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Kommentar Die Commerzbank muss sich auf sich selbst konzentrieren

Heute muss der Vorstand dem Aufsichtsrat Rede und Antwort über die neue Strategie stehen. Das Geldhaus sollte nicht weiter von Fusionen träumen.
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Statt utopischen Ertragszielen hinterherzurennen, sollte sich der Vorstand darauf konzentrieren, die Kosten noch deutlicher zu drücken. Quelle: Bloomberg
Commerzbank-Filiale

Statt utopischen Ertragszielen hinterherzurennen, sollte sich der Vorstand darauf konzentrieren, die Kosten noch deutlicher zu drücken.

(Foto: Bloomberg)

Die Commerzbank sorgt derzeit mit einem mutigen Werbefilm für die Fußballnationalmannschaft der Frauen für Furore. „Seit es uns gibt, treten wir nicht nur gegen Gegner an, sondern vor allem gegen Vorurteile“, heißt es in dem Clip. Die Commerzbank selbst bekommt seit Jahren zu hören, sie sei nicht groß genug, um auf Dauer allein zu bestehen. Doch ob es sich dabei um ein Vorurteil oder eine treffende Analyse handelt, ist umstritten.

Auf der einen Seite ist es betriebswirtschaftlich von Vorteil, wenn Banken möglichst viele Kunden haben und deren Geschäfte über eine Plattform abwickeln können. Zudem fällt es größeren Geldhäusern tendenziell leichter, die steigenden Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen und Investitionen in neue Technologien zu stemmen.

Auf der anderen Seite können durch Bankenfusionen übermäßig komplexe Gebilde entstehen, die sich zu sehr mit sich selbst beschäftigen und schwer zu steuern sind.

Das ist im Zeitalter der Digitalisierung, in dem Wettbewerber permanent mit neuen Angeboten um die Ecke kommen, ein gewaltiges Problem. Zudem geht bei Fusionen Geschäft verloren, weil gerade Firmenkunden eine zu große Abhängigkeit von einem Geldhaus vermeiden wollen.

Es muss also sehr gute Argumente geben, damit sich zwei Institute auf das Wagnis Fusion einlassen. Und das war beim geplatzten Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank nicht der Fall. Das fusionierte Institut wäre nur auf eine Eigenkapitalrendite im mittleren einstelligen Bereich gekommen.

Zudem hätte es enorme Risiken bei der Umsetzung der Fusion gegeben, denn die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Häusern sind groß. Über die Details der gescheiterten Fusion muss der Vorstand um Martin Zielke dem Aufsichtsrat in einer Sondersitzung an diesem Dienstag Rede und Antwort stehen.

Konsolidierung ist kein Patentrezept

Der geplatzte Deal zeigt einmal mehr: Konsolidierung ist kein Patentrezept, um die Probleme von Banken zu lösen. Das gilt für nationale und grenzüberschreitende Zusammenschlüsse gleichermaßen. Dass die niederländische Großbank ING oder die italienische Unicredit die Commerzbank nun zeitnah schlucken, ist deshalb eher unwahrscheinlich.

Für beide Institute wäre es aktuell schwer, ihren Aktionären eine Übernahme der Commerzbank schmackhaft zu machen, denn die Kostensynergien wären deutlich geringer als bei der geplatzten deutschen Großbankenhochzeit.

Zudem gibt es in den EU-Staaten nach wie vor viele unterschiedliche Regeln, die ein Zusammenlegen von Geschäften erschweren und positive Effekte einer Fusion abschwächen. Unter anderem dürfen paneuropäische Banken Liquidität und Kapital nicht nach Belieben über Ländergrenzen hinweg verschieben.

Wenn Unicredit oder ING dennoch ein Angebot für die Commerzbank vorlegen, müsste der Vorstand dies natürlich ergebnisoffen prüfen. Aus eigenem Antrieb sollte sich Commerzbank-Chef Martin Zielke aber nicht in die nächsten Fusionsverhandlungen stürzen. Stattdessen muss er die Weichen dafür stellen, dass die Commerzbank aus eigener Kraft besser wird.

Deutschlands zweitgrößte Privatbank hat ihre Risiken in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Doch das große Manko ist die Profitabilität. 2018 kam das Institut lediglich auf eine Eigenkapitalrendite von 3,4 Prozent – und schnitt damit schlechter ab als Konkurrenten wie BayernLB, Helaba oder LBBW.

Die Commerzbank hat den richtigen Fokus

Im Gegensatz zur Deutschen Bank, die immer noch nach einer schlüssigen Ausrichtung für ihre Investmentbank sucht, hat die Commerzbank kein grundsätzliches Strategieproblem. Der Fokus auf das Privat- und Firmenkundengeschäft ist richtig.

Es ist jedoch auch klar, dass die Bank mit diesem Geschäftsmodell in Deutschland auf absehbare Zeit keine traumhaften Renditen erzielen wird. Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben. Und auch am harten Wettbewerb wird sich nichts ändern.

Es bringt jedoch nichts, über die schwierigen Rahmenbedingungen zu jammern und andere für die eigene Erfolglosigkeit verantwortlich zu machen. Es gibt genug Themen, die die Commerzbank aus eigener Kraft anpacken kann.

Statt utopischen Ertragszielen hinterherzurennen, sollte sich der Vorstand darauf konzentrieren, die Kosten noch deutlicher zu drücken. Auch in den einzelnen Geschäftsbereichen gibt es Luft nach oben – etwa im Ratenkreditgeschäft.

Grafik

Zudem sollte sich die Bank noch einmal Gedanken über die Aufstellung ihrer Firmenkundensparte machen, die sich in den vergangenen Jahren vom Ertragsbringer zum Sorgenkind des Instituts entwickelt hat. Die aktuelle Strategie, mit Kampfkonditionen um Firmenkunden zu buhlen, könnte sich rächen, wenn es zu einem Abschwung mit mehr Kreditausfällen und Unternehmenspleiten kommt.

Aus eigener Kraft wird es die Commerzbank sicher nicht in die Champions League schaffen. Auch eine Rückkehr in den Leitindex Dax, die Bundesliga der deutschen Unternehmen, dürfte schwierig werden. Doch wenn sich die Commerzbank zu einem soliden Zweitligisten entwickelt, der nachhaltig etwas mehr verdient und einem sonst keine Sorgen bereitet, könnte man damit am kriselnden deutschen Bankenmarkt vermutlich ganz gut leben.

Mehr: Der Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank ist geplatzt. Woran er gescheitert ist und warum jetzt vor allem der Deutsche-Bank-Chef in Zugzwang ist.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Die Commerzbank muss sich auf sich selbst konzentrieren"

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  • Noch so ein nutzloses deutsches Institut. Die Deutschen sollten Banking den Italienern (Unicredit)oder den Franzosen(Societe Generale) überlassen, die verstehen wenigstens etwas davon. Man stelle sich nur vor, ein Deutscher würde EZB Präsident. Brrrr !!! "Der Winter kommt"

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