Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die digitale Entmündigung der Internetnutzer muss endlich enden

Die Datenpanne bei Google zeigt: Nutzer können den Umgang mit ihren Daten noch immer nicht bestimmen. Das muss sich dringend ändern.
Kommentieren
Technologiekonzerne haben durch Datenlecks in der Vergangenheit immer wieder das Vertrauen ihrer Nutzer verspielt. Quelle: AP
Nutzer von Google

Technologiekonzerne haben durch Datenlecks in der Vergangenheit immer wieder das Vertrauen ihrer Nutzer verspielt.

(Foto: AP)

Es ist schon wieder passiert. Durch ein Softwareproblem bei Googles sozialer Plattform Google Plus erhielten App-Entwickler unberechtigten Zugriff auf Nutzerdaten – darunter Namen, die E-Mail-Adresse, Geschlecht und Alter von Nutzern. Es sei angeblich nichts passiert, erklärt Google.

Doch wer weiß das schon? Nach den zahlreichen Sicherheitspannen der jüngsten Zeit schwindet das Vertrauen in die Datenschutzbekenntnisse und Besserungsversprechen aus dem Silicon Valley.

Zumal Google das Sicherheitsproblem verschwieg – aus Angst vor schlechter PR, wie ein internes Memo nahelegt, aus dem das „Wall Street Journal“ zitiert. Erst ein Medienbericht förderte die Angelegenheit zutage. Transparenz sieht anders aus.

Nach wie vor können Internetnutzer keine durch solide Informationen belastbaren Entscheidungen darüber treffen, was mit ihren digitalen Daten im Netz geschieht. Und das weit mehr als ein Jahrzehnt nach dem Beginn des Siegeszuges des Internets!

Die digitale Gesellschaft versteht inzwischen, dass sie für die freien Services im Netz – für Googles Suchmaschine, für Facebook, Instagram oder Twitter – mit ihren Daten bezahlt. Der Internetnutzer ist das Produkt, das ist der Deal.

Doch den lukrativen Zusatzgeschäften mit Drittparteien, die Google und Co. mit den Profilen der Nutzer machen, haben die Kunden nicht zugestimmt. Sie wissen meist nicht einmal davon. Das macht es immer schwerer, Google, Facebook und Co. zu vertrauen, egal, wie sehr sie sich beim Datenschutz angeblich ins Zeug legen.

Die Tech-Konzerne scheinen ja selbst nicht zu wissen, was die App-Entwickler mit den Daten unternehmen. Oder sie schauen nicht so genau hin, weil es das Wachstum ihrer Plattformen mehrt.

Internetnutzer müssen endlich erkennen, worauf sie sich einlassen, wenn sie ihre Informationen an eine Plattform weitergeben. Google Plus ist kein Einzelfall. Die aktuelle Datenschutzpanne erinnert an den Skandal um Cambridge Analytica, bei dem eine britische Datenfirma unbefugt auf die Profilkonten von 87 Millionen Facebook-Nutzern zugreifen konnte.

Oder an den Facebook-Hack vor zwei Wochen mit 50 Millionen potenziell Betroffenen. Sicher, die Zahl der „Opfer“ im aktuellen Fall fällt mit 500.000 Profilkonten kleiner aus. Doch die geringe Zahl entschuldigt nicht Googles Verhalten.

Die Technologiekonzerne sollten Nutzer darüber aufklären, was wirklich mit ihren Daten geschieht, um ihnen eine Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, wie viel Risiko sie eingehen wollen.

Sie sollten strenger kontrollieren, welche Drittparteien auf die Informationen ihrer Nutzer zugreifen. Die digitale Entmündigung muss endlich enden.

 

  • wed
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Die digitale Entmündigung der Internetnutzer muss endlich enden

0 Kommentare zu "Kommentar: Die digitale Entmündigung der Internetnutzer muss endlich enden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote