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Kommentar Die Corona-Lücke müssen wir mit Wachstum schließen

Corona hinterlässt eine dauerhafte Lücke im deutschen Wachstum. Um das auszugleichen, müssen sich Arbeit und Investitionen wieder mehr lohnen.
09.08.2020 - 13:49 Uhr 4 Kommentare
Die Pandemie reißt in der Wirtschaft eine Lücke auf. Quelle: Burkhard Mohr
Corona-Lücke

Die Pandemie reißt in der Wirtschaft eine Lücke auf.

(Foto: Burkhard Mohr)

Die schwere Rezession im Frühjahr wird Deutschland Wohlstand kosten – und zwar dauerhaft. Im zweiten Quartal 2020 war die Wirtschaftsleistung zwölf Prozent geringer als im Schlussquartal 2019. Daran ändern auch die guten Juni-Daten für die Industrie nichts. Viele Auguren erwarten, dass die Wirtschaft frühestens im Verlauf des Jahres 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird.

Wer aus diesen Prognosen jedoch herausliest, spätestens zu Weihnachten 2022 seien die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Coronakrise vergessen, der irrt gewaltig. Denn wenn das Vorkrisenniveau erreicht ist, fehlen der deutschen Wirtschaft zwei Jahre Wachstum.

Zur Verdeutlichung: Die Frühjahrsprognose der Bundesregierung ging davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2020 im Vergleich zum Vorjahr um rund 160 Milliarden Euro schrumpfen und 2021 um 220 Milliarden Euro wachsen dürfte.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2021 sollte demnach 3,5 Billionen Euro betragen. Im Herbst 2019 – also in der Vor-Corona-Zeit – schätzten die Regierungsexperten, die Wirtschaft werde nominal 2020 und 2021 um je rund drei Prozent zulegen. Das BIP hätte dann 2021 annähernd 3,65 Billionen Euro betragen und sollte in den folgenden Jahren entsprechend des Trendwachstums zulegen. Am Ende des Prognosezeitraums 2024 wäre das BIP dann fast vier Billionen Euro groß gewesen.

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    Laut Frühjahrsprognose wird die Wirtschaft im Herbst 2021 ungefähr dort stehen, wo sie Anfang 2020 stand. Von diesem, rund 150 Milliarden Euro geringeren Ausgangsniveau, wird sie entsprechend dem Trend wachsen, sodass 2024 das BIP gut 3,8 Billionen Euro beträgt. Demnach wird der alte Wachstumspfad also nie wieder erreicht werden; Corona macht Deutschland dauerhaft ärmer.

    Jedem Deutschen fehlen 1800 Euro

    Man mag das auf den ersten Blick als Zahlenspielerei der Statistiker betrachten. Doch weit gefehlt, 150 Milliarden Euro weniger Wirtschaftsleistung entsprechen rechnerisch der Produktion von rund 7,5 Millionen VW Golf oder 300.000 Einfamilienhäusern. Und wenn Deutschland weniger produziert, werden weniger Arbeitskräfte benötigt und niedrigere Einkommen erzielt. Folgt man der Regierungsprojektion, macht Corona jeden Einwohner Deutschlands um 1800 Euro ärmer.

    Geringere Einkommen bedeuten aber auch weniger Einnahmen für den Staat. So geht die jüngste Steuerschätzung vom Mai davon aus, dass nach dem Corona-Einbruch in diesem Jahr dem Staat auch mittelfristig jedes Jahr rund 50 Milliarden Euro fehlen werden, mit denen er eigentlich Investitionen tätigen, Umverteilung betreiben oder Corona-Schulden tilgen wollte. Kurz: Alle Planungen sind Makulatur; mittelfristig klafft ein gewaltiges Loch zwischen geplanten Einnahmen und Ausgaben.

    Um dieses Loch zu stopfen, könnten natürlich Leistung gekürzt werden. Ebenso wichtig wäre es aber, Wachstumsbremsen zu lockern, damit Deutschland einen höheren Wachstumspfad erreichen kann. In der vergangenen Dekade profitierte Deutschland von einer demografischen Pause und der hohen Zuwanderung. So waren im April 2020 immerhin 4,24 Millionen der sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten Ausländer; zehn Jahre zuvor waren es deutlich weniger als zwei Millionen. Schon bald beginnt ein markanter Alterungsschub der Gesellschaft, sodass sich der Fachkräftemangel verschärfen wird. Diesem allein mit Zuwanderung zu begegnen birgt sozialen Sprengstoff. Daher gilt es, ungenutztes Arbeitskräftepotenzial, soweit es geht, in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

    Mehr Arbeit und Investitionen gegen die Lücke

    Was wäre also zu tun? An erster Stelle stehen dabei die hohen Transferentzugsraten, mit denen Hartz-IV-Empfänger konfrontiert sind, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen. Hinzuverdiensten steht oft der Entzug von 80, 90 oder gar 100 Prozent der Stütze gegenüber. An zweiter Stelle stehen die hohen Sozialabgaben, bei denen es anders als bei der Lohnsteuer keinen Freibetrag gibt.

    Wer als Single Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, also rund 20.000 Euro brutto im Jahr verdient, zahlt rund 1300 Euro Steuern, aber gut 4000 Euro Sozialabgaben. An dritter Stelle gilt es, Betreuungsangebote für Kinder weiter auszubauen, sodass noch mehr Eltern jobben können.

    Ein höherer Wachstumspfad verlangt aber nicht nur zusätzliches Arbeitsangebot, sondern auch zusätzliche Investitionen – und zwar in erster Linie private. Die wichtigste Größe für einen Investor ist die Nachsteuerrendite. Wenn Deutschland schon nicht dem internationalen Trend folgen will, seine Unternehmensteuern zu senken, so sollten doch wenigstens die Abschreibungstabellen überarbeitet werden. Günstigere Abschreibungsregeln würden dafür sorgen, dass sich Investitionen rascher amortisieren und damit lohnender würden.

    Nachdem die Regierungen in der zurückliegenden Dekade viel Geld zu verteilen hatten, kann der nächste Bundesfinanzminister nicht darauf hoffen, volle Tresore vorzufinden. Will die Politik künftig nicht nur mit dem Rotstift regieren, wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als auf Wachstum zu setzen. So, und nur so, kann das Wohlstandsniveau unserer stark alternden Gesellschaft auf Dauer zumindest gehalten werden.

    Mehr: Olaf Scholz sollte aus der temporären eine dauerhafte Steuersenkung machen. Mit der richtigen Reform würde er gleich drei gute Dinge auf einmal tun.

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    4 Kommentare zu "Kommentar: Die Corona-Lücke müssen wir mit Wachstum schließen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wachstum! Genau das ist doch das weltumspannende Problem. Alles ist immer auf Wachstum ausgerichtet. Ich dachte eigentlich, diese Pandemie müsste einen zum Umdenken bringen...Pustekuchen.

    • Sonderabschreibungen ins Spiel zu bringen würde großen Erfolg haben. Zusätzlich muss der Staat mehr investieren, z.B. in Forschung. Deutsche Unis müssen endlich Patente anmelden können, wie in USA auch. Die Forschung kann durch die Notenbank finanziert werden, Zinsen Null und 100 Jahre Laufzeit. Ein Betrag von 100 Euro heute ist bei einer milden jährlichen Inflation von 2% dann in 100 Jahren nur noch 13,26 Euro wert. Das notorische Inflations-Geschwätz der Crash-Propheten bezüglich Hyper-Inflation, das schon so ähnlich wie ein Kinderreim klingt, ist bezüglich Forschungs-Finanzierung schnell enttarnt. Investitionen mit Sonder-Abschreibungen und Forschung sind ein Gemisch, das Wohlstand schafft.

    • Ein bisschen Ludwig Erhard höre ich daraus.
      Guter Artikel

    • Wachstum, Wachstum, Wachstum! Baal, Baal, Baal! Wie viele Erden haben wir denn?

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