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Dax-Kurve

Wenn Anleger wieder nach Rendite suchen, die sie abseits der Börsen nicht mehr finden, steigen die Kurse.

(Foto: dpa)

Kommentar Die Börsen steigen und steigen – Wie verrückt sind die Anleger?

Mag sein, dass Börsianer Risiken ignorieren. Doch es gibt viele gute Gründe für steigende Aktienkurse. Darüber hinaus fehlen die Alternativen.
09.06.2020 - 17:19 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Gut 55 Prozent hat der Dax seit seinem Tief im März zugelegt, nachdem er in nur einem Monat 40 Prozent verloren hatte. Der mathematischen Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass damit das Ursprungsniveau nicht ganz erreicht ist. Dafür fehlen noch sechs Prozent. Dennoch überrascht die Rasanz der Erholung angesichts der tiefsten Rezession in der Nachkriegsgeschichte und sinkender Auftragseingänge in der produzierenden Wirtschaft, wie es sie noch nie gab.

Das nährt den Verdacht, dass Anleger einer beispiellosen Euphorie erliegen, die sie blind macht für die realen schlechten Wirtschaftsdaten. Doch so dumm sind Börsianer nicht. Zugegeben, abgesehen von Ausnahmetagen mit Kursrücksetzern wie am Dienstag ignorieren Aktionäre offenbar das Risiko einer zweiten Pandemiewelle.

Ein erneutes Herunterfahren der Wirtschaft hätte katastrophale Auswirkungen auf die Stimmung und das Ausgabeverhalten von Konsumenten sowie die Produktion und Investitionsbereitschaft der Unternehmen – ganz sicher auch auf die Börse. Vielen Unternehmen dürfte in solch einem Fall die Liquidität fehlen, um eine zweite Krise zu überstehen.

Andererseits setzen Anleger derzeit aus vielen guten Gründen auf steigende Kurse. Wer Aktien kauft, spekuliert nicht auf Vergangenes und Gegenwärtiges, sondern die Zukunft.

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    Daran gemessen sieht es derzeit besser aus als im Hier und Jetzt. Konjunktureinbrüchen von sieben und mehr Prozent stehen vermutlich Wachstumsschübe von vier und mehr Prozent im kommenden und übernächsten Jahr gegenüber – allein auf Grund von Nachholeffekten samt niedriger Ausgangsbasis.

    Dazu gehören rasant steigende Unternehmenserträge. Auf sie spekulieren Anleger schon jetzt.

    An Aktien führt kein Weg vorbei

    Zwar sind die Börsen ohne Zweifel überbewertet. Gemessen an den schmalen Gewinnen im laufenden Jahr kosten die Aktien fast aller Unternehmen weit mehr als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Doch Überbewertungen sind in Rezessionen, ganz besonders in ausgeprägten wie jetzt, normal. Grund dafür ist, dass die Unternehmensgewinne kurzzeitig um 50 und mehr Prozent einbrechen, was die Bewertung rasant steigen lässt.

    Wichtig ist nur, dass die Unternehmen nach der Krise ihre Gewinne wieder steigern, so wie es bislang nach allen Rezessionen gelungen ist. Bislang spricht nichts dafür, dass es diesmal eine Ausnahme von der Regel gibt.

    „Die Wall Street erlebt die größte Euphorie seit der Tech-Blase“

    Darüber hinaus fehlen die Alternativen. Wer sein Geld nicht mit null Prozent auf dem Konto liegen lassen will, kommt an Aktien nicht vorbei. Immobilen, lange Zeit eine gute und risikoärmere Alternative zu den schwankungsvollen Börsen, erscheinen seit Corona mit einem Mal risikoreicher.

    Das gilt vor allem für Gewerbeimmobilien: In vielen Unternehmen wächst auf Vorstandsebene der Wunsch, Büroflächen zu verkaufen oder weiterzuvermieten, weil Mitarbeiter das Homeoffice für sich entdeckt haben und offenbar nicht bereit sind, künftig fünf Tage die Woche ins Büro zurückzukehren. In der Hoffnung, teure Infrastruktur künftig einzusparen, pochen viele Firmen nicht auf die Rückkehr zur alten Normalität.

    Allerdings, auf die Idee zu verkaufen oder zu vermieten, dürften schon bald viele Firmen kommen. Das wird die Preise für Gewerbeimmobilien nicht wie lange Zeit steigen, sondern sinken lassen. Das macht die Anlage in Immobilien künftig riskanter und wohl auch renditeärmer.

    Milliardenschwere Konjunkturprogramme

    Schließlich befeuern die Staaten und Notenbanken in nie dagewesener Form die Börsenrally. Deutschland, China, die USA und viele andere Regierungen überbieten sich mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen, wie sie in Vor-Corona-Zeiten unvorstellbar erschienen. Es ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil dieser Konsumenten, Selbstständigen und Unternehmen zur Verfügung gestellten Gelder in Aktien fließen.

    Noch stärker tragen die Zentralbanken zum Börsenboom bei, indem sie die Zinsen nicht mehr nur vorübergehend, sondern offenbar dauerhaft auf null herabsetzen. Dafür gab es in den vergangenen Jahre verschiedene Gründe: Zuerst war es die Immobilien- und Bankenkrise, dann der Konjunktureinbruch, als nächstes die Gefahr eines Rückschlags, daraufhin die Staatsschuldenkrise, zwischendurch Sorgen vor einer Deflation, nach der Wahl Donald Trumps der Handelskonflikt und schließlich die Coronakrise.

    Dabei ging es eigentlich immer nur darum, Staaten mit extrem niedrigen Zinsen das Überleben zu sichern. Länder wie Griechenland, Spanien, Italien, Japan und allen voran die größte Volkswirtschaft USA sind so hoch verschuldet, dass alte Zinsniveaus mit Renditen für Staats- und Unternehmensanleihen von fünf und mehr Prozent gar nicht mehr vorstellbar erscheinen.

    Damit fehlt der Aktie die wohl wichtigste Alternative. Deshalb steigen die Kurse. Das geht so lange gut, bis Anleger vorübergehend ihr Geld in Sicherheit bringen, so wie zuletzt beim Ausbruch der Corona-Pandemie im März. Doch sobald das Geld wieder nach Rendite sucht, die es abseits der Börse nicht mehr findet, steigen die Aktienkurse wieder.

    Mehr: Die Märkte spekulieren auf eine rasche Rückkehr zur Normalität. Doch das ist noch längst nicht ausgemacht, kommentiert Ulf Sommer.

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    Mehr zu: Kommentar - Die Börsen steigen und steigen – Wie verrückt sind die Anleger?
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