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Kommentar Die Bequemlichkeit der US-Auto-Industrie in den Trump-Jahren rächt sich nun

US-Hersteller wie Ford und Fiat Chrysler haben den Wandel zu E-Autos in den vergangenen vier Jahren verschlafen. Das ist nicht nur, aber auch die Schuld des Präsidenten.
14.01.2021 - 13:13 Uhr Kommentieren
Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur
(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Vier Jahre Donald Trump in Washington. Vier Jahre Stillstand in Detroit. Die US-Autohersteller haben unter der letzten Regierung den Wandel in der Automobilbranche unterschätzt. Während Washington alte Technologien und Energiequellen wie Kohle und Öl unterstützte, setzten die Autobauer weiter auf Althergebrachtes – allen voran Ford und Fiat-Chrysler. Das rächt sich nun.

Im Eiltempo versuchen die US-Konzerne jetzt, ihre Forschung und Entwicklung auf batteriebetriebene Fahrzeuge umzustellen. Völlig überrascht stellen sie fest, dass die Kunden die gern belächelten E-Autos nun doch wollen. Und unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden wird die Nachfrage dank Steueranreizen und eines besseren Netzes an Ladestationen steigen.

Einschüchterungen aus Washington und schlichte Bequemlichkeit führten zu dieser Fehleinschätzung. Dank Trumps ölfreundlicher Politik war Benzin schließlich extrem günstig. Mit spritfressenden SUVs und Pick-ups ließ sich unter seiner Führung fantastisch verdienen. Der Verbrauch war den Konsumenten egal. Strengere Umweltstandards wie etwa in Kalifornien hat Trump sogar versucht zu bekämpfen. So konnten die Unternehmen gut weitermachen wie bisher. Zumindest, wenn sie nur kurzfristig dachten.

Besonders sträflich war diese Haltung, weil die US-Unternehmen den E-Auto-Pionier Tesla und E-Laster-Start-ups wie Rivian und Nikola direkt vor der Haustür hatten. Aber erst als Tesla immer neue Rekorde in der Produktion und an der Börse aufstellte und auch noch profitabel wurde, sind die US-Autobauer aufgewacht.

Späte Einsicht trotz gestiegener Nachfrage

Auf einmal merken selbst Ford, GM und Chrysler, dass E-Autos auch angesichts der sinkenden Batteriepreise vielleicht doch massentauglich sind und nicht nur etwas für reiche Kalifornier mit ökologischem Gewissen. Aber diese Einsicht kommt viel zu spät.
Trotz der gestiegenen Nachfrage haben die heimischen Automarken in den USA derzeit kaum etwas zu bieten: Ford kommt erst in diesem Jahr mit seinem ersten Elektroauto – dem Mustang Mach-E – auf den Markt und hat ansonsten nur ein paar Hybrid-Wagen im Angebot.

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Der Konzern hat unter Jim Hackett vergeblich seinen neuen Kurs gesucht, und E-Autos standen nicht hoch oben auf der Prioritätenliste. Sein seit Oktober amtierender Nachfolger Jim Farley gilt zwar als Fan von batteriebetriebenen Autos. Aber er muss viel verlorene Zeit aufholen. Er sieht vor allem bei kommerziellen Fahrzeugen noch großes Potenzial – auch das ein Segment, in dem andere schon weiter sind.

Bei Fiat-Chrysler (FCA) hatte der verstorbene Sergio Marchionne ganz offen gepredigt, es sei besser, bei E-Autos abzuwarten und andere die Technologie entwickeln zu lassen. Bis auf den kleinen Fiat 500 gibt es kein anderes reines E-Auto auf dem amerikanischen Markt. Marchionnes Nachfolger hat zaghaft versucht, die Strategie zu drehen. Aber das braucht Zeit, und mit der jüngsten Fusion von FCA und PSA hat die Führung des neuen Stellantis-Konzerns unter Carlos Tavares jetzt voraussichtlich erst einmal andere Probleme.

Eine löbliche Ausnahme ist General Motors. Hier hat die Konzernchefin Mary Barra schon vor Jahren die Elektro-Offensive ausgerufen und bereits 2016 das Elektrofahrzeug GM Bolt auf den Markt gebracht, das in Deutschland Opel Ampera-e heißt. Doch danach war es zu lange zu still. Mary Barras Geschichte steht auch symbolisch für das Verhältnis von Trump zu der Branche: Barra hat mit ihrem Schwenk von Verbrennermotoren hin zu batteriebetriebenen oder gar autonom fahrenden Autos keineswegs das Lob des US-Präsidenten geerntet.

Trump wollte vor allem alte Jobs erhalten

Ganz im Gegenteil: Als sie vor zwei Jahren in Ohio eine Fabrik für Pkws, die sich nicht mehr verkauften, schließen ließ, weil sie stärker auf E-Autos setzen wollte, bekam sie den Zorn des US-Präsidenten zu spüren. Der wollte nichts von neuen Technologien hören, sondern‧ vor allem alte Jobs erhalten. Die Ironie der Geschichte: Heute baut GM am selben Ort eine Batteriefabrik für die neuen E-Autos und stellt erneut mehr als 1000 Leute ein.

Angesichts der Erfolgsfahrt Teslas hat Barra zudem im November hastig noch einmal nachgelegt: GM will jetzt bis 2025 insgesamt 27 Milliarden Dollar in Elektroautos investieren. Die Technologie für die Ultium-Batterien wird von Branchenkennern als wegweisend gelobt. Barra ist Tesla damit so eng auf den Fersen wie kein anderes Unternehmen außer Volkswagen.

Mit Joe Biden wird die Nachfrage nach E-Autos rasant wachsen. Der neue Präsident will Steuervorteile durchsetzen und ein landesweites Netz an Ladestationen ausbauen. Die Analysten von Evercore schätzen bereits, dass in vier Jahren mindestens jeder vierte Neuwagen ein E-Auto sein wird. Das entspräche mehr als 2,5 Millionen E-Autos pro Jahr. Solch eine Nachfrage kann Tesla allein kaum befriedigen. Wenn die Amerikaner nicht wollen, dass ihnen die VWs oder Nios dieser Welt das Geschäft wegnehmen, dann müssen sie jetzt massiv investieren. „Buy American“ bleibt sonst ein hohler Slogan.

Mehr: Kampfansage an Tesla und VW: GM ist bei E-Autos weiter, als viele denken

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