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Kommentar Die Corona-Reisebeschränkungen entwickeln sich zur Farce

Das halbe Land fragt sich: „Was darf ich, und was darf ich nicht?“ Die Reisebeschränkungen der Länder wirken wie purer Aktionismus.
08.10.2020 - 15:06 Uhr 4 Kommentare
Berliner dürfen derzeit in Monaco übernachten, aber nicht in München. Quelle: dpa
Flugzeug über Nordrhein-Westfalen

Berliner dürfen derzeit in Monaco übernachten, aber nicht in München.

(Foto: dpa)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn musste mal wieder massiv Druck machen: Der CDU-Politiker trat am Donnerstag mit RKI-Chef Lothar Wieler, den man schon länger nicht mehr auf großer Bühne gesehen hatte, vor die Presse. Die Botschaft: Die Lage in Deutschland ist angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen besorgniserregend. Ein Déjà-vu aus dem Frühjahr: Auch damals stiegen die Zahlen sprunghaft an, und als Spahn mit der Kanzlerin die Bevölkerung zur Wachsamkeit aufrief, waren bereits wertvolle Tage und Wochen verstrichen.

Dass der Gesundheitsminister nun auf die Corona-Bremse tritt, liegt auch an den bevorstehenden Herbstferien in vielen Bundesländern. Doch das Verfahren gleicht einem heillosen Durcheinander. Spahn spricht von einem Charaktertest. Doch für die vielen Familien, die in Urlaub fahren wollen, ist es vor allem ein Test der Nervenstärke. Das halbe Land fragt sich: „Was darf ich, was darf ich nicht?“

Die Corona-Politik von Bund und Ländern erinnert an die Rechtschreibreform. An deren Ende wusste keiner mehr, wie man richtig schreibt. So verhält es sich auch bei den jetzt beschlossenen Reisebeschränkungen. Derzeit darf man ohne Test von Berlin nach Monaco fliegen, aber nicht von Berlin nach München, wenn man dort übernachten will. Täglich kommen neue Corona-Hotspots dazu. Nicht nur das Virus droht außer Kontrolle zu geraten. Die Politik verzettelt sich im Aktionismus.

Dabei ist es doch erstaunlich, dass die Bundesregierung ihre Maßnahmen nach so vielen Monaten der Pandemie immer noch nicht in einfachen Schritten für jeden nachvollziehbar erklären kann.

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    Stattdessen werden die Bürger mit ihren Fragen alleingelassen: „Darf der Enkel noch zur Oma ? Brauche ich wegen des Beherbergungsverbots einen Corona-Test? Und wenn ja, woher soll ich den innerhalb von 48 Stunden bekommen?“ Die Testkapazitäten sind jetzt schon am Anschlag.

    Dass sich ausgerechnet der bayerische Ministerpräsident Markus Söder als großer Corona-Sheriff aufspielt, ist eine Farce: Sein lockerer Umgang mit Ischgl-Rückkehrern und die bayerischen Starkbierfeste haben mit für die ersten Corona-Hotspots gesorgt. Und Söders überforderte Gesundheitsministerin ist immer noch im Amt, obwohl ihr Haus rund zehntausend Menschen zu spät über deren Testergebnisse informierte.

    Das Argument, die Politik könne ja nichts für die steigenden Infektionszahlen, will niemand bestreiten. Aber die Corona-Fälle, die wir in Deutschland dieser Tage beobachten, sind auch nicht vom Himmel gefallen. Ähnlich wie in Frankreich und Spanien steigt auch bei uns seit Wochen die Zahl der Infektionen.

    Mehr als nur ein Kommunikationsproblem

    Noch ist das Niveau zwar niedriger als in den Nachbarländern, doch die Kanzlerin rechnet in internen Parteisitzungen bereits vor, dass wir bald über 19.000 Infektionen täglich sehen könnten.

    Und wie sind wir darauf vorbereitet? In vielen Schulen können Lehrer die Klassenzimmer immer noch nicht richtig lüften, weil die Fenster defekt sind. In Berlin werden Knöllchen verteilt, anstatt die Ordnungskräfte dazu einzusetzen, Partys aufzulösen. Sachsen-Anhalt rühmt sich, das Tragen der Masken nicht zu kontrollieren.

    Und die Bundesregierung hatte im Frühjahr zwar Tausende Beatmungsgeräte bestellt, stritt dann aber mit dem Hersteller über die Abnahme der Geräte. Auf Wunsch der Politik reduzierten Krankenhäuser die Intensivkapazitäten wieder. Jetzt melden sich Ärzte zu Wort, die vor fehlenden Intensivkapazitäten warnen. All das zeigt: Deutschland hat bei der Corona-Politik mehr als nur ein Kommunikationsproblem.

    Morgen trifft sich die Kanzlerin mit den Bürgermeistern der Großstädte. Sie sollte die Chance nutzen, das heillose Durcheinander endlich zu beenden.

    Mehr: Das perfekte Chaos: Niemand weiß, wo welche Corona-Regeln gelten.

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    4 Kommentare zu "Kommentar : Die Corona-Reisebeschränkungen entwickeln sich zur Farce"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Frau Susanne Heidel und Herr Checker Joe:
      Wenn der bayrische Ministerpräsident mutig vorangeht, kritisieren Sie ihn massiv. Das ist das übliche Bayern-bashing.
      Die Ministerpräsidenten als Landesfürsten zu bezeichnen zeugt nicht gerade vom Verständnis der Föderalismus. Jedes Bundesland ist teilweise autonom und hat damit eigenständige Gestaltungsrechte.
      Wenn Sie sich also über Landesfürsten in Deutschland sprich Söder beschweren, dann sollten Sie sich auf EU-Ebene über die Eigensinnigkeiten Merkels beschweren: Unabgestimmt mit der EU - ab in die Flüchtlingskrise! Sie kocht keine Süppchen, das sind Suppenmeere!

    • Immerhin haben wir eine Kanzlerin, die den Rat der Wissenschaft schätzt. Wiehler/Drosten sind mir jedenfalls immer noch lieber als "Querdenken" und Konsorten. Dass aber jeder Landesfürst sein eigenes Süppchen kochen will, ist in der Tat kaum noch nachvollzieh- und vermittelbar.

    • Die ganze Show ist eine Farce- aber natürlich eine für werdende Kanzlerkandidaten ideale Plattform, um sich als vermeintlicher Super-Joe zu inszenieren.

      Der aktionistische Missbrauch für Ego-Zwecke insbesondere eines Herrn Söder schreit zum Hommel.

      Es ist mir schleierhaft, wie lange sich ein Volk ein solch dümmliches Verengen auf die extremestische Einzelmeinung eines Drosten/Wieler-Gespanns Als alles bestimmende Maßgabe einlässt. In Anbetracht hundertfacher diametraler Äußerungen von (Gleichwertigen!) Fach- und Standeskollegen, welche eine Ende der Pandemie nahelegen, dabei aber willkürlich ignoriert werden durch bspw. Söder und Merkel ist mir Beleg, dass diese beiden den Realbezug verloren scheinen und nicht mehr in der Lage sind, eine breitentransparente Sachabwägung vorzunehmen.

      Merkel und Söder vergaloppieren sich und zeigen sich Fachlich nicht mehr erreichbar, fast schon wahnhaft bedroht - und agieren zum Schaden von uns allen.

      Sie haben Recht, Frau Merkel: „Es ist ernst!“. Mit Ihnen. Was braucht es eigentlich konkret für eine Amtsenthebung?

    • Haben wir in Deutschland keine anderen Probleme, als ständig über Reisebeschränkungen zu reden. Mein Gott, ist es wirklich so schlimm, wenn wir mal nicht reisen können wie gewohnt. Ich kann es nicht mehr hören. Der Tod ist die letzte Reise ohne Rückfahrschein.

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