der kluge Stromer wird von sich aus 130 fahren und dankbar sein, wenn die anderen es auch tun.

    Fahrerlose Autos brauchen ein Limit

    Das Gleiche gilt für das autonome Fahren. Zwar wird es fahrerlose Autos in der Stadt so schnell nicht geben, dafür sind die Hürden zu hoch. Auf Autobahnen wird aber das pilotierte Fahren schon sehr bald möglich sein. Die Autoindustrie verspricht ihren Kunden mehr Komfort und Sicherheit, wenn der Computer zumindest zeitweise übernimmt.

    Allerdings machen die Autohersteller bei Tempo 130 Schluss, darüber steigen die Anforderungen an Sensoren und Rechenkapazitäten exorbitant an. Auch deshalb wird der Gesetzgeber dem pilotierten Fahren nur mit Tempolimit zustimmen.

    Die Industrie stellt sich auf die neue Welt des Autofahrens ein. Schon jetzt zeigen die Hersteller Autoentwürfe mit völlig neu gestalteten Innenräumen. Der für 2021 angekündigte BMW „I next“ ist mehr Wohnzimmer als Flugzeugcockpit. Das Auto wird Arbeitsplatz und Erholungszone, mit der nicht Rasen, sondern Gleiten angesagt ist.

    In dieser Zukunft ist es nicht mehr entscheidend, zehn Minuten früher oder später ans Ziel zu kommen. Man wird in den neuen Elektrosänften telefonieren, twittern, Filmchen schauen oder sich vom Sitz massieren lassen.

    Die Autoindustrie wird mit einem künftigen Tempolimit gut leben können, anders als heute wird man die hohen Motorleistungen für den eigenen Geschäftserfolg immer weniger brauchen. Wer als Autofahrer unbedingt schneller fahren will, wird ausweichen müssen – und auch können. Nicht ausgelastete Rennstrecken hat dieses Land ja genug.

    Mehr: Ein Tempolimit auf Autobahnen hilft, CO2-Emissionen einzusparen. Im Klimapaket der Bundesregierung spielt das keine Rolle. Das ruft die Grünen auf den Plan.

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    9 Kommentare zu "Kommentar: Die Autoindustrie kann mit einem Tempolimit gut leben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn das autonome Fahren kommt , dann wird das Fahrzeug entscheiden, wie schnell gefahren werden kann. Das wird wesentlich effizienter und umweltfreundlicher sein als jede formale Geschwindigkeitsbegrenzung. Das macht allerdings nur Sinn, wenn das autonome Fahren auch sicher ist.

      Die Unfallgefahr wird nicht von hohen Geschwindikeiten ausgehen sondern von der hohen Ausfallwahrscheinlichkeit von jetzigen elektronischen Bauelementen. Geht man davon aus, das 2-3% der Chips durch Abreißen von Bonddrähten im Laufe eines Autolebens ausfallen werden, dann kann davon ausgegangen werden, dass bei 36000 Chips in einem zukünftigen selbstfahrenden E-Auto zwischen 720 und 1080 Chips im Laufe des Autolebens ausfallen werden. Die Chips im sicherheitsrelevanten Bereich können zu schweren Unfällen führen.

      Eine Gesetzesinitiative zur Ausfallwahrscheinlichkeit von Halbleiterchips in Autos ist wesentlich sinnvoller als ein formales Tempolimit.

    • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Diskutieren erwünscht – aber richtig“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    • Ein Tempolimit ist nicht notwendig. Deutshland hat mit die sichersten Autobahenen der Welt trotz, oder auch gerade wegen eines fehlendem Tempolimits. Da fällt das Sicherheitsargument direkt weg. Es stimmt, dass ein Tempolimit CO2 Emissionen einsparen würde, aber nur 1-1,6 Prozent der Emissionen im Verkehrssektor. Das wären ungefähr 1,5-2 Millionen Tonnen im Jahr. Der Energiesektor, bei dem immernoch Kohlekraftwerke einen erheblichen Teil ausmachen, setzt im Jahr über 300 Millionen Tonnen CO2 frei. Nochmal in Relation: 1,5-2 Mio. Tonnen einsparung durch ein Tempolimit zu 300 Mio Tonnen Ausstoß im Energiesektor. Da ist das Argument des Klimaschutzes nicht mehr so stark. Durch Erneuerbare Energieträger kann man diese 300 Mio Tonnen gegen 0 reduzieren und darauf sollte man sich erst einmal konzentrieren anstatt den Bürger so zu bevormunden. Es gibt andere Mittel und Wege um auch die Emissionen im Verkehrssektor zu senken.

    • @ Claus Scholz

      Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Zwangsapologeten (wie insbesondere auch alle Grünen) und Freiheitsfreunde passen nicht in die gleiche Gesellschaft. Im Moment ist es so, dass die unterschiedlichen gesellschaftlichen (Interessen-)Gruppen sich mit Hilfe ihrer Wählerstimmen bekämpfen - und der dann unterlegenen Minderheit ihre Vorstellungen aufzwingen. Ganz schlimm ist das heute bereits in den USA, wo sich die gesellschaftlichen Gruppen absolut unversöhnlich gegenüber stehen.
      Die (letztendlich einzige) friedliche Lösung erfordert jedoch eine vollständige Abkehr vom etatistischen Denken - und sie heißt: freiheitliche Privatrechtsgesellschaft. Gesellschaften schließen sich dort also FREIWILLIG zusammen. Sie entscheiden, mit wem sie zusammenleben möchten und mit wem nicht. Wichtig ist also (um beim Beispiel hier zu bleiben), dass nicht nur eine friedliche räumliche Trennung von Zwangsapologeten und Freiheitsfreunden erfolgt, sondern insbesondere auch eine Trennung von deren Steuergeld!!

    • Sehr geehrter Herr Fasse,

      ihre Zukunftsvisionen des autonomen Fahrens zeugen nicht von Fachkenntnisse.
      Vielleicht sollten Sie die Themen, die Sie bearbeiten wechseln. was glauben sie was für
      Rechner Kapazitäten für das autonome Fahren notwendig sind. schon jetzt sind die Kryptowährungen enorme Energieschleudern unabhängig davon, dass Sie beim autonomen Fahren weder Filmchen schauen dürfen noch sonst rumtrölen, da Sie immer noch verantwortlich bleiben,siehe der tödliche Unfall von Tesla. sprich diese Technik ist alles andere als Klimafreundlich, sondern eine enorme Ressourcen und Energieverschwendung, da sind die paar Fahrer die über 130 fahren geradezu Ökofreaks. mir wäre es sehr lieb, wenn Sie andere nicht Ihre Version vom schönen Leben in der Zukunft auf zwingen würden, sondern uns gerne selber entscheiden lassen, ob wir das so geil finden. Die weitere Menge an Daten ( z.B. Bewegungsprofile )
      sind natürlich noch ein kleiner Beifang für das staatlich kontrollierte vor sich hin verblöden.

    • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Diskutieren erwünscht – aber richtig“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    • Auf den Autobahnen, auf denen ich unterwegs bin, kann man auf den allerwenigsten Abschnitten überhaupt 130 km/h fahren, da entweder Stau oder Baustelle oder beides!!

      "Die Autoindustrie kann mit einem Tempolimit gut leben."
      Die deutsche Autoindustrie lebt nicht gut - sie liegt in Agonie.

    • Die Fahrzeuge mit alternativen / E-Antrieben werden noch nichtmal 130 km/h fahren, um eine weitere Reichweite zu erreichen. Natürlich sollte man sich fragen, ob man auf freier Strecke sehr hohe Geschwindigkeiten fahren sollte.

    • Das könnte tatsächlich eine Maßnahme sein, die sich ganz ausserordentlich auf das allgemeine "Klima" im Straßenverkehr auswirken könnte. Etwas weniger Aggressivität auf deutschen Autobahnen wird uns allen guttun und der Verkehr liefe flüssiger.

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