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Kommentar Die Börse ist kein Spielkasino – und soll es auch nicht werden

Cepsa, Tencenc Music und Exyte haben die Pläne für einen Börsengang gestrichen. Die Anleger sind vorsichtiger geworden – das war dringend nötig.
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Bernd Montag, CEO von Siemens Healthineers, läutet nach dem gelungenen Debüt auf dem Frankfurter Parkett im März die Börsenglocke. Quelle: Reuters
Börsengang von Siemens Healthineers

Bernd Montag, CEO von Siemens Healthineers, läutet nach dem gelungenen Debüt auf dem Frankfurter Parkett im März die Börsenglocke.

(Foto: Reuters)

Es hagelt Absagen: Immer mehr Unternehmen streichen ihre Pläne für einen Börsengang. Jüngstes Beispiel ist der spanische Ölkonzern Cepsa, der seine milliardenschwere Aktienneuemission abgesagt hat. Der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi wollte ursprünglich ein Viertel am Ölkonzern bei Anlegern platzieren. Doch die Sorgen um die Weltkonjunktur, der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Haushaltszwist zwischen Italien und der EU-Kommission sowie die Furcht vor einem ungeregelten EU-Ausstieg Großbritanniens schaffen Verunsicherung an den Märkten.

Davor schreckt nicht nur Cepsa zurück. Auch der chinesische Musikstreamingdienst Tencent Music, der niederländische Autoleasinganbieter Leaseplan und der deutsche Spezialanlagenbauer Exyte zogen es vor, lieber den Börsengang abzublasen.

Sie alle fürchteten, ihre Preisvorstellungen gegenüber den skeptischeren Investoren nicht mehr durchsetzen zu können. Die Anleger sind vorsichtiger geworden – und das war auch dringend nötig.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Knorr-Bremse. Der Weltmarktführer von Bremsen für Züge und Lkws verkürzte beim Börsengang die Frist, innerhalb derer Investoren neue Aktien ordern konnten und legte den Ausgabekurs knapp oberhalb der Mitte der Angebotsspanne fest. Der Preis wurde also nicht vollständig ausgereizt. Für Anleger bleibt deshalb Spielraum nach oben.

Gewiss, die Münchener stehen für Unternehmen, denen das Label „made in Germany“ positiv anhaftet. Sie zählen zu den heimischen Industriellen, die besonders im Ausland bei Investoren gut ankommen. Aber hier überzeugt auch das Geschäftsmodell eines Weltmarktführer in der Nische, der über Jahre Erfolge vorweisen kann.

Die Firmenstrategie sollte auch in schwierigeren Zeiten funktionieren. Etwa wenn die Konjunktur nachlässt, wie das angesichts der Prognosen etwa des Internationalen Währungsfonds zu befürchten ist.

Ohnehin stellt sich im zehnten Jahr nach der Finanzkrise die Frage, ob bei Börsengängen wieder Übertreibungen sichtbar werden, wie sie etwa in Deutschland während des Neuen Marktes zu beobachten waren. Um es vorwegzunehmen: Auch hierzulande mögen die Ausgabepreise in manchen Fällen zu hoch gewesen sein. Der Eindruck drängt sich etwa nach dem Kursverfall der Fondstochter der Deutschen Bank, der DWS, von zeitweise fast einem Drittel im Vergleich zum Ausgabekurs auf.

Aber es gibt hierzulande nicht die Unsitte, die heute in den USA wieder gang und gäbe ist und die auch zu Zeiten des Neuen Marktes häufiger zu beobachten war: Es gehen neue Unternehmen auf das Parkett, die kein stabiles Geschäftsmodell besitzen, keine Historie aufweisen und Verluste schreiben.

Investoren müssen alte Tugenden neu entdecken und wieder eine stärkere Preissensitivität an den Tag legen.

Als stärkstes Plus dieser Firmen – in den USA handelt es sich vielfach um Biotechkonzerne – zählt die Wachstumsfantasie. Doch wenn sich deren ehrgeizige Pläne nicht erfüllen, die Fantasie keine Wirklichkeit wird, kennt der Kurs nur einen Weg: nach unten.

Angesichts dieser neuerlichen Übertreibungen vor allem in den USA stellt sich die Frage: Haben die Investoren nichts gelernt? Oder legt eine neue Generation von Fondsmanagern das Geld der Sparer an, die keinen Blick zurück in die Zeit um die Jahrtausendwende wagen und immer nur voller Euphorie in die Zukunft blicken? Hoffentlich nicht.

Die Investoren haben Verantwortung und verwalten treuhänderisch die Gelder vieler Menschen, die oftmals ihr Alter mit den angesparten Geldern versüßen wollen. Natürlich fällt es derzeit schwer, die richtigen Investments zu finden; natürlich prägt die Geldschwemme das Anlageverhalten mit. Doch das allein kann es nicht sein. Investoren müssen alte Tugenden neu entdecken und wieder mehr Preissensitivität an den Tag legen.

Aber auch die Unternehmen dürfen nicht überziehen und den letzten Cent herauskitzeln. Besser ist es im Zweifel, eine weitere Finanzierungsrunde bei Wagniskapitalgebern zu drehen, um es danach mit einem stabileren Geschäftsmodell zu versuchen. Die Börse ist kein Spielkasino und soll das auch nicht werden.

Leider haben die vielen Pleiten des Neuen Marktes eine Generation von Kleinanlegern verprellt. Das schmerzt heute, wo Aktien und Immobilien wichtige Bausteine einer Anlagestrategie sind.

Und es ist auch aus Unternehmersicht schade. Der Kapitalmarkt bieten eine gute Basis, um etwa wie im Fall von Knorr-Bremse einen Generationswechsel mehr oder weniger geräuschlos einzuleiten. Das geht in Zeiten starker Kursschwankungen aber nur dann gut, wenn die Eigentümer der Konzerne im Preis nicht überziehen.

Sinnvoll bleiben in derartigen Situationen eine breite Kursspanne und viel Flexibilität bei der Größe des Börsengangs. Bei Bedarf muss auch das Volumen verkleinert werden – zugunsten des langfristigen Erfolgs.

Ohnehin haben in unsicheren Zeiten wie heute vor allem größere Konzerne ein Plus zu bieten, die eine längere Lebens- und Erfolgsgeschichte aufweisen können und bei denen erfahrene Vorstände an der Spitze stehen. Dann sind Börsengänge (fast) immer möglich.

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