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Kommentar Die Deutsche Bank leidet unter chronischer Auszehrung – Sewing läuft die Zeit davon

Der neue Chef der Deutschen Bank steht schon jetzt unter Druck. Christian Sewing muss schnell beweisen, dass er das Geldhaus stabilisieren kann.
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Deutsche Bank leidet unter chronischer Auszehrung – ein Kommentar Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Das Geldhaus verliert immer mehr Marktanteile.

(Foto: dpa)

Um ein Fußball-Bonmot von Trainer-Altmeister Sepp Herberger zu paraphrasieren: Nach der Krise scheint bei der Deutschen Bank immer schon vor der Krise zu sein. Gestern brach der Kurs des größten heimischen Geldhauses auf ein neues Rekordtief ein.

Damit sieht die Lage, zumindest an der Börse, noch dramatischer aus als während der tiefen Vertrauenskrise im Herbst des Jahres 2016. Damals fürchteten die Investoren, dass eine milliardenschwere Forderung der US-Justiz das Frankfurter Geldhaus finanziell überfordern könnte.

Zweimal Krise, zweimal Absturz an der Börse – und doch gibt es wichtige Unterschiede zum Herbst 2016. Damals machten sich die Investoren ernsthafte Sorgen um die Überlebensfähigkeit der Bank. Zumindest diese Angst ist vor allem dank der acht Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung vor gut einem Jahr verschwunden.

Statt wie damals den großen Knall fürchten die Investoren heute das schleichende Siechtum, eine chronische Auszehrung der Erträge, weil die Bank immer mehr Marktanteile verliert, weil die Bonität den Kunden nicht mehr ausreicht, und weil die Konkurrenz eine Sanierung, die die Frankfurter jetzt hoffentlich endlich ernsthaft angehen, schon lange hinter sich hat.

Der Therapieplan des neuen Vorstandschefs Christian Sewing klingt sinnvoll. Schlanker und effizienter soll die Bank werden, endgültig ihre Weltmacht-Ambitionen aufgeben und endlich strikte Kostendisziplin üben. Das große Problem ist allerdings, dass die Genesung Zeit brauchen wird – mehr Zeit, als die Investoren ganz offensichtlich bereit sind, Sewing einzuräumen.

Der neue Mann an der Spitze wird sehr schnell beweisen müssen, dass es ihm gelingt, die Bank zu stabilisieren. Konkret heißt das: Die Erträge der Frankfurter dürfen nicht mehr schneller wegbrechen, als die Kosten sinken.

Trotz des Debakels an der Börse ist Sewings Job sicher, allein schon, weil die Bank schließlich nicht im Quartalsrhythmus den Vorstandschef austauschen kann. Außerdem ist weit und breit niemand in Sicht, der einen besseren Plan hätte. Anders sieht die Lage von Aufsichtsratschef Paul Achleitner aus, unter dessen sechsjähriger Ägide die Bank 60 Prozent ihres Börsenwerts verloren hat. Bereits vor der Hauptversammlung gab es massive Kritik am Oberaufseher.

Paradoxerweise wächst Achleitners Jobsicherheit jedoch im Moment, je schlechter es der Bank geht. Ganz einfach, weil die Großaktionäre, die seine Ablösung betreiben müssten, fürchten, dass neue Personalquerelen so kurz nach der Ablösung von Vorstandschef John Cryan die Bank noch tiefer in die Krise treiben würden. Umgekehrt heißt das aber auch: Sobald die Lage stabiler ist, werden die Diskussionen um Achleitner wieder lebhafter werden.

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