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Kommentar Die deutsche Rentendebatte orientiert sich an einem trügerischen Maßstab

Die Fixierung auf das Rentenniveau ist falsch und behindert wichtige Reformdebatten. Denn das Niveau ist eine Rechengröße, die außerhalb der Fachwelt kaum jemand versteht.
29.03.2020 - 17:15 Uhr Kommentieren
Das Rentenniveau wird in der Krise wohl steigen. Mehr Geld haben die Rentner dadurch aber nicht. Quelle: dpa
Rentner in Berlin

Das Rentenniveau wird in der Krise wohl steigen. Mehr Geld haben die Rentner dadurch aber nicht.

(Foto: dpa)

Eine Kommission aus zehn Experten sollte schaffen, was Union und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen nicht gelungen war: eine Perspektive für die Rente in einer immer älter werdenden Gesellschaft zu entwickeln.

Die Erfolgsaussichten waren aber gering. Denn in dem Gremium saßen nicht nur jene Fachpolitiker der Koalition, die sich schon vorher nicht einigen konnten. Die bei der Rente oft uneinigen Gewerkschaften und Arbeitgeber redeten ebenfalls mit.

Die Empfehlungen im nun veröffentlichten Abschlussbericht bleiben dann auch vage, die Frage des künftigen Renteneintrittsalters wird gar an eine weitere Kommission ausgelagert. Lange berieten die Experten auch über die weitere Entwicklung des Rentenniveaus, ohne dass am Ende ein Konsens hergestellt werden konnte.

Vor allem SPD und Gewerkschaften haben das Rentenniveau in den vergangenen Jahren symbolisch aufgeladen und zum Maßstab für Gerechtigkeit gemacht. Diese Fixierung auf einen statistischen Wert ist ein Fehler und behindert die Reformdebatten. Denn das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent ist eine Rechengröße, die außerhalb der Fachwelt kaum jemand versteht.

Wenn von einem sinkenden Rentenniveau die Rede ist, löst das oft die falsche Angst vor Rentenkürzungen aus. Denn das Absenken der Bruttorenten ist gesetzlich ausgeschlossen.

Das Rentenniveau sagt auch nichts über die Höhe der individuellen Ansprüche aus. Es drückt das Verhältnis von Standardrente zum Durchschnittseinkommen in Deutschland aus. Ein sinkendes Niveau bedeutet, dass die Renten langsamer steigen als die Löhne.

Wie trügerisch diese Größe ist, zeigt sich an den Coronafolgen. Der Ökonom Axel Börsch-Supan erwartet, dass die Jahreslöhne der Arbeitnehmer spürbar sinken werden – was zu einem Anstieg des rechnerischen Rentenniveaus führen dürfte.

Die Gewerkschaftsforderung nach einem Rentenniveau von mindestens 50 Prozent könnte also bald erfüllt sein – auch wenn niemand mehr Geld in der Tasche hat.

Mehr: Arbeitsminister Heil will noch dieses Jahr eine weitere Rentenreform starten

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