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Kommentar Die deutschen Hersteller sind eine Blamage für die Auto-Nation

Hybris, Technikwahn und Mangel an Kontrolle bei den Autoherstellern: Deutschlands Vorzeigeindustrie steuert zielgerichtet ins Desaster.
9 Kommentare
VW, Audi, Daimler: Konzerne sind eine Blamage für die Auto-Nation Quelle: dpa
Rupert Stadler

Der Audi-Chef ist festgenommen. Aber auch die anderen Autobosse sollten sich vor dem Gesetz fürchten.

(Foto: dpa)

Gäbe es jetzt eine anonyme Umfrage unter den Audi-Beschäftigten, käme vermutlich dieses Ergebnis heraus: Viele der 91.000 Mitarbeiter sehen es als problemlos an oder sind sogar stolz darauf, dass in ihrem Unternehmen die pfiffige Abschalttechnik entwickelt worden ist.

Aber genau diese hat inzwischen als Schummelsoftware Berühmtheit erlangt und nun leider den Chef des Unternehmens, Rupert Stadler, ins Gefängnis gebracht. Diese Hypothese zur Stimmung im Auto-Konzern mag absurd klingen, macht aber deutlich, wo das Problem liegt.

Die selbstverliebte Auto-Nation Deutschland mit ihren drei global agierenden Konzernen BMW, Daimler und Volkswagen – mit einem Ruf wie Donnerhall, was deutsche Ingenieurskunst schaffen kann, und mit dem Anspruch, selbstredend weltweit die technologischen Maßstäbe zu setzen – ist gerade krachend vor die Wand gefahren. Und alle sind offenbar darüber verwundert, wie so etwas passieren konnte.

Die Antwort darauf ist nicht einfach. Im Volkswagen-Konzern walten besondere Umstände durch die Dominanz der Gründerfamilien Piëch und Porsche. Bei anderen Autobauern ist es zuweilen die Hybris der Topleute, die glauben, niemand könne ihnen etwas anhaben. Und Unternehmen, in denen Benzin statt Blut in den Adern Einstellungsvoraussetzung ist, fehlt ohnehin jedes Verständnis dafür, dass der gemeine Bürger nicht alles, was technisch machbar ist, auch für realisierbar hält.

Der Erfolg ließ die deutschen Auto-Manager abheben

Gemeinsam ist allen Managern der Automobilbranche: Sie konnten wie Audi-Chef Rupert Stadler zuletzt vor Kraft nicht laufen. Turbulenzen in der Weltwirtschaft hin, staatskapitalistische Attitüden im größten Automarkt der Welt China her – Audi, Volkswagen, BMW und Daimler waren alle mit Vollgas unterwegs. Selbst der Skandal um manipulierte Abgaswerte konnte der Auto-Nation Deutschland nichts anhaben.

Nun aber blicken wir mit Entsetzen auf eine Riege abgehobener Manager, denen der Erfolg zu Kopfe stieg und die deshalb glaubten, sich über Recht und Gesetz stellen zu können.

Allein die erst allmählich durchsickernden Details, wer wann was gewusst hat, wer Beweismittel an die Seite schaffte und wer möglicherweise wem unzulässige Spezialaufträge gegeben hat, lösen ungläubiges Erstaunen aus.

Das sollen dieselben Führungskräfte sein, die doch das so positive Bild der Auto-Nation Deutschland prägten? Sie sind es tatsächlich. Und deshalb war es auch an der Zeit, dass die Strafverfolgungsbehörden endlich ein Zeichen setzten: Der Staat kann das Verschleppen der Aufklärung im Dieselskandal nicht länger dulden.

Staatsanwälte haben sich an Recht und Gesetz zu halten. Trotzdem ist es natürlich Symbolpolitik, wenn ein mächtiger Manager wie Stadler verhaftet wird und wegen Verdunkelungsgefahr hinter Gitter kommen.

So wie vor zehn Jahren auch der damalige Post-Manager Klaus Zumwinkel, der wegen Steuerhinterziehung verhaftet wurde. Wie zufällig waren Fernseh-Kameras dabei. Hochrangige Manager so spektakulär vorzuführen, das mag nicht jedermanns Sache sein.

Aber der Staat hat das Recht, nein, er hat sogar die Pflicht, deutlich zu machen, dass vor dem Gesetz alle gleich sind. Untersuchungshaft gilt gerade bei hochrangigen Managern als subtiles, aber bewährtes Mittel, Widerstand zu brechen und Gesprächsbereitschaft anzuregen.

Die Aufarbeitung des Skandals grenzt selbst an einen Skandal

Dass drei Jahre nach dem Bekanntwerden des Skandals immer noch fast nichts Greifbares über Hintergründe und Schuldige auf dem Tisch liegt, grenzt schon selbst an einen Skandal. Mindestens so skandalös ist der Mangel an Aufklärungsfähigkeit der Unternehmen.

So schnell die Branche neue Automodelle auf den Markt wirft, so langsam befördert sie die Wahrheit über den Betrug ans Tageslicht. Dabei hat der deutsche Gesetzgeber doch ein System aus „checks and balances“ in der Unternehmensführung installiert, das blindes Vertrauen durch kritische Kontrolle ersetzen sollte.

Doch mit den unabhängigen Aufsichtsräten, die Vorstände überwachen, scheint es nicht weit her zu sein. Wäre es nur Volkswagen, wo die Großaktionäre Porsche und Piëch das Sagen haben, ließe sich das Aufklärungsdefizit noch in die Rubrik Familiendrama buchen.

Doch auch bei Daimler fehlte es offenbar am Willen, genau hinzusehen. Lange produzierten sich die Stuttgarter als Saubermänner. „Nicht bei uns“, hieß es zur Betrugssoftware. Nun ist das Dilemma für Konzernchef Dieter Zetsche umso größer.

Und es ist ziemlich egal, ob er nicht hinsehen wollte oder die Gefahren einfach auf die leichte Schulter genommen hat. Selbst wenn Rupert Stadler in der Dieselaffäre der einzige Spitzenmanager bleiben sollte, der hinter Gitter muss: Er wird nicht der letzte gewesen sein, den sich die Staatsanwaltschaften vorknöpfen. Das zumindest sollten alle potenziell Betroffenen verstanden haben.

Ob sie jetzt aber richtig reagieren? Das gern geübte solidarische Unterhaken in Krisenzeiten gegen den Rest der Welt könnte der Vorzeigebranche tatsächlich den Rest geben.

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9 Kommentare zu "Kommentar: Die deutschen Hersteller sind eine Blamage für die Auto-Nation"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dieser Krimi nimmt kein Ende...unsere Politiker, einschliesslich der Autokanzlerin, haben die Autoindustrie immer geschützt und nun kommt das Desaster ans Tageslicht, welche Schmach. Betrügereien auf Kosten der Verbraucher und für die Ewigkeit des Verbrennungsmotors, das war eine mörderische Strategie. Zwingende Gründe zur Umrüstung auf Elektromobilität gibt es spätestens seit den Pariser Klimaabkommen. Der ganze Auto-Clan sollte jetzt die Rote Karte erhalten. Sie haben die Verantwortung finanziell zu tragen, alte Diesel auf ihre Kosten Umzurüsten bzw. parallel ELEKTROMOBILITÄT mit Investitionen voranzubringen und den Verbrauchern Hilfestellung zur Umrüstung zu bieten. Die neue Energie der Zukunft - dafür steht die Berliner Neutrino Energy Group und ihr Team an Wissenschaftlern wie ua. PROF.KONSTANTIN MEYL. Seit 10Jahren INVESTIEREN sie in die Forschung einer ganz neuartigen Technologie zur Nutzung von Neutrino-Energy, für die mobile, dezentrale Haushaltsenergie (ein Powercube pro Haushalt 5kw) und für die Elektromobilität. Mit einem ersten Kleinfahrzeug PI, das mit unendlicher Reichweite, quasi "aus der Luft betanken" würde, angetrieben von Tag und Nacht milliardenfach strömenden Neutrinos, welche Energie abgeben, kann ein Meilenstein gesetzt werden. Mit dieser neuen Technologie können weltweit herkömmlichen Material aufwendige Akkus und Batterien abgelöst werden. Es wird entscheidend für die erfolgreiche Umstrukturierung der Gesellschaft sich für diese möglichen Innovation in der Elektromobilität zu öffnen, auch um die Energiewende und den gesteigerten Bedarf zu decken. In TV.Berlin "Standpunkt Berlin" hat CEO HT.Schubart dem bekannten Modetatoren Peter Brinkmann erläutert wieweit er die Chance zur Umsetzung der neuen Technologie in Deutschland sieht. Es fehlt an politischem Willen in Deutschland! Deutsche Autoindustrie Erwache - ehe amerikanische oder chinesische Investoren vorangehen!

  • Dieser Artikel ignoriert Ursache und Wirkung des Skandals.
    Ausgangsbasis des ganzen Desasters warwen nach meiner Ansicht völlig einseitge willkürliche Absenkungen von Schadstoffgrenzwerten seitens der EU-Bürokratie ohne deren tatsächliche Umsetzbarkeit in der gegebenen Zeit zu berücksichtigen.Da die technologische Übermacht der deutschen Autobauer vielen in Europa schon immer ein Dorn im Auge war, fiel dieses Vorgehen auch nicht schwer.
    Tatsache ist, dass die Stickoxid-Belastungen in den letzten Jahren trotz steigenden Verkehrs ständig zurück gegangen sind, allerdings nicht so schnell., wie es die fortschreitende Senkung der Emmissionswerte vorgeschrieben hätte. Darüber hinaus droht der europäischen Bevölkerung viel mehr gesundheitliches Unheil durch völlig falsche, zu fette und zu süße Ernährung, als durch den Autoverkehr.
    All dies negiert nicht die Verantwortung der Unternehmen für den Gesetzesverstoß, wirft aber einige Fragen nach der Kompetenz und Verantwortung unserer Bürokraten und Politiker auf!
    Ich für meinen Teil werde mir in Kürze erneut einen Deutschen Diesel-PKW kaufen, weil niemand auf dieser WElt mir bisher ein anderes adäquates Mobilitätskonzept für meine Bedürfnisse anbieten kann.

  • Sicherlich ist es richtig, das Fehlverhalten der obersten Manager zu kritisieren. Mindestens ebenso ist aber die Politik und das nachgeordnete KBA zu kritisieren, denn dort wurde "mitgemacht". Dieser Aspekt kommt in der kritischen Berichterstattung zu kurz. Auch die Politik vergisst das lieber schnell.
    Deutlich mehr Abstand und damit Respekt tut Industrie und Behörden gut.
    Es ist wie in der Finanzindustrie. Auch dort ist die Allianz zwischen Staat und professionellen Großgläubigern zu eng.

  • Warum nur hat der alte Piëch sich beim Auffliegen der Bombe 2015 stikum vom Acker gemacht und hält sehr im Gegensatz zu seinem bisherigen Leben nun die Füße still?
    Weil er Bescheid weiß, wie Kohl aber nichts sagt (er verweigerte sich dem Bundestag!).

    Wozu auch?

    Wir kleinen Leute regen uns hier auf, in der Mont Pèlerin Society wird die weitere Ausbeutung des Planeten fortgeschrieben. Und niemand macht was dagegen.

  • Diese emotionale Schiene, mit ständigen Superlativen, tut der eigentlich seriösen Ausrichtung des Handelsblattes nicht gut, finde ich. Es verkommt sonst zur BILD-Zeitung der Finanzen, was aus meiner Sicht schade wäre.

    Was dringend durchbrochen werden muss, ist die unselige Verflechtung zwischen Autoindustrie und Wirtschaft. Das hat die Manager der Autoindustrie den Habitus der Unantastbarkeit vorgespielt – was einigen von ihnen nun auf die Füße fällt.

    Grundsätzlich brauchen wir andere Spitzenmanager in den großen Konzernen. Nach wie vor gilt leider heute noch die Beschreibung der von Ogger schon Anfang der 90er in "Nieten in Nadelstreifen" beschriebenen Zustände. Dieser Typus Manager kann in der schnellen, globalen Welt nicht mehr bestehen. Die Auswirkungen dieses Managertypus ist zunehmend gefährlich für die Unternehmen, Hier sind die Gesellschafter/Aktionäre und Aufsichtsräte gefordert! Hier ist Europa besonders rückständig im Vergleich zu seiner wirtschaftlichen Bedeutung.

  • Ich stimme dem Artikel voll und ganz zu. Die Autospitze meint, dass sie über dem Gesetz steht und weil sie soviel Arbeitsplätze unter Kontrolle hat setzt sie es bis jetzt durch. Es wird Zeit, dass wir unsere Abhängigkeit vom Auto grundsätzlich überdenken. Das "Kartell" wie es der Spiegel nannte ist viel zu mächtig und muss kräftig zurück geschnitten werden.

  • Dieser Artikel versucht die Emotion der Empörung anzublasen. Ein Vortrag der nicht so recht ankommt, weil es zu sehr menschelt in der Sache. Natürlich verstößt der Inhalt gegen Recht und Gesetz, so wie beispielsweise bei Sozial- oder Subventionsbetrug, was nicht so interessiert, da es ein komplexeres und weit gestreutes Thema ist. Die Geschichte wird zeigen, dass diese Bühne der Empörung unnütz und weitab der Themen lag, die die Zukunft unserer Gesellschaft bestimmen.
    Außerdem kränkt das Titelbild Millionen von Menschen.

  • Es ist durchaus kein Zufall, dass ausgerechnet der Hersteller mit der grössten Nähe zur Politik zum grössten Betrüger aufgestiegen ist. Die genannten Checks and Balances wurden mit Rückendeckung der Politik ausgehebelt. es wurden von Anbeginn an politische Ziele über das Wohl unter Anderem auch der nichtstaatlichen Miteigentümer gestellt. Das jetzt einseitig den Gründerfamilien anzulasten, ist unredlich.

  • Aber genau diese hat inzwischen als Schummelsoftware Berühmtheit erlangt und nun leider den Chef des Unternehmens, Rupert Stadler, ins Gefängnis gebracht.

    Herr Fockenbrock, Ihre Formulierung ins "Gefängnis gebracht" ist äusserst schäbig und unterstellt schon eine Verurteilung. Das ist eine U-Haft wegen Verdunklungsgefahr und die kann immerhin jeden treffen dem der Staatsanwalt ein Verbrechen unterstellt. Ihre Schreibweise schädigt die Seriosität des H-Blattes!

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