Kommentar Die deutsche Solarindustrie sollte nicht jammern, sondern handeln

Die geplante EEG-Kürzung sorgt für Aufruhr in der deutschen Solarbranche. Doch statt sich zu beschweren, sollte sie sich am Start-up Enyway ein Beispiel nehmen und handeln.
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Ein kleines Start-Up aus Hamburg zeigt der deutschen Solarbranche wie es gehen könnte.  Quelle: dpa
Solarkraftanlage

Ein kleines Start-Up aus Hamburg zeigt der deutschen Solarbranche wie es gehen könnte. 

(Foto: dpa)

Das Hamburger Start-up Enyway will die milliardenschwere Förderung von Ökostrom überflüssig machen. Der Plan ist ambitioniert. Doch gelingt das Vorhaben von Gründer Heiko von Tschischwitz, könnte es die Energiewende grundlegend verändern – und das wird auch höchste Zeit.

Anfang November legte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) den lange erwarteten Entwurf eines Energiesammelgesetzes vor, und der hat es in sich. Besonders beim Thema Solarstrom. 

Hier sollen die Fördersummen um 20 Prozent gekürzt werden. Bisher werden Solaranlagen auf Gebäuden bis einschließlich einer installierten Leistung von 750 Kilowatt-Peak mit 10,68 Cent pro Kilowattstunde gefördert – zum 1. Januar 2019 soll es nur noch 8,33 Cent pro Kilowattstunde geben. Das betrifft so ziemlich jede Anlage, die nicht auf freier Fläche gebaut wird. 

Die Reaktion der Solarbranche kam prompt: Das sei nichts anderes, als ein „Anschlag auf die Energiewende“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig. Eine so hohe Förderkürzung mit so kurzer Vorwarnung greife tief in die Planungssicherheit der Handwerksbetriebe ein. Das sei genau das falsche Signal. Ist es das wirklich?

Lichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz will mit „Change“, dem neuen Produkt seiner Firma Enyway, das Gegenteil beweisen. Er verspricht seinen Kunden nicht nur Ökostrom, sondern macht sie gleich zu Erzeugern. Für wenig Geld kann man ein Stück der Solaranlage pachten, den dort erzeugten Strom „ernten“ und den Rest zum Selbstkostenpreis zukaufen. Es ist eine Mischung aus Crowdfunding, Direktstromvertrag und Blockchain-Technologie – also alles, was das moderne Ökoherz höher schlagen lässt.

Im Prinzip beteiligt sich der Kunde für einen monatlichen Festbetrag an der Finanzierung eines Solarparks, so hat Enyway die Kosten für den Bau der Anlage schon mal drin. Einkünfte sollen über Service und eine kleine Marge am Verkaufspreis kommen, ganz ohne staatliche Förderung. Das Konzept könnte aufgehen.

Solarstrom ist schon heute eine der günstigsten Stromquellen. Und die Preise für Photovoltaikmodule und Anlagen sind in den vergangenen Monaten noch einmal stark gesunken. Dafür gesorgt hat zum einen das anhaltende Überangebot auf dem Weltmarkt, zum anderen das Auslaufen von Anti-Dumpingzöllen der EU auf chinesische Module. 

Anstatt darauf zu warten, dass etwas für sie entschieden wird, um sich anschließend darüber lauthals zu beschweren, sollte die deutsche Solarindustrie anfangen, selbst Entscheidungen zu treffen. Auch um sich endlich aus der Abhängigkeit der Politik zu befreien. Dann stünde man jetzt nicht vor dem Problem, dass die Hälfte der jährlich neu installierten PV-Leistung von den geplanten Förderkürzungen betroffen wäre. 

Enyway setzt mit seinem Produkt ein Statement. Wenn es funktioniert, wäre das ein Durchbruch. Und definitiv das richtige Signal.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Die deutsche Solarindustrie sollte nicht jammern, sondern handeln"

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  • Hallo Frau Witsch,

    leider ist Ihr Kommentar sehr schlecht recherchiert. Die Vergütung soll nämlich nur für Anlagen ab 40 Kwp gesenkt werden, nicht für beinahe alle, wie von Ihnen geschrieben. Und Enyway setzt genau auf die Zielgruppe unter dieser Grenze.
    Setzen, sechs !

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