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Kommentar Die Deutsche Bank wird die Schatten der Vergangenheit nicht los

In vielen Bereichen macht Deutschlands größtes Geldhaus durchaus Fortschritte. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bank ihre Altlasten nicht abschütteln kann.
02.06.2021 - 19:09 Uhr 1 Kommentar
Die Bank kommt mit ihre Umbau voran, aber die unrühmliche Vergangenheit lässt das Geldhaus nicht los. Quelle: Reuters
Christian Sewing

Die Bank kommt mit ihre Umbau voran, aber die unrühmliche Vergangenheit lässt das Geldhaus nicht los.

(Foto: Reuters)

Stolz und zufrieden – anders lässt sich jüngst der Auftritt von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und seinem obersten Kontrolleur Paul Achleitner auf der Hauptversammlung des größten heimischen Geldhauses nicht beschreiben. Für das neue Selbstbewusstsein gibt es gute Gründe: Die Bank verdient nach fünf Verlustjahren endlich wieder Geld, der Aktienkurs kommt wieder auf die Sprünge und Sewing könnte tatsächlich die ehrgeizigen Ziele erreichen, die er zum Start des großen Umbaus ausgegeben hat.

Sogar Eigen- und Fremdwahrnehmung klaffen dieses Mal nicht auseinander. Auf dem virtuellen Aktionärstreffen wurden Sewing und Achleitner nach den Abreibungen der vergangenen Jahre geradezu mit Lob überschüttet. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ließ sich zu einer fast schon euphorischen Aussage hinreißen: „Schaut man sich die erreichten Meilensteine an, reiht sich eine Erfolgsmeldung an die andere.“

Aber in den vergangenen Tagen wurde diese Kette abrupt unterbrochen. Die Bank wird wieder einmal von ihrer Vergangenheit eingeholt. Diese Echos aus der schlechten alten Zeit zeigen, dass zwei grundlegende Fragen noch immer nicht endgültig beantwortet sind: Hat die Bank ihre Risiken im Griff? Und: Wird das Geldhaus vor allem zum Wohl der Aktionäre geführt oder zum Wohl der hauseigenen Investmentbanker?

Zum ersten Punkt: Vor wenigen Tagen sickerte durch, dass sich die Bank einen Rüffel der US-Notenbank Fed eingefangen hat. Die vielleicht mächtigste Finanzinstitution der Welt moniert, dass die Frankfurter bei der Verbesserung ihrer Compliance und Risikosysteme hinter dem vereinbarten Zeitplan hinterherhinken, vor allem bei der Bekämpfung der Finanzkriminalität. Ein neues Kapitel im Dauerclinch mit den US-Aufsehern, bei dem die Bank nur verlieren kann.

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    Ein Grund für die Verspätung mag die Coronakrise sein, die auch die Risikomanager der Deutschen Bank vor enorme Herausforderungen gestellt hat. Dennoch ist der Rüffel der Fed gleich aus mehreren Gründen beunruhigend: Bei der Sanierung geht es nicht um die Frage, ob die Bank Geld verdienen kann, sondern ob diese Gewinne nachhaltig sind.

    Dass sie die Profite in die Höhe treiben kann, hat sie in der Ära von Josef Ackermann und Anshu Jain hinlänglich bewiesen. Nur leider wurden diese Gewinne mit Risiken erkauft, die Jahre später zu milliardenschweren Verlusten führten. Auch und vor allem weil die Jagd nach Erträgen so viel wichtiger war als Regelbefolgung und Gesetzestreue.

    Deshalb muss schon der kleinste Zweifel an der Integrität Sewings schmerzen. Zumal die Tatsache, dass der Rüffel der Fed, der an die Öffentlichkeit durchsickerte, den Verdacht nahelegt, dass die Notenbank die Versäumnisse für so gravierend hält, dass aus der eigentlich vertraulichen Bewertung eine öffentliche Warnung werden sollte.

    Viel zu viele Millionäre

    Kommen wir zum zweiten Punkt: Für die Risiken der Vergangenheit waren vor allem die Investmentbanker verantwortlich. Die dominieren die Bank noch immer. Ohne die Gewinne der Anleihe- und Währungshändler wären die Fortschritte, die die Investoren so sehr loben, nicht möglich gewesen.

    Das ist zunächst nichts Verwerfliches. Sewing hatte den Mut, die unprofitablen Teile des Investmentbankings abzuschneiden und sich auf die traditionellen Stärken im Geschäft mit Bonds, Derivaten und Devisen zu konzentrieren. Es wäre dumm, diese Stärken jetzt nicht auszuspielen, zumal wenn der Markt so exzellent läuft wie in den vergangenen Monaten.

    Bei der Frage, wie die so erwirtschafteten Gewinne verteilt werden, zeigt sich allerdings Verblüffendes. Während die Aktionäre für das Jahr 2020 (wieder einmal) quasi leer ausgehen, leistet sich die Bank so viele Einkommensmillionäre wie kein anderes europäisches Geldhaus. Dafür gibt es keine vernünftige Erklärung.

    Warum sollte es bei der Deutschen Bank mehr Einkommensmillionäre geben als bei anderen, größeren und robusteren europäischen Banken wie der französischen BNP, die seit Jahren solide Gewinne einfährt und entsprechende Dividenden zahlt? Selbst bei der britischen Barclays, die sehr ähnlich strukturiert ist wie die Deutsche Bank – mit starkem Investmentbanking und umfangreichem US-Geschäft –, finden sich deutlich weniger Großverdiener.

    Deutsche-Bank-Chef Sewing hat viel erreicht. Aber die Schatten der Vergangenheit konnte auch er noch nicht vertreiben, und das ist mehr als ein Imageproblem. Das latente Misstrauen, das der Bank noch immer entgegenschlägt, kann schnell zu einem sehr realen Problem werden. Spätestens dann, wenn die Märkte nicht mehr so rund laufen.

    Mehr: Der mühsame Weg zur Normalität der Deutschen Bank

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Deutsche Bank wird die Schatten der Vergangenheit nicht los"

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    • Die Deutsche Bank, ein selbst verzehrendes System

      Bei mehreren Kapitalerhöhungen der Deutschen Bank nach der Bankenkrise 2009 sammelte diese mehr als 20 Mrd. frisches Kapital von den Aktionären ein und wies in der Bilanz 2014 ein Kernkapital von 50,7 Mrd. aus.

      In der Bilanz 2020 weist die Bank ein Kernkapital von 50,45 Mrd. aus obwohl am 7.4.2017 die Aktionäre bei einer weiteren Kapitalerhöhung wiederum 8,0 Mrd. frisches Kapital für die Bank aufbrachten. - Wohin verschwindet das Geld?

      Die meisten Einkommensmillionäre, mehr als 7 Mrd. für sozialen Stellenabbau bis ende 2022 und jedes Jahr Bonuszahlungen in Milliardenhöhe. Seit mehr als 10 Jahren ist die Bank respektlos und ohne Achtung gegenüber ihren Aktionären, die sie gerettet haben.
      (Daten von statista)

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