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Kommentar Die Deutsche Bank hinkt der europäischen Konkurrenz hinterher

Vorstandschef Christian Sewing verkündet einige gute Nachrichten. Doch das Marktumfeld verschlechtert sich – und die Deutsche Bank ist darauf nicht vorbereitet.
30.10.2019 - 13:23 Uhr 1 Kommentar
Der Vorstandschef kann einige Erfolge vorzeigen. Quelle: Bloomberg
Christian Sewing

Der Vorstandschef kann einige Erfolge vorzeigen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Optimismus ist in diesen Tagen die erste Bürgerpflicht für die Deutsche Bank. Bei der Präsentation der Zahlen für das dritte Quartal hatte Vorstandschef Christian Sewing eine zentrale Botschaft: Der radikale Umbau des noch immer mächtigsten deutschen Geldhauses läuft wie geplant, vielleicht sogar ein bisschen besser als geplant.

Alle vier Geschäftsbereiche arbeiten profitabel, die neue Kernbank erzielte einen Vorsteuergewinn von 353 Millionen Euro. Die stabileren Geschäftsfelder, auf die der Vorstandschef in Zukunft vor allem setzen will, halten sich wacker.

Die Kostenziele für dieses Jahr sieht Sewing in Reichweite, und trotz des Großumbaus blieben die Kapitalpuffer stabil. Das sind eigentlich eine Menge guter Nachrichten, und tatsächlich ist all dies keine kleine Leistung angesichts der vielen Widrigkeiten, mit denen alle Banken derzeit zu kämpfen haben.

Und doch bleiben Zweifel, dass die Sanierung der Deutschen Bank wie geplant gelingt. Und das liegt nicht am Nettoverlust von 832 Millionen Euro, für den vor allem die Sanierung verantwortlich ist. Die gesamte Branche steckt mitten in einer Strukturkrise, die durch zyklische Risiken noch verschärft wird. Und diese Krise erwischt die Deutsche Bank in einer Phase der Schwäche.

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    Der heimische Branchenprimus hinkt der europäischen Konkurrenz bei der Umstellung auf die neuen schwierigeren Zeiten deutlich hinterher. Wie sehr, das zeigt ein Vergleich mit dem Konkurrenten Credit Suisse, der vor gar nicht allzu langer Zeit mit ähnlichen strategischen Problemen kämpfte wie die Frankfurter. Am Mittwoch konnte Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam allerdings im Gegensatz zu seinem Kollegen Sewing eine Verdoppelung des Quartalsgewinns auf 881 Millionen Franken melden.

    Auch die meisten anderen Konkurrenten gehen aus einer stärkeren Position als die Deutsche Bank in die turbulenten Zeiten, die vor Europas Banken liegen. Noch zu Jahresanfang hatte die Branche auf eine Normalisierung der Geldpolitik gehofft, stattdessen hat die Europäische Zentralbank (EZB) inzwischen klargemacht, dass die Banken auf absehbare Zeit mit Minuszinsen zurechtkommen müssen.

    Hinter der Entscheidung, mit der der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi den Bankern zum Ende seiner Amtszeit gründlich die Laune verdorben hat, steht die Furcht vor einer empfindlichen Abkühlung der Konjunktur in der Euro-Zone. Und die macht den Banken zusätzlich zu den chronischen Minuszinsen zu schaffen.

    Die Konkurrenten haben den Umbau hinter sich

    Die Folgen dieses Doppelschlags lassen sich in der Bilanz der Deutschen Bank besichtigen: Im Privatkundengeschäft schrumpften die Einnahmen um drei Prozent, in Deutschland sogar um fünf Prozent. Verantwortlich macht die Bank dafür die Niedrigstzinsen.

    Gleichzeitig mussten die Frankfurter im dritten Quartal 175 Millionen Euro für faule Kredite zurücklegen, 86 Millionen Euro mehr als im Vorjahr – ein Indiz für die wachsenden konjunkturellen Probleme.

    Grafik

    Mit diesen Widrigkeiten haben alle Banken zu kämpfen, aber die meisten haben ihren großen Umbau nach der Finanzkrise längst hinter sich. Die Deutsche Bank muss diesen Kraftakt in einem sich stetig verschlechternden Umfeld vollbringen.

    Welche Wirkung diese Doppelbelastung hat, zeigt sich im Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten, der einstigen Paradedisziplin der Deutschen Bank. Hier fielen die Einnahmen im dritten Quartal um 13 Prozent.

    Die großen Konkurrenten von der Wall Street konnten dagegen in diesem Bereich die Erlöse zum Teil deutlich steigern. Insgesamt brach der Gewinn im Investmentbanking der Frankfurter von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Viertel ein.

    Vorstandschef Sewing weiß genau, wie heikel der Balanceakt ist, der in den kommenden Monaten und Jahren vor ihm liegt. Sein größtes Problem: Noch mehr als geplant sparen kann die Bank kaum, zumindest kurzfristig nicht.

    Also müsste zusätzliches Momentum aus dem Wachstum kommen, aber das wird angesichts der Schwäche im Vergleich zur Konkurrenz und der immer unangenehmeren Marktbedingungen eine Herkulesaufgabe.

    Bleibt als Fazit: Mit den ersten Quartalszahlen seit Ankündigung des ehrgeizigen Sanierungsplans hat die Deutsche Bank einen Schritt in Richtung Stabilisierung gemacht, aber es ist bisher nur ein sehr kleiner Schritt.

    Mehr: Die Deutsche Bank erwägt, negative Zinsen an seine Kunden weiterzugeben – sowohl in der Unternehmens- als auch in der der Privatbank.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Deutsche Bank hinkt der europäischen Konkurrenz hinterher "

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    • Die Deutsche Bank ist das Werk eines seit vielen Jahren unfähigen, mutlosen und sich auf Hoffnung stützenden Aufsichtsrates. Ein Gremium mit der höchsten Entlohnung aller DAX Werte bei schlechtester Performance.
      Die fatale Idee: Ein bonusgetriebenes System das tausende Banker zu Millionären machte und die Milliardenschäden dem Aktionär aufbürdete.
      Auch ist noch keine Wende in Sicht, solange in einer Zeit mit schnell wachsenden Fintech’s und beschleunigt ausufernder KI auf Arbeitsplatzgarantien gepocht wird.

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