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Kommentar Die Begeisterung des Mittelstandes für grüne Politik ist mehr als nur ein Hype

Alle Unternehmen werden den Klimaschutz in ihre Geschäftsmodelle integrieren müssen. Das wird sie vor noch größere Herausforderungen als die Digitalisierung stellen.
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Die Grünen legen in der Wählergunst zu. Quelle: dpa
Robert Habeck und Maike Schaefer

Die Grünen legen in der Wählergunst zu.

(Foto: dpa)

Grüne Politik hat den Mittelstand erreicht. Bei den Europawahlen legte die Partei nicht nur massiv in der Wählergunst zu. Auch bekannte Unternehmer wie etwa Heinrich Deichmann oder Reinhold Würth befürworteten in jüngster Vergangenheit den Kurs der Grünen.

Heinrich Deichmann hatte im Handelsblatt-Interview kürzlich eine „öko-sozialen Marktwirtschaft“ gefordert. Würth wiederum, der sein Unternehmen zum Weltmarktführer für Befestigungsmaterial gemacht hat, kritisierte in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung die Politik der CDU und ließ durchblicken, dass er bei den EU-Wahlen den Grünen seine Stimme gab. Zudem forderte er einen schnelleren Kohleausstieg.

Seine Botschaft an die Politik: Wir haben nur den einen Planeten. Das neue Bewusstsein, für das vor allem die Bewegung „Fridays for Future“ demonstriert, verbreitet sich immer stärker – auch unter deutschen Mittelständlern.

In der Bevölkerung herrscht Aufbruchsstimmung, jeder will seinen Beitrag zum Wandel leisten. Das trifft auch auf die Mittelständler zu. Sie fördern ökologisches Handeln, versuchen weniger zu reisen und stattdessen mehr Video-Konferenzen abzuhalten. Manche bieten Stromtankstellen auf dem Firmengelände an oder führen Vorschlagslisten für die Einsparung von CO2.

Jede einzelne Maßnahme ist zwar ein kleiner Schritt in Richtung bewussteres Handeln, doch jeder einzelne führt in die richtige Richtung. Das predigt der Soziologe Harald Welzer bereits seit Jahren. Wenn nur genug Leute mitmachen, kann in Sachen Klimaschutz etwas erreicht werden, so seine Ansicht. Diese Utopie skizziert Welzer auch in seinem neuen Buch.

Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung können kleine Maßnahmen bereits große Wirkung entfalten. Gezeigt hat das zum Beispiel „Weiberwirtschaft“, ein Berliner Zentrum für Gründerinnern. Jeder der zehn Angestellten bekommt drei Tage Urlaub extra, wenn er oder sie ein Jahr lang auf Flugreisen verzichtet. Den Medien war die Aktion eine Schlagzeile wert.

Die Begeisterung für die grüne Politik ist mehr als nur ein Hype. Es geht schließlich um eine grünere Zukunft. Genauso wie das Internet nicht so schnell verschwinden wird, werden alle Unternehmen den Klimaschutz in ihre Geschäftsmodelle integrieren müssen – auch der Mittelstand. In Zeiten harten internationalen Wettbewerbs müssen Firmen energieintensiver Branchen besonders stark umsteuern, damit der Wandel gelingt.

Dieser Weg wird alles andere als leicht – und die Unternehmen vermutlich vor noch größere Herausforderungen als die Digitalisierung stellen.

Trotz der damit verbundenen Anstrengungen profitieren Unternehmen in dreierlei Hinsicht vom Wandel. Erstens können sie ihre CO2-Bilanzen verbessern, zweitens ihre Attraktivität bei der Fachkräftegewinnung erhöhen und drittens womöglich feststellen, dass die Zahlungsbereitschaft der Kunden für klimafreundlichere Produkte tatsächlich langsam auf einer breiteren Basis steigt.

Auch wenn Unternehmen wahrscheinlich auch immer wieder Rückschritte erleben werden, ist ihnen nun eines bewusst: Viele Mittelständler nehmen Klimaschutz nicht mehr nur als Problem, sondern auch als Lösung wahr. Das zählt.

Mehr: Die Politik debattiert über eine CO2-Abgabe. Eine Kommission verspricht eine Nullemissionswirtschaft, die nicht wehtut. Fridays for Future hält dagegen.

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