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Kommentar Die deutsche Chemiebranche hat das Potenzial, an der Weltspitze mitzumischen

Durch kraftvolle Forschung haben sich deutsche Firmen einen technologischen Vorsprung verschafft. Die Stärke bei Innovationen sollten sie ausspielen.
24.11.2019 - 15:44 Uhr Kommentieren
Der Chemiekonzern hat sich durch Forschung einen Vorteil in der Branche verschafft. Quelle: BASF SE
BASF-Chemielaboranten

Der Chemiekonzern hat sich durch Forschung einen Vorteil in der Branche verschafft.

(Foto: BASF SE)

Der Branchenverband VCI prophezeit schwierige Jahre für die deutsche Chemieindustrie, und damit liegt er sicher richtig. Denn die Branche steht gleich von mehreren Seiten unter Druck. Das Wachstum hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt, für dieses Jahr wird sogar ein deutlicher Rückgang der produzierten Menge erwartet. Eine Besserung im kommenden Jahr ist nicht in Sicht.

Dazu kommt der wachsende internationale Wettbewerb, der sich besonders in zwei Regionen der Welt zeigt: Am Persischen Golf wollen die großen Petrochemiekonzerne nicht mehr nur das volatile Massengeschäft betreiben. Sie wollen ihre Grundchemie selbst zu Spezialprodukten weiterverarbeiten, mit denen höhere Margen und stabiler Umsatz erzielt werden könnten.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in China, dem weltgrößten Markt für die Chemie. Die Regierung in Peking will die heimische Industrie auf ein deutlich höheres Niveau heben. Das gilt zum einen in Sachen Nachhaltigkeit: Die Umweltverschmutzung durch die chinesische Chemie soll ein Ende haben. Zum anderen soll die Industrie wesentlich forschungsintensiver und innovationsgetriebener werden – also in das Kerngeschäft der westlichen Chemieindustrie eindringen.

Die Entwicklungen am Persischen Golf und in China haben durchaus das Potenzial, die globale Vormachtstellung der deutschen Chemiefirmen zu gefährden. Sie dürfen diese Herausforderung keinesfalls unterschätzen. Aber sie müssen sich im wachsenden internationalen Wettbewerb auch nicht verstecken – und zwar aus zwei Gründen.

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    Erstens sind die Umbrüche in beiden Regionen sehr langfristig angelegt. Die Neuordnung einer so anlagenintensiven Industrie wie der Chemie wird Jahrzehnte dauern. Sie wird zwar mit viel Willen und Kapitalkraft betrieben, ist aber keineswegs trivial. Das zeigt sich etwa in China, wo seit Jahren hinter verschlossenem Vorhang um die Fusion der beiden Staatskonzerne Chemchina und Sinochem zum neuen Weltmarktführer gerungen wird.

    Vorsprung durch Forschung

    Dass diese Pläne dafür offenbar auf Eis gelegt wurden, liegt auch an der Komplexität eines solchen Manövers. Die deutsche Chemie wird also nicht überrollt und hat Zeit, auf die Angriffe aus Saudi-Arabien und China zu reagieren. Der zweite Grund für Optimismus ist der Fokus der Deutschen auf Innovationen.

    Kraftvolle Forschung hat sie in den vergangenen Jahrzehnten an die Weltspitze gebracht – sie ist seit jeher die entscheidende Stärke von BASF & Co. – und hat zu dem technologischen Vorsprung geführt. Wenn es der deutschen Chemie gelingt, die Stärke bei Innovationen weiter auszuspielen, kann sie an der Weltspitze erfolgreich mitmischen.

    Mehr: Die lange von hohem Wachstum verwöhnte Chemiebranche muss umdenken. Eine Langfrist-Studie zeigt: Umsätze und Gewinne wachsen deutlich langsamer. Neue Geschäftsideen müssen her.

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