Kommentar Die Deutsche Post steckt in der Preisfalle

Der Konzern hat bei der Jagd nach Marktanteilen vor Dumpingangeboten nicht zurückgeschreckt. Jetzt muss Post-Chef Appel gegensteuern.
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Portokosten: Deutsche Post erhöht Preise für Briefe und Pakete Quelle: dpa
Deutsche Post

Konzernchef Frank Appel fordert eine Preiserhöhungen im Paketgeschäft.

(Foto: dpa)

Wohl kein Quartalsergebnis der Deutschen Post offenbart die Misere des deutschen Paketgeschäfts so klar wie das zurückliegende. Um satte 9,3 Prozent steigerte der Gelbe Riese die Zustellung von Warensendungen, deren Boom der florierende Onlinehandel ausgelöst hat. Angesichts des Marktwachstums von sieben Prozent ergatterten die rot-gelben DHL-Boten im Sommerquartal damit weitere Marktanteile – bei einem Stand von ohnehin fast 50 Prozent.

Doch wer nun glaubt, die Post könne ihre Marktmacht geschickt auszuspielen, der irrt gewaltig. Das operative Ergebnis, so ist dem jüngsten Bericht zu entnehmen, rutschte von vormals 260 Millionen auf nun 108 Millionen Euro ab. Der leichte Rückgang im Briefgeschäft und die zusammen 61 Millionen Euro für die Sanierung erklären das nur zum Teil.

In die Bredouille hat sich die Post vielmehr selbst gebracht, weil sie bei der Jagd nach höheren Marktanteilen offenbar selbst vor Dumpingangeboten nicht zurückschreckte. Nun will Konzernchef Frank Appel das Steuer in die andere Richtung bewegen. Nach dem Rauswurf des für die Ertragsdelle verantwortlichen Vorstands Jürgen Gerdes hat er die Sparte am 8. Juni selbst übernommen.

Doch konkrete Maßnahmen, in erster Linie wären das Preiserhöhungen im Paketgeschäft, sind in der Branche noch nicht aufgefallen. So wird es spannend zu beobachten, wie lange der Postchef braucht, um Kunden wie Amazon höhere Pakettarife abzutrotzen. Über Nacht wird das kaum funktionieren, denn oft laufen die dazu mit den Kunden geschlossenen Rahmenvereinbarungen über zwei oder drei Jahre.

Anleger, die nach der Gewinnwarnung im Juni auf einen bald wieder einsetzenden Gewinnschub bei der Post hoffen, könnten daher bitter enttäuscht werden. Nur Paketempfänger dürfen beruhigt sein. Preiserhöhungen bei den Absendern wegen höherer Portokosten brauchen sie zumindest kurzfristig kaum zu fürchten.

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