Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die Bayer-Führung steht vor einer schwierigen Mission

Nach dem Vertrauensentzug der Aktionäre ist Vorstandschef Werner Baumann angeschlagen. Seine umgehende Absetzung ist aber weder angebracht noch sinnvoll.
Kommentieren
Für die schwierige Situation des Bayer-Konzerns tragen CEO Baumann und Aufsichtsratschef Wenning die Verantwortung. Quelle: AP
Werner Wenning und Werner Baumann

Für die schwierige Situation des Bayer-Konzerns tragen CEO Baumann und Aufsichtsratschef Wenning die Verantwortung.

(Foto: AP)

Die Ohrfeige für die Bayer-Führung auf der diesjährigen Hauptversammlung war erwartet worden. Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, ist nicht nur überraschend, sondern muss für den Konzern besorgniserregend sein. Nur 44,5 Prozent stimmten für die Entlastung des Vorstands für das Geschäftsjahr 2018, der Aufsichtsrat kam nur auf 66 Prozent. Ein derart schwaches Votum zeugt von einem massiven Misstrauen der Aktionäre, vor allem gegenüber dem Vorstand. Das kann und darf nicht kleingeredet werden.

Natürlich hat das Votum keine zwingenden rechtlichen Folgen. Doch vor allem Vorstandschef Werner Baumann ist nun angeschlagen – aber auch sein Unterstützer, Aufsichtsratschef Werner Wenning. Es ist absehbar, dass es nun eine Diskussion um CEO Baumann geben wird, auch wenn sich der Aufsichtsrat noch in der Nacht geschlossen hinter den gesamten Vorstand stellte.

Eine umgehende Absetzung des seit drei Jahren amtierenden Vorstandschefs ist aber weder angebracht noch sinnvoll. Für die schwierige Situation, in der Bayer derzeit steckt, trägt Baumann die Verantwortung und mit ihm Wenning. Es ist glaubwürdig, dass der Vorstand nach den vorliegenden Rechtsgutachten seine aktienrechtlichen Pflichten bei der Risikoprüfung der Monsanto-Übernahme voll erfüllt hat. Doch damit konnte die Führung die Aktionäre nicht überzeugen, wie deren Votum zeigt. Der Vorwurf, die rechtlichen Risiken unterschätzt zu haben, ist nicht ausgeräumt.

Zu Baumanns Verantwortung gehört auch, dass er den Konzern aus der gegenwärtigen Lage wieder herausbringt. Bayer steckt mitten in drei hochkomplexen Verfahren. Erstens: die Integration von Monsanto, von deren Erfolg die Zukunft des gesamten Konzerns abhängt. Zweitens: ein schwieriger Konzern- und Stellenabbau. Drittens: die Glyphosat-Prozesse, die in einem Stadium sind, für das Erfahrung im US-Produkthaftungsrecht notwendig ist.

Allen drei Missionen ist gemeinsam, dass sie schnell und erfolgreich für Bayer verlaufen müssen. Ein neuer Chef, der wohl von außen kommen müsste und die Bayer-Welt nicht kennt, hätte keine Zeit und Möglichkeit zur Einarbeitung in diese hochkomplexe Materie – und auch nicht zu einer Kurskorrektur.

Denn eines ist klar: Es gibt kein Zurück bei der Monsanto-Übernahme. Es gibt auch kein Zurück beim Konzernumbau, denn der wird von den Investoren ja beklatscht. Ein neuer Chef kann und wird aktuell auch keine grundsätzlich andere Verteidigungslinie in den Glyphosat-Prozessen einschlagen können, wie sie Bayer derzeit führt.

Eine umgehende Ablösung Baumanns würde die Probleme von Bayer nicht lösen, sondern verlängern. Zudem gilt: Stand heute kann die Monsanto-Übernahme, deren Architekt Baumann ist, nicht abschließend als Missgriff bezeichnet werden, schließlich läuft das operative Geschäft mit dem Saatguthersteller gut an. Der CEO muss also in der Pflicht stehen, ebenso sein Aufsichtsratschef. Sollten beide gehen, was nach den Ergebnissen von Freitag durchaus gefordert werden könnte, würde Bayer ein Chaos bevorstehen, wie es schon anderen Unternehmen in die Knie gezwungen hat.

Bayer kann nach dieser denkwürdigen Hauptversammlung aber auch nicht einfach so weitermachen. Die Zeit seit der Monsanto-Übernahme ist geprägt von einer immer wieder erkennbaren Entfremdung: Hier der Bayer-Vorstand, der den Kauf als besten Deal überhaupt preist (was die Investoren aus Sicht des Managements einfach nicht verstehen wollen). Dort die skeptischen Aktionäre, die von den Versprechungen aus Leverkusen ganz offenbar nicht überzeugt sind (was wiederum die Bayer-Führung nicht verstehen kann).

Baumann muss sich aber bewusst sein: Es wird eine schwere Mission, das Vertrauen des Kapitalmarktes zurückzugewinnen, selbst wenn der Aufsichtsrat ihn dabei unterstützt. Er muss für sich selbst entscheiden, ob er diese Herausforderung stemmen will und kann. Auf jeden Fall braucht er dafür eine geschmeidigere Kommunikation mit Kritikern und erkennbare Erfolge – im operativen Geschäft, aber vor allem in den Glyphosat-Prozessen.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Die Bayer-Führung steht vor einer schwierigen Mission

0 Kommentare zu "Kommentar: Die Bayer-Führung steht vor einer schwierigen Mission"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote