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Kommentar Die beste Zeit für eine Kapitalerhöhung ist jetzt

Die ungewöhnlich gute Börsenstimmung macht es für Unternehmen einfach, sich in der Krise frisches Geld durch die Herausgabe neuer Aktien zu besorgen.
04.10.2020 - 16:16 Uhr Kommentieren
Unternehmen kommen aktuell leichter an frisches Kapital. Quelle: dpa
Covestro-Zentrale in Leverkusen

Unternehmen kommen aktuell leichter an frisches Kapital.

(Foto: dpa)

Die Überraschung kam bei den Covestro-Aktionären vor wenigen Tagen nicht gut an: Für 1,6 Milliarden Euro will der Chemiekonzern inmitten der Konjunkturkrise eine Sparte des niederländischen DSM-Konzerns kaufen. Die einstige Bayer-Abspaltung will so ihr Geschäft mit Lacken und Beschichtungen ausbauen.

Die Übernahme ist nach fast einhelliger Einschätzung von Analysten sinnvoll. Auch deshalb, weil der Kaufpreis nicht allzu hoch ist, was in den vergangenen Jahren in der Unternehmenswelt schon fast eine Ausnahme war.

Doch viele Aktionäre störten sich wohl nicht nur am Kauf, sondern auch an seiner Finanzierung: 450 Millionen Euro will Covestro über die Herausgabe neuer Aktien finanzieren. Das Kapital und die künftigen Erträge der Altaktionäre werden damit verwässert. Gewinne und Dividenden verteilen sich auf mehr Anteilsscheine. Das ist aus Aktionärssicht nicht schön.

Die Covestro-Aktie verlor denn auch bei Ankündigung des Deals gut sieben Prozent an Wert. Doch was sind schon sieben Prozent, wenn sich der Kurs zuvor in sechs Monaten glatt verdoppelt hat?
Covestro hat vieles richtig gemacht. Unternehmenschef Markus Steilemann und sein Finanzvorstand Thomas Toepfer nutzten eine fast einmalige Situation: Inmitten der Konjunkturkrise, in der Bares ein knappes Gut geworden ist, zapfen sie die Aktionäre an.

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    Das gelingt derzeit – und längst nicht nur Covestro – sehr viel besser als in vergangenen Krisen. Die Stimmung an den Finanzmärkten ist aktuell ausgesprochen gut, ganz anders als in früheren ausgeprägten Schwächephasen der Konjunktur.

    Wenn Unternehmen angesichts sinkender Aufträge, Umsätze und Gewinne Geld brauchen, wie zuletzt in der Finanzkrise 2009 und davor 2002/03, dann ist üblicherweise die Stimmung an der Börse so schlecht, dass Anleger sich der Geldbeschaffung in Form von Kapitalerhöhungen kaum zugänglich zeigen. Wenn es ein Unternehmen doch einmal wagt, bestrafen Aktionäre dies oftmals mit 20- oder 30-prozentigen Kursstürzen, wie es beispielsweise der Commerzbank in der Finanzkrise widerfahren war.

    Kapitalerhöhungen gelten als riskant

    Weil der Aktionär nicht nachhaltig verärgert werden soll, gelten Kapitalerhöhungen als riskant und inmitten einer Krise als kaum durchsetzbar. Das ist diesmal dank der guten Börsenstimmung – im Vergleich zur Realwirtschaft – anders. Nicht nur Covestro kam mit seinem Kursabschlag glimpflich davon.

    RWE besorgte sich bei Investoren zwei Milliarden Euro durch die Herausgabe neuer Anteilsscheine. Das ist viel Geld angesichts eines Gesamtbörsenwertes von nur 21 Milliarden Euro. Das frische Geld soll in den Ausbau der Wind- und Sonnenenergie investiert werden, um so die Transformation zum grünen Stromversorger zu beschleunigen.

    Zwar fiel der RWE-Kurs unmittelbar nach der Ankündigung um fast zehn Prozent, und damit sogar noch etwas stärker als der von Covestro. Doch auch das ist nur der kurzzeitige Moment. Seit dem Börsentief vor fünf Jahren, als RWE als sterbender Dinosaurier galt, weil Kernenergie in Deutschland out ist und Strom aus Braunkohle keinerlei Fantasie mehr entfacht, hat sich der Kurs mehr als verdreifacht.

    Grund dafür ist der rasante und größte Umbau in der 122-jährigen Unternehmensgeschichte. Dieser gelingt mit der Herausgabe neuer Aktien schneller als gedacht. Das lässt den Kurs, über den Tagesverlust hinaus betrachtet, so kräftig steigen.

    Attraktive Form der Geldbeschaffung

    Covestro und RWE stehen mit ihren Kapitalerhöhungen nicht allein. Drägerwerk, der Hersteller von Beatmungsgeräten und Schutzmasken, besorgte sich im April 76,5 Millionen Euro über neue Aktien. Um den 14-Milliarden-Euro teuren Kauf des US-Krebstherapie-Spezialisten Varian zu einem Teil zu finanzieren, gab Siemens Healthineers 75 Millionen neue Aktien aus und sammelte so 2,7 Milliarden Euro ein. Das Angebot war zweifach überzeichnet. Der Markt nahm die Kapitalmaßnahme also gut auf.

    Der Immobilienriese Vonovia sammelte eine Milliarde Euro ein. Genauso viel besorgte sich Infineon, um den Kaufpreis des amerikanischen Speicherherstellers Cypress Semiconductor in Höhe von neun Milliarden Euro zu reduzieren. Durch seine Neuerwerbung schafft es Infineon, in die Phalanx der weltweiten Top 10 der Chipkonzerne aufzurücken.

    Dafür braucht es Risikokapital in Form von Kapitalerhöhungen. Diese sind eine der attraktivsten und preiswertesten Formen der Geldbeschaffung, weil sie keiner Tilgung bedürfen. Die Chance, Anlegern Kapitalerhöhungen als lukrative Spekulation auf eine bessere Zukunft zu verkaufen, war wohl nie so groß wie derzeit.

    Die Krise in der Realwirtschaft wird an der Börse nicht als solche gesehen. Wohl auch deshalb, weil die Notenbanken mit ihrer Nullzinspolitik so viel billiges Geld zur Verfügung stellen. Das eröffnet Unternehmen die Chance, sich billig Geld bei ihren Aktionären zu holen.

    Mehr: Covestro stemmt Übernahme, Aktie knickt ein

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