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Kommentar Die Bahn ist nicht zu teuer – muss aber von den Airlines lernen

Flugtickets künstlich teuer zu machen wird wenig Reisende auf die Schiene locken. Die Bahn sollte aber ihren Preisvorteil künftig stärker ausspielen.
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Anders als häufig dargestellt ist Bahnfahren keineswegs generell teurer als das Fliegen. Quelle: dpa
ICE am Frankfurter Flughafen

Anders als häufig dargestellt ist Bahnfahren keineswegs generell teurer als das Fliegen.

(Foto: dpa)

Die Idee ist so alt wie gut. Statt innerdeutsch auf Kurzstrecken in das Flugzeug zu steigen, ist es viel besser, auf das Verkehrsmittel Bahn zu setzen. Die Klimadebatte hat das Thema noch einmal enorm angefacht.

Allein die Umsetzung ist alles andere als einfach. Große Flughäfen sind nicht an das Fernverkehrsnetz der Bahn angeschlossen. Der Komfort ist verbesserungswürdig, etwa was den Transport und das Einchecken des Gepäcks schon im Zug betrifft.

Das ist vor allem deshalb wichtig, weil der Großteil der innerdeutschen Flüge in erster Linie Zubringer zu internationalen Verbindungen ist, viele Passagiere also mit großem Gepäck weiterreisen.

Dennoch: Die Idee von der Verlagerung innerdeutscher Verkehre von der Luft auf die Schiene ist gut und machbar. 25 Millionen Passagiere fliegen jährlich innerdeutsch. Das ist nur ein Sechstel der 150 Millionen Fernverkehrsgäste, die die Bahn in diesem Jahr erwartet, also keine Kleinigkeit. Doch die Bahn will und soll ihre Kapazität verdoppeln.

Wie aber bewegt man Reisende dazu, auf die Schiene zu wechseln? Über eine künstliche Verteuerung des Flugtickets etwa durch zusätzliche Abgaben, wie derzeit diskutiert, wird das kaum gelingen. Schon die Einführung der deutschen Ticketsteuer im Jahr 2011 hat das Fliegen nicht verteuert. Zu stark ist der Wettbewerb.

Anders als häufig dargestellt ist Bahnfahren keineswegs generell teurer als das Fliegen. Das Marktforschungsinstitut Quotas hat in einer europaweiten Langzeitstudie festgestellt, dass die Bahn ihren Preisvorteil gegenüber dem Flug sogar noch ausgebaut hat und dabei gleichzeitig schneller geworden ist.

Das Problem liegt in der Wahrnehmung der beiden Verkehrsträger. Beim Fliegen sehen die Konsumenten vor allem die Lockangebote der Billigheimer, später anfallende Zusatzgebühren werden gerne ausgeblendet. Da kann die Bahn nicht mithalten. Wenn man nur auf den Standardtarif schaut. Und das tun die meisten.

Die Lösung: Die Bahn sollte von den Airlines lernen, freie Kapazitäten zu Kampfpreisen in den Markt drücken und vermarkten. Das würde mehr Verkehr auf die Schiene bringen, weil Zugfahren attraktiver wird. Fahrgäste würden zudem von übervollen Zügen in halb leere umgeleitet, die Auslastung würde steigen. Leisten könnte sich die Bahn solche Kampfpreise – viel eher sogar als die Luftfahrt.

Der Luftfahrtexperte Christoph Brützel hat in einem Preisvergleich für den Fachinformationsdienst Airliners.de errechnet, dass die Bahn selbst bei einem Ticketpreis von einem Euro für leere Plätze noch 0,72 Cent verdienen würde. Airlines müssten dagegen mindestens 73 Euro pro Ticket verlangen, um zumindest Kosten und Gebühren zu decken.

Mehr: Die Verbraucherzentrale sieht einen reduzierte Mehrwertsteuersatz für Bahnfahrten positiv. Allerdings müsse das Unternehmen noch mehr für Kunden tun.

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