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Wall Street

Die Börsenwelt hat sich von den fünf Technologieriesen Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Facebook abhängig gemacht.

(Foto: AP)

Kommentar Die Börsenwelt hat sich von fünf Technologieriesen abhängig gemacht

Nie zuvor besaßen fünf großen US-Technologiefirmen so viel Gewicht an der Börse. Für Anleger ist das gefährlich. Alphabet, Facebook und Co. gehören gestutzt.
03.02.2020 - 20:48 Uhr 1 Kommentar

Geht es um mehr Staatskontrolle und die Begrenzung von Marktmacht, dann ist es um Amerikas „Big Five“ zuletzt ruhig geworden. Dass es jemals dazu kommt, dass Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Facebook zerschlagen werden, ist fraglich. Die Börse hat darauf ohnehin nie wirklich spekuliert.

Das lässt sich an den immer weiter steigenden Kursen ablesen. Dabei wäre genau das aus Sicht der Anleger überlegens- und wünschenswert. Selbst dann wäre es sinnvoll, wenn Anleger gar nicht in die „Big Five“ investieren.

Sonst heißt es eines Tages: Amerikas fünf Technologieaktien schwächeln, Wall Street und mit ihr die gesamte Weltbörse crashen. Was auf den ersten Blick nach einem unrealistischen Horrorszenario klingt, ist keineswegs abwegig. Nie zuvor in der langen Finanzgeschichte besaßen fünf Technologiefirmen so viel Gewicht und damit Einfluss an der Börse wie heute.

In der vergangenen Woche hat nach Apple, Microsoft und Alphabet auch Amazon angesichts glänzender Quartalsergebnisse beim Börsenwert die Billionen-Dollar-Marke überschritten. Alle fünf zusammen sind umgerechnet 4,8 Billionen Euro wert. Das sind 1,4 Billionen Euro mehr als das gesamte deutsche Bruttoinlandsprodukt. Das bedeutet: 82 Millionen Bundesbürger haben in einem ganzen Jahr nicht genug erwirtschaftet, um diese fünf Firmen kaufen zu können.

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    Allein seit Anfang vergangenen Jahres steigerten die fünf Tech-Riesen ihren Börsenwert abermals um 1,8 Billionen Euro. Schon allein damit ließen sich alle 763 börsennotierten Konzerne hierzulande kaufen.

    Problem Nummer eins dieser gigantischen Kurszuwächse ist, dass die realwirtschaftliche Entwicklung nicht Schritt hält. Die Aktienkurse erhöhten sich im vergangenen Jahr im Schnitt um mehr als ein Drittel, doch die Gewinne der Unternehmen stagnierten nur.

    Apple bilanzierte im vergangenen Geschäftsjahr 50 Milliarden Euro Reingewinn, zwei Prozent weniger als im Jahr davor. Doch der Kurs stieg 2019 um 63 Prozent, in diesem Januar um weitere zehn Prozent.

    Apple und Microsoft sind – gemessen am Aktienkurs und Unternehmensgewinn – heute doppelt so teuer wie noch vor zwei Jahren. Das allein erhöht die künftigen Risiken und birgt Absturzgefahr, wenn Anleger weniger euphorisch auf die möglichen Wachstumsperspektiven blicken.

    Problem Nummer zwei ist noch größer. Das Börsengewicht der fünf ist inzwischen so groß, dass sie allein im vergangenen Jahr mehr als 20 Prozent zum Kurswachstum des S&P beitrugen, des weltweit bekanntesten Börsenindexes. In ihm notieren Amerikas 500 größte Unternehmen.

    Mehr noch: Anleger, die ihr Risiko besonders breit streuen, setzen gern auf die börsennotierten Unternehmen in der gesamten Welt. Am beliebtesten sind Indexfonds auf den MSCI World. Dieser bildet mehr als 1 600 Unternehmen in der westlichen Welt ab.

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    Wer glaubt, auf diese Weise besonders breit und klug zu diversifizieren, wie Anlageberater gern das breite Verteilen von Risiken nennen, irrt. Fast zwei Drittel dieses MSCI World machen inzwischen amerikanische Aktien aus. Das ist so viel wie noch nie. Grund dafür ist, dass US-Aktien seit vielen Jahren stärker zulegen als Dividendenpapiere im Rest der Welt.

    Jahr für Jahr verschiebt sich das Gewicht zugunsten der US-Aktien – losgelöst von der Entwicklung der Realwirtschaft. An vorderster Front stehen amerikanische Technologieaktien – und hier wieder die großen fünf. Sie repräsentieren inzwischen zehn Prozent des gesamten Weltindexes.

    Einmal angenommen, Tim Cook und Satya Nadella bringen Apple und Microsoft vom Erfolgskurs ab, weil sie wie einst der weltgrößte Handyhersteller Nokia Trends von morgen verschlafen. Wer glaubt, solch ein Missgeschick würde nur diese zwei Technologieunternehmen und ihre Aktionäre treffen, liegt falsch. Die Vergangenheit zeigt, was an der gesamten Weltbörse passiert, wenn sich nur ein Hauch des Zweifels über Amerikas große Technologiefirmen legt.

    Ende 2018 reichten Spekulationen über mögliche Absatzschwierigkeiten von Apple in China aus, um die Börsen weltweit einknicken zu lassen. Ein Großteil des Jahresverlusts von 20 Prozent im Deutschen Aktienindex (Dax) ging auf das Konto von Apples vermeintlichen China-Schwierigkeiten, die sich übrigens am Ende gar nicht bewahrheiteten.

    Die Börsenwelt hat sich von fünf Technologieriesen abhängig gemacht. Stürzen ihre Kurse ab, dann auch die gesamten Aktienmärkte. Nicht nur, weil das Gewicht der Technologieriesen immer größer wird, sondern auch, weil ihr Kurs-Einfluss auf alle anderen Branchen steigt.

    Ein Ausweg aus dem Dilemma ist nicht in Sicht, solange die großen fünf nicht in viele Teile zerlegt werden, womit sie ihre viel zu große Bedeutung für die Börsen wieder verlieren würden.

    Einstweilen müssen Anleger damit leben, dass die „Big Five“ nicht nur einen Großteil unserer digitalen Bedürfnisse befriedigen, sondern auch den Wertzuwachs unserer Depots maßgeblich beeinflussen. Egal, ob Anleger in Apple und Co. investiert sind oder nicht.
    Mehr: Virus-Sorgen machen Wall Street erneut zu schaffen. Anleger sorgen sich um die Auswirkungen des Coronavirus auf die Weltwirtschaft.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Börsenwelt hat sich von fünf Technologieriesen abhängig gemacht"

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    • Viele interessante Gedanken, nur vllt. als Ergänzung hierzu: 1. Den Vergleich mit Nokia würde ich so nicht ziehen, da die Big Five viel stärker innerhalb ihrer Unternehmen diversifiziert sind, als es Nokia damals mit ausschließlichem Fokus auf Mobiltelefone war. 2. Der MSCI World ist auf jeden Fall noch breiter gestreut als es bspw der DAX ist (siehe nur Autoindustrie, Chemie. Maschinenbau, IT) 3. Der US Markt (dahinter stehen ja Unternehmen), man ziehe nur einen langjährigen Vergleich mit dem DAX - 10, 20, 30, 40, 50... Jahre - läuft halt historisch gesehen besser (d.h höhere Dividenden und größere Ertragssteigerungen) als der deutsche Aktienmarkt. (Und Vorsicht bei einem 1:1 Vergleich Dax mit anderen Indizes, z.B. S&P: der Dax in der klassischen Nachrichtenvariante rechnet die Dividendenausschüttungen in den Index rein, der S&P und andere nicht.) 4. Ob die nächsten 10 Jahre so ertragreich werden wie die letzten, ist wohl wirklich fraglich, da man die KGVs mglw. überreizt hat und diese sich wieder langfristig gesehen auf Normalniveau einpendeln sollten (Quelle: John C. Bogle: Das kleine Handbuch des vernünftigen Investierens). 5. Was soll erst passieren, wenn Tesla ähnliche Gewinne macht wie bspw die deutschen Autobauer. Beachte: Musk setzt auch nicht alles auf ein Pferd, obwohl nur Tesla im Fokus ist. Naja, es bleibt spannend.

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