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Kommentar Die Deutsche Bank muss die Übernahme der Commerzbank zum Erfolg machen

Der Deutschen Bank muss die Übernahme der Commerzbank gelingen. Eine Rückkehr zu Plan A ist fast unmöglich: Die Sanierung aus eigener Kraft dürfte für die Deutsche Bank schwer werden.
7 Kommentare
Deutsche Bank muss die Übernahme der Commerzbank zum Erfolg machen Quelle: AP
Deutsche Bank und Commerzbank

Die Sanierung aus eigener Kraft ist für die Deutsche Bank kaum vorstellbar. Deshalb muss die Übernahme der Commerzbank zum Erfolg führen.

(Foto: AP)

FrankfurtEs war ein krachendes Scheitern: Vor ziemlich genau 19 Jahren brach die Dresdner Bank die Fusionsgespräche mit dem heimischen Erzrivalen Deutsche Bank ab. Der damalige Dresdner-Vorstandssprecher Bernhard Walter warf seinem Deutsche-Bank-Pendant Rolf-E. Breuer Vertrauensbruch vor. Letzterer quittierte das schlicht mit einem Achselzucken – und führte die Deutsche Bank auch ohne Fusion erfolgreich allein weiter.

Dieselbe nonchalante Art wird sich Christian Sewing nicht leisten können. Der heutige Vorstandschef der Deutschen Bank braucht eine Übernahme der Commerzbank weitaus dringender als damals Breuer die Dresdner Bank. Zwar bemühte sich Sewing am vergangenen Sonntag redlich, die Fusionsgespräche als eine von mehreren Optionen für die Bank darzustellen und klarzumachen, dass der Deal nicht um jeden Preis geschehen werde.

Doch die bittere Wahrheit ist: In den Gesprächen mit der Commerzbank ist Sewing zum Erfolg verdammt. Eine Rückkehr zu seinem Plan A – sprich einer Sanierung der Deutschen Bank aus eigener Kraft – ist kaum vorstellbar.

Die Gründe dafür sind vielschichtig, lassen sich aber auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Der Kapitalmarkt hat das Vertrauen verloren, dass sich die Bank aus eigener Kraft aus dem Sumpf ziehen kann. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens ist die Investmentbank aufgrund der gestiegenen Refinanzierungskosten kaum noch wettbewerbsfähig.

Nach internen Schätzungen kostet es die Deutsche Bank rund 100 Basispunkte – einen Prozentpunkt – mehr als die Konkurrenz, Geld aufzunehmen. Kein Wunder, dass das reine Handelsgeschäft schon seit Jahren nicht mehr rentabel ist. Zweitens sind die Kosten der Bank trotz erster Fortschritte weiterhin viel zu hoch. Und drittens bröckeln die Erträge der Bank immer noch an allen Ecken und Enden – und auch das äußerst schwierige erste Quartal dürfte alles andere als Erleichterungen bringen.

Mit einer konsequent angegangenen Übernahme des kleineren Frankfurter Rivalen könnte Sewing alle drei Probleme zumindest teilweise lösen. Zum einen käme durch einen Zusammenschluss der bisher schon an der Commerzbank beteiligte Staat als Anteilseigner mit geschätzten fünf Prozent des Kapitals der fusionierten Einheit dazu.

Die Sorgen über die Stabilität der Großbank wären größtenteils weggeblasen – und damit auch die hohen Refinanzierungskosten. Zum anderen könnten die Kosten durch einen solchen Zusammenschluss drastisch gesenkt werden: Dazu müssten Zehntausende Jobs gestrichen werden, und das nach einer Fusion mit 2 .400 Einheiten viel zu große Filialnetz müsste zusammengefaltet und die IT-Infrastruktur gebündelt werden. Und nicht zuletzt muss auch die Investmentbank zurechtgestutzt und auf ihre wahren Stärken fokussiert werden.

Das kann aber nur erreicht werden, wenn die Integration ebenso schnell wie konsequent angegangen wird. Manch einer in Frankfurt unkt daher bereits, dass bei der Integration das Commerzbank-Management doch bitte die Führungsrolle übernehmen solle. Schließlich habe die Commerzbank die Dresdner Bank nach der Finanzkrise deutlich rascher und effektiver eingegliedert, als dies bei der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank geschehen sei, die mehr als zehn Jahre nach dem Beginn immer noch an deren Integration herumdoktert.

Der dritte Punkt ist der verzwickteste: Anfangs dürften die Erträge erst einmal sinken. Vor allem im Firmenkundengeschäft dürfte eins und eins eben nicht zwei ergeben. Einige Kunden werden abspringen, mit anderen wird die Bank von sich aus das Geschäft reduzieren müssen, um Klumpenrisiken etwa im Kreditgeschäft zu vermeiden.

Doch auch hier gilt: Mittel- bis langfristig böte die Kombination beider Großbanken die Chance, als schlagkräftigere Einheit in Europa deutlich mehr Kunden und Erträge zu gewinnen. Auch, weil Deutschlands mit Abstand größte Bank deutlich mehr Kapazität hätte, in moderne IT, einen durchdigitalisierten Marktauftritt und bessere Kundenbetreuung zu investieren.

Die Hürden einer Fusion, die derzeit von manchen als unüberwindbar dargestellt werden, scheinen nicht allzu groß. Das benötigte Kapital wird aufgetrieben werden – entweder durch eine trickreiche Bilanzierung oder durch frisches Investorengeld. Auch der Widerstand der Gewerkschaften kann mit Sicherheit durch großzügige Abfindungsangebote für die zu entlassenden Mitarbeiter gebrochen werden.

Und nur weil die Politik in Form von Bundesfinanzminister Olaf Scholz den Deal befürwortet, ist er noch lange nicht schlecht. Im Gegenteil: Mit der Übernahme kann Sewing die Basis legen, in zwei bis drei Jahren wieder auf Angriff zu schalten und bei der europäischen Konsolidierung als treibende Kraft mitzuwirken.

Eine starke europäische Bank mit ebenso soliden Wurzeln in der größten Volkswirtschaft des Kontinents – das ist nicht die schlechteste Vision. Doch dazu muss Sewing den Deal unbedingt zum Erfolg führen. Andernfalls wird sich eine weidwunde Deutsche Bank irgendwann als Juniorpartner in eine europäische Fusion flüchten müssen.

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7 Kommentare zu "Kommentar: Die Deutsche Bank muss die Übernahme der Commerzbank zum Erfolg machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die jahrelangen U N F Ä H I G K E I T E N von div. Vorständen und Aufsichtsräten sind diese Bankenmiseren zu verdanken.
    Sie alle wollen international s o v i e l G e l d verdienen wie KÖNNNER in Übersee oder in der Schweiz. Aber es fehlt das WISSEN.
    Die Commerzbank ist genau genommen schon lange Zeit pleite!!!!

    Legt man 2 Kranke in 1 Krankenbett, wird daraus noch lange kein Gesunder.

  • - Nachtrag -

    Wenn Sie jetzt denken, dass dies jetzt ein typisches Beispiel für das Versagen des Kapiotalismus ist, dann täuschen Sie sich gewaltig.
    In einer tatsächlich freien Marktwirtschaft kann nämlich ausnahmslos JEDE Bank pleite gehen. Dort gibt es keine Küngelei zwischen Staat (respektive staatlichen Beörden) und privaten Unternehmen - also KORPORATISMUS.
    Wenn Sie sich nämlich sicher sein können, dass "der Staat" (also letztendlich Sie als Steuerzahler) Sie um jeden Preis "retten" wird - egal, welchen Bockmist Sie auch verzapfen - dann wird es vermutlich bei den allermeisten von Ihnen ebenfalls zu einem MORAL HAZARD kommen, und Sie werden Risiken eingehen, die sie andernfalls nie und nimmer eingegangen wären.

  • Die Deutsche Bank" ist selbst für den IWF die "gefährlichste Bank der Welt". Das hat aber jetzt nichts mit Überregulation (wie Basel iV) zu tun - denn der sind alle Banken gleichermaßen ausgsetzt.
    Das mit Abstand größte Problem der "Deutschen" ist ihr verantwortungsloser HEBEL. Schlägt dieser Hebel (Leverage) nämlich bei einem De-Leverage zurück, dann hat sie sich sozusagen nämlich selber ausgehebelt.
    2016 bereits betrug der Hebel der DB bereits 1:105 (!!!!!!) DAS IST JENSEITS VON GUT UND BÖSE:
    "Betrug der Hebel zum Zeitpunkt von Johnsons Brandbrief noch 1:44, beträgt er heute 1:105. Heute müsste die Deutsche Bank also bereits einen technischen Konkurs vermelden, wenn sie ein einziges Prozent auf ihr gesamtes Kredit- und Wertpapierportfolio abschreiben müsste. Und dies ist in der momentan labilen volkswirtschaftlichen Situation weiß Gott keine allzu unrealistische Annahme. Die Lehman Brothers hatten am Vorabend ihres Zusammenbruchs übrigens einen Hebel von 1:31. (...)
    Vor der Finanzkrise träumte der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von 25% + x Eigenkapitalrendite, was auch im damals noch profitablen Banking halt nur über hohe Hebel möglich war. Also wurde der Hebel von einem gesunden Wert von 1:20 aus dem Jahre 2004 auf ein mehr als waghalsiges 1:70 im Krisensommer 2008 erhöht. Dank Staats- und Notenbankgarantien und unzähligen Milliarden aus den Staatshaushalten dies- und jenseits des Atlantiks konnte auch die Deutsche Bank die Krise überleben und stand im Frühjahr mit einem Hebel von 1:50 angeschlagen, aber immer noch lebendig, in ihrer Ringecke. Hätten die zuständigen Behörden, also das Bundesfinanzministerium, die BaFin und später die EZB die Deutsche Bank damals gezwungen, ihr Risiko abzubauen; wahrscheinlich wäre alles gutgegangen und wir würden heute nicht über das Problem Deutsche Bank reden müssen. Doch es kam bekanntlich anders.
    https://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=34486

  • Könnten nicht Commerzbank und Postbank fusionieren? Die Deutsche Bank würde selbstständig bleiben, wäre aber ungefähr? genauso groß wie die beiden anderen es jetzt sind.

  • Die Politik hat mit deutscher Gründlichkeit die Banken überreguliert.
    Die niedrigen Zinsen erschweren das Geschäft zusätzlich.

    Die deutschen Banken liegen im Vergleich zu den europäischen darnieder.

  • Zwei angeschlagene Unternehmen ergeben zusammen auch kein " Gesundes ".

  • Bei uns sagt man: Es verbindet sich der Hunger mit der Lust zum Essen. Schaumermal.