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Kommentar Die Dominanz des Dollars war nie so problematisch wie jetzt

Der Dollar hat in der Coronakrise seine dominante Rolle bewiesen. Längerfristig führt aber kein Weg an einem multipolaren Währungssystem vorbei.
09.08.2020 - 12:47 Uhr 1 Kommentar
Karikatur, ET 10.08.2020, ET 152 Quelle: Kostas Koufogiorgos
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Karikatur, ET 10.08.2020, ET 152

(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Der US-Dollar steht aktuell an den Märkten stark unter Druck. Im Juli hat er um über vier Prozent gegenüber einem Korb anderer wichtiger Währungen nachgegeben – und verzeichnete damit seinen größten monatlichen Verlust seit einem Jahrzehnt.

Die Entwicklung schürt Debatten über die Rolle des Dollars als weltweite Leitwährung. Die Coronakrise hat jedoch gezeigt, dass sein Status noch unangefochten ist. Investoren auf der ganzen Welt stürzten sich geradezu auf die US-Währung. Nie zuvor aber war die dominante Stellung des Dollars im weltweiten Finanzsystem so problematisch wie jetzt. Längerfristig führt kein Weg an einem stärker multipolaren Währungssystem vorbei.

Das liegt vor allem daran, dass die Rolle des Dollars als weltweite Leitwährung die USA wirtschaftlich überfordert. Als der Dollar das Pfund nach dem Zweiten Weltkrieg als weltweite Leitwährung ablöste, entfielen kaufkraftbereinigt fast 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf die USA – inzwischen sind es etwa 15 Prozent.

Der Bedeutungsverlust ist deshalb relevant, weil die USA wegen der Dollar-Dominanz eine Art Bankier der Welt sind: Sie stellen mit ihren Staatsanleihen sichere Wertpapiere für das globale Finanzsystem zur Verfügung. Die Nachfrage nach solchen sicheren Wertpapieren ist stetig gestiegen, zum Beispiel weil Banken sie als Sicherheiten brauchen.

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    Die damit verbundenen Kapitalzuflüsse ermöglichen es den USA, sich trotz hoher Schulden besonders günstig zu finanzieren – und permanent mehr Waren und Dienstleistungen ein- als auszuführen. Letztlich hat die Kapitalflut in die USA auch dazu beigetragen, dass zum Beispiel Apple heute an der Börse deutlich mehr wert ist als alle 30 Dax-Konzerne zusammen.

    Die Gefahr dabei ist, dass irgendwann das Vertrauen in die US-Kapitalmärkte und den Dollar schwindet. Die Politik von Präsident Trump könnte diesen Prozess beschleunigen. So war China bisher einer der wichtigsten Käufer von US-Staatsanleihen. Ob das künftig so bleibt, ist angesichts der angespannten Beziehungen zu den USA fraglich.

    US-Geldpolitik könnte konfrontativer werden

    In der Krise hat sich außerdem die Abhängigkeit von der US-Notenbank Federal Reserve gezeigt. Auf dem Höhepunkt war die Nachfrage nach der US-Währung so stark, dass die Fed einspringen musste, und anderen Notenbanken Zugang zu Dollar-Liquidität gewährte.

    Auch wenn sie verantwortungsvoll gehandelt hat, gibt es Zweifel, ob das in Zukunft so bleibt. So hat US-Präsident Trump seine enge Vertraute Judy Shelton als neues Mitglied für das Führungsgremium der Fed nominiert. Im Falle seiner Wiederwahl gilt sie als mögliche Nachfolgerin des amtierenden Fed-Chefs Jerome Powell. Ähnlich wie in der Handelspolitik könnten die USA dann auch in der Geldpolitik einen konfrontativeren Kurs fahren.

    Die US-Regierung könnte den Dollar als Waffe einsetzen. Quelle: AP
    US-Präsident Donald Trump

    Die US-Regierung könnte den Dollar als Waffe einsetzen.

    (Foto: AP)

    Hinzu kommt die generelle Abwendung der US-Regierung vom Internationalismus. Mit ihrer Sanktionspolitik, die sich im Falle der Ostseepipeline Nord Stream 2 auch gegen Deutschland richtet, führt sie zudem dem Rest der Welt die Gefahr vor Augen, dass sie den Dollar als Waffe nutzen könnte.

    Die Probleme der Abhängigkeit vom Dollar sind also offensichtlich. Warum sollte sich daran etwas ändern? Schließlich steigt die Attraktivität einer Währung, je mehr Leute sie weltweit nutzen. Gibt es eine Leitwährung im Handel und in der Finanzierung, fallen weniger Kosten für die Information über Kurse, den Umtausch und die Absicherung gegen Wechselkursschwankungen an.

    Mehr Diversität im Währungssystem möglich

    Traditionell war daher die Sicht, dass es weltweit nur eine dominierende Währung geben kann. Neuerdings weisen Ökonomen wie der Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen jedoch darauf hin, dass sich dies durch den technischen Fortschritt geändert hat. Dank elektronischer Handelssysteme ist es viel günstiger sich über Kurse zu informieren, Devisen zu tauschen und sich gegen Wechselkursänderungen abzusichern. Dadurch ist mehr Diversität im Währungssystem möglich, wenn es Alternativen gibt.

    Eine davon ist der Euro. Bislang hatte er zwei entscheidende Mankos. Erstens zweifeln Investoren am Zusammenhalt der Euro-Zone in einer Krise. Und zweitens gibt es kein sicheres Wertpapier für den gesamten Euro-Raum, wodurch insgesamt das Angebot an solchen Papieren vergleichsweise gering ist.

    Grafik

    In beiden Punkten hat sich in der Coronakrise einiges getan. Mit dem 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds haben die EU-Länder gezeigt, dass sie in der Krise füreinander einstehen. Zudem finanziert die EU-Kommission den Fonds, indem sie eigene Anleihen ausgibt. Auch Deutschland wird sich stärker verschulden, um die Folgen der Krise abzufedern. Das erhöht in den nächsten Jahren das Angebot an sicheren Wertpapieren im Euro-Raum. Neben dem Euro dürfte auch der chinesische Yuan gestärkt aus der Krise hervorgehen.

    All das bedeutet nicht, dass der Status des Dollars als weltweite Leitwährung akut gefährdet ist. Die Krise hat vielmehr seine Dominanz noch einmal gezeigt. Allerdings legt sie auch die damit verbundenen Probleme offen. Auf lange Sicht ist daher ein multipolares Währungssystem wünschenswert.

    Mehr: Warum der starke Euro zum Problem für die Wirtschaft werden kann.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Dominanz des Dollars war nie so problematisch wie jetzt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ueber die Dominanz des Dollars setzen die Amerikaner ihre unfaire Wirtschaftspolitik durch.
      Wir und die anderen haben viel zu wenig dafuer getan, den Euro an den Finanzmaerkten
      durchzusetzen. Hoffentlich wird das bald korrigiert. Und dann gibt es ja noch den Renmimbi.

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