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Kommentar Die Banken müssten der EZB eigentlich dankbar sein

Die Banken kritisieren die Geldpolitik der Notenbank scharf. Dabei sorgt der Kurs von EZB-Chef Draghi dafür, dass sie endlich entschlossen Reformen angehen.
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EZB: Die Banken müssten der Notenbank eigentlich dankbar sein Quelle: Bloomberg
Zentrale der Europäischen Zentralbank (links) in Frankfurt

Die Normalisierung der Geldpolitik fällt zunächst aus.

(Foto: Bloomberg)

Für die deutschen Banken ist klar, mit wem die Rolle des Schurken im Drama an den Finanzmärkten derzeit besetzt ist. Seit Mario Draghi, der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank, klargemacht hat, dass die erhoffte Normalisierung der Geldpolitik ausfällt und dass auf die Banken stattdessen noch höhere Strafzinsen zukommen, haben die Geldmanager jede Zurückhaltung fahren lassen. Sie kritisieren die EZB in einer Schärfe, die vor wenigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wäre.

Die Wut der Banker ist verständlich, schließlich kommen auf sie aller Voraussicht nach noch einmal Hunderte von Millionen an Extrakosten zu, wenn die Notenbank wie erwartet den Satz erhöht, den die Banken bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Aber eigentlich müssten die Banken Draghi und seinen Kollegen bei allem Ärger auch ein kleines bisschen dankbar sein. Denn seit die EZB die geldpolitische Rolle rückwärts eingeleitet hat, ist endgültig klar, dass Abwarten keine Strategie ist.

Die Hoffnung auf eine Normalisierung der paradoxen Zinslandschaft ist auf Jahre hinaus zerstört. Für die Banken heißt das, dass kein Weg mehr an Reformen vorbeiführt, mögen sie auch noch so schmerzlich sein. Die EZB hat den Geldhäusern unmissverständlich bewusst gemacht, dass sie, so schnell es irgend geht, handeln müssen. Ausreden gibt es keine mehr, denn für einige Institute könnte es fast schon zu spät sein, weil sich die Rahmenbedingungen für die Banken zusehends verschlechtern.

Die Weltwirtschaft kühlt sich empfindlich ab, Deutschland taumelt Richtung Rezession, politische Risiken wie der Brexit oder die Trump’schen Handelskriege machen die Lage unkalkulierbar. Diese Gefahren haben sich in den Halbjahreszahlen der Branche bereits manifestiert. Kaum ein Institut, das nicht über einen deutlichen Anstieg der Risikovorsorge für faule Kredite berichten musste.

Es wird also allerhöchste Zeit für Reformen, und die gute Nachricht lautet, dass viele Banken sich (endlich) entschlossen ans Werk machen. Die Deutsche Bank hat nach Jahren des strategischen Schlingerkurses einen tief greifenden Umbau auf den Weg gebracht. Der Abschied von der Strategie, sich vor allem als Wertpapierhändler zu profilieren, war schmerzlich, aber notwendig. Die Commerzbank wird ihre neue Strategie im Herbst verkünden, und auch hier steht ein Tabubruch an.

Vorstandschef Martin Zielke lässt eine deutliche Verkleinerung des Filialnetzes durchrechnen. Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hat im Interview mit dem Handelsblatt gerade noch einmal klargemacht, dass aus seiner Sicht an einer weiteren Konsolidierung und dem Aufbau einer Sparkassenzentralbank kein Weg vorbeiführt.

Banken suchen neue Wege aus der Krise

All diese Reformen sind sinnvoll und notwendig. Noch spannender sind allerdings Initiativen, mit denen die Banken die ausgetretenen Restrukturierungspfade verlassen und nach neuen Wegen aus der Krise suchen. So wie die Kooperationspläne der Frankfurter Volksbank und der Taunussparkasse. Eigentlich sind die beiden Bankengruppen erbitterte Konkurrenten – und doch wollen sie in Zukunft im Frankfurter Speckgürtel rund 50 Filialen gemeinsam betreiben.

Ähnlich kreative Gedanken hat sich die Deutsche Bank gemacht. Die Frankfurter hätten ihre Problemsparte Aktienhandel gerne mit dem Geschäft der Schweizer UBS zusammengelegt, die in diesem Bereich traditionell stark ist. Im Gegenzug hätte die UBS mehr Anleihegeschäfte über die Deutsche Bank abwickeln sollen, die als eines der profiliertesten Bondhäuser in der Branche gilt.

Leider scheiterten die Gespräche, aber sie zeigen, dass die Institute sich von den vielen Hindernissen, die grenzüberschreitende Fusionen so schwierig machen, nicht abschrecken lassen und nach pragmatischen Auswegen suchen.

Trotz all dieser Anstrengungen werden die deutschen und die europäischen Banken kaum aus eigener Kraft zu neuer Stärke finden. Dafür brauchen sie die Unterstützung der Politik. Nur in einem echten europäischen Binnenmarkt für Finanzdienste werden die Banken die Chance haben, den erheblichen Rückstand gegenüber den großen Wettbewerbern aus den USA zumindest zu verringern. Deshalb muss die Politik versuchen, die europäische Banken- und Kapitalmarktunion möglichst zügig zu vollenden.

EZB sollte Erleichterungen auf den Weg bringen

Auch von der Europäischen Zentralbank könnten die Geldhäuser ein bisschen Unterstützung gebrauchen. Die Notenbanker sollten die bittere Zinspille zumindest ein wenig versüßen und noch negativere Einlagensätze mit Erleichterungen für die Banken verbinden, zum Beispiel durch eine Art Staffelzins. Solche Freibeträge für Minuszinsen existieren bereits in der Schweiz.

Würde die EZB diese Regelung übernehmen, könnten die deutschen Geldhäuser Hunderte von Millionen Euro sparen, und vielleicht würden die Banken dann ja auch die Rolle von Mario Draghi und seinen Kollegen etwas gnädiger bewerten.

Mehr: Eine Senkung des Einlagesatzes für Geschäftsbanken bei der EZB auf minus 0,5 Prozent gilt als sicher. Investoren setzen auf stärkere Zinssenkungen.

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