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Kommentar Die Banken sollten sich von Paydirekt verabschieden

Mit Paydirekt wollten deutsche Banken eine Konkurrenz zu Paypal etablieren – doch sie haben sich zu viel vorgenommen. Nun sollten sie das Projekt lieber beenden.
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Die Banken sollten das Projekt Paydirekt lieber beenden Quelle: dpa
Bezahldienst Paydirekt

Die kleineren privaten Banken wollen ihre Anteile schon loswerden.

(Foto: dpa)

Die deutschen Banken hatten sich viel vorgenommen: Mit einem eigenen Onlinebezahldienst wollten sie dem amerikanischen Platzhirsch Paypal auf dem deutschen Markt Paroli bieten. Doch drei Jahre nach dem Start von Paydirekt ist klar: Sie sind klar gescheitert. Paydirekt spielt im Onlineshopping keine Rolle. Und nichts deutet darauf hin, dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte.

Deshalb sollte die deutsche Kreditwirtschaft jetzt handeln – und Paydirekt beerdigen. Und das sogar möglichst schnell. Selbst wenn die Eigentümer – private und genossenschaftliche Banken sowie Sparkassen – noch einmal eine hohe dreistellige Millionensumme in die Hand nähmen, wäre das keine Garantie, dass Paydirekt mehr Nutzer findet und sich irgendwann auch rentiert. Genau das – Geld verdienen und nicht nur reinstecken – ist schließlich das Ziel eines eigenen Bezahldienstes.

Die Geldhäuser haben alle genug damit zu tun, mit der Digitalisierung der Wirtschaft und der eigenen Branche Schritt zu halten. Auch hier stehen ständig IT-Investitionen an. Es gibt also andere Projekte, auf die sich die Banken und Sparkassen konzentrieren können und sollten.

Natürlich wäre es schlecht für das Image der deutschen Kreditwirtschaft, wenn sie ihr Gemeinschaftsprojekt – davon gibt es wenige – nun aufgeben. Natürlich kostet auch das erst einmal Geld. Doch hier gilt: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Förderlich für die Außenwirkung ist es nämlich auch nicht, wenn Paydirekt weiter vor sich hin dümpelt und es womöglich noch Streit gibt.

Zu den Zahlen: Paydirekt hat rund 10.000 Onlinehändler angebunden. 2,3 Millionen private Kunden haben sich registriert. Das klingt erst einmal nach einer soliden Basis. Doch die entscheidenden Daten, die Transaktionszahlen, veröffentlicht der Bezahldienst nicht. Und nach allem, was man hört, sind die kläglich.

Das große Problem lässt sich nicht mehr beheben: Paydirekt ist einfach zu spät an den Markt gekommen. Elisabeth Atzler – Handelsblatt

Das große Problem des Bezahldienstes lässt sich nicht mehr beheben: Paydirekt ist einfach zu spät an den Markt gekommen. Paypal war da längst etabliert, und der neue Wettbewerber hat für die Verbraucher kein besseres Angebot. Auch das Argument, dass bei Paydirekt nur die eigene Bank eingeschaltet ist, aber kein amerikanischer Tech-Konzern, lockt die deutschen Verbraucher nicht.

Zudem hat Paydirekt zunächst viele Onlinehändler verschreckt, weil die Anbindung der neuen Bezahlart zu Beginn sehr komplex war und die Gebühren überraschend hoch waren. Auch deshalb findet sich Paydirekt bei vielen großen Onlineshops nicht.
Zu spät, zu kompliziert, zu langsam: Die Eigner treiben Paydirekt obendrein nur unentschlossen voran. Eine längst überfällige weitere Finanzierung, von der seit Monaten die Rede ist, lässt noch immer auf sich warten.

Das mag auch daran liegen, dass sich die Eigentümer nicht immer einig sind. Auch das ist ein schlechtes Zeichen für Paydirekt. Jüngstes Beispiel: Die kleineren privaten Banken wollen ihre Beteiligung von elf Prozent an Paydirekt loswerden und haben auch schon eine Kündigung ihrer Geschäftsbeziehungen in die Wege geleitet. Sie setzen darauf, dass die beiden großen Privatbanken, die Commerzbank und die Deutsche Bank, ihre Anteile übernehmen. Doch die Gespräche stocken.

Offiziell heißt es, man wolle so für einfachere Strukturen sorgen und dafür, dass Paydirekt schnellere Entscheidungen treffen könne. In der Tat gilt die Entscheidungsfindung angesichts der vielen Eigner als schwierig. Doch tatsächlich steckt hinter dem Losschlagen der Anteile viel mehr. Wer nicht mehr an Paydirekt beteiligt ist, muss auch keine weiteren Finanzierungsrunden stemmen. Und das wollen die kleineren privaten Geldhäuser offenbar nicht mehr.

Der Rückzug ohne Einigung über den Anteilswechsel ist ein fatales Signal für Paydirekt, zumal die kleineren privaten Banken gar nicht so klein sind. Es geht um Geldhäuser wie die Consorsbank, die Hypo-Vereinsbank, ING, MLP, Santander und die Targobank, die zusammen etliche Millionen Privatkunden haben.

Dass die deutsche Finanzbranche nicht an einem Strang zieht, zeigt sich im Paydirekt-Drama auch an anderer Stelle. Über die Paydirekt-App kann man Geld von Smartphone zu Smartphone überweisen – eine Dienstleistung, die in Deutschland bisher erst wenige Menschen nutzen und die großes Potenzial hat. Längst hätten die Eigentümer versuchen können, Paydirekt wenigstens als einheitliches Handy-Bezahlsystem kräftig zu vermarkten.

Doch auch hier wurde man sich nicht einig. Die Sparkassen starteten zeitig ein eigenes Angebot, „Kwitt“, die Volks- und Raiffeisenbanken bieten ihre Variante inzwischen unter demselben Namen an. Oft heißt es von den beteiligten Banken und Sparkassen, man sei mit zu hohen Erwartungen gestartet. Doch was bringt es der Branche, wenn Paydirekt sich mit einem Mini-Marktanteil zufriedengibt? Nichts. Deshalb ist es Zeit für ein Ende.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Die Banken sollten sich von Paydirekt verabschieden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Traurig, aber richtig. Wenn ich sehe, wie einfach Paypal und jetzt auch Apple Pay funktioniert, dann frage ich mich, woran Paydirekt wirklich gescheitert ist: War es die Technologie oder die Eigentümerstruktur? Oder die Inkompetenz des Managements? Die Deutschen haben offenbar Probleme damit, Leistungen so einfach und bequem wie möglich zu gestalten. Sowas verzeiht der digital orientierte Kunde nicht.

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