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Kommentar Die EU muss Amazon endlich zwingen, Steuern in angemessener Höhe auf die Umsätze in Europa zu zahlen

Im Weihnachtsgeschäft ist die Dominanz des US-Konzerns weiter gewachsen. Die EU-Kommission will das ändern. Allerdings setzt sie an der falschen Stelle an.
29.12.2020 - 14:56 Uhr Kommentieren
Auch die von Verdi organisierten Streiks dürften neue Rekorde im Weihnachtsgeschäft nicht verhindert haben. Quelle: dpa
Amazon-Lager in Werne

Auch die von Verdi organisierten Streiks dürften neue Rekorde im Weihnachtsgeschäft nicht verhindert haben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Selbst der verzweifelte Streik, zu dem die Gewerkschaft Verdi drei Tage vor Heiligabend in den Auslieferungslagern aufgerufen hat, wird es nicht verhindert haben: Im Weihnachtsgeschäft dürfte Amazon auch in diesem Jahr wieder alle Rekorde gebrochen haben.

Gerade in den letzten zwei Monaten des Jahres zeigt sich immer wieder drastisch, welche Dominanz der US-Riese aufgebaut hat. Bereits im zweiten Halbjahr 2019 erreichte Amazon – auch mithilfe großer Kampagnen zum Black Friday, aber auch zu Weihnachten – einen Anteil von sechs Prozent am gesamten deutschen Einzelhandel.

Der Anteil am Versandhandel beträgt bereits 40 Prozent. Durch den Shutdown vieler Geschäfte infolge der Corona-Pandemie dürfte sich diese Entwicklung weiter verstärkt haben.

Angesichts solch beängstigender Zahlen verwundert es nicht, dass sich die EU-Kommission diese geballte Marktmacht kritisch anschaut. Eine so große Konzentration in der Hand eines einzelnen Unternehmens bedeutet eine Gefahr für die Vielfalt im Handel und verleitet geradezu zum Missbrauch der starken Stellung.

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    Doch die Art und Weise, wie Brüssel gegen Amazon vorgeht, lässt Experten mit dem Kopf schütteln. In geradezu hilflosem Aktionismus suchen die Wettbewerbshüter nach einem Ansatzpunkt für ein Ermittlungsverfahren – und meinen, diesen Ansatzpunkt beim Missbrauch von Händlerdaten gefunden zu haben.

    Aber die Vorwürfe gehen am Kern des Problems vorbei und sind nicht geeignet, die Marktdominanz von Amazon zu brechen.

    Vorwürfe der EU werden ins Leere laufen

    Dabei klingen die Anschuldigungen auf den ersten Blick plausibel: Im Fokus liegt Amazons Zwitterstellung als Händler und Plattformbetreiber. Der US-Konzern nutze illegal die Daten, die er von den Dritthändler auf seiner Plattform hat, für seine eigenen Verkaufsaktivitäten, lautet der Vorwurf. So dränge er die kleinen Händler mit eigenen Konkurrenzprodukten unfair aus dem Markt.

    Bisher sind das nur Vermutungen, manche Experten sprechen gar von Verschwörungsideologien unter kleinen Marktplatzhändlern. Was aber viel entscheidender ist: Ein Großteil der Daten, mit denen Amazon angeblich die Konkurrenz ausspioniert, ist für jeden Händler frei verfügbar.

    Grafik

    Viele Daten gibt Amazon selbst in aggregierter oder anonymisierter Form völlig legal weiter – teils kostenlos, teils gegen Bezahlung, damit Händler ihre eigenen Verkaufsaktivitäten optimieren können. Auch Marktforschungsunternehmen werten permanent aus, welche Produkte Bestseller sind und welche Kategorien am stärksten wachsen. Ein Geheimnis ist höchstens noch die absolute Höhe der Umsätze, doch auch die lässt sich relativ gut schätzen.

    Eine gern kolportierte Geschichte unter Marktplatzhändlern ist auch, dass Amazon sie zwinge, ihre Lieferquellen offenzulegen, um dann selbst dort zu bestellen. Als wenn der Konzern das nötig hätte. Amazon beschäftigt Zehntausende von Mitarbeitern, die nichts anderes tun, als weltweit nach interessanten Lieferanten Ausschau zu halten. Die Kontakte kleiner deutscher Händler nach Asien dürften da kaum neue Erkenntnisse bringen.

    Mit der Frage nach den Lieferanten will Amazon nur verhindern, dass Dritthändler auf der Plattform Fake-Produkte oder Plagiate anbieten. Und das ist gleichermaßen im Interesse der Kunden wie der ehrlichen Händler.

    Amazon wird sich darauf einlassen, eine Strafe zu zahlen

    Hinzu kommt: Amazon macht auf seiner Plattform mittlerweile mehr Umsatz mit Dritthändlern als mit dem eigenen Geschäft. Und die Marge aus den Provisionen, die diese Händler an Amazon zahlen, ist vielfach höher als die aus dem eigenen Verkauf. Der Konzern würde sich also selbst schaden, wenn er diese Händler aus dem Geschäft drängt.

    Ja, Amazon behandelt seine kleinen Händler oft nach Gutsherrenart und ist bei Problemen schlecht erreichbar. Doch das liegt eher an der Arroganz des erfolgreichen Großkonzerns und an der starken Automatisierung vieler Prozesse. Ein gezieltes Ausschalten des Wettbewerbs ist das nicht.

    Wenn sich die EU-Ermittler auf diesen Bereich fokussieren, werden sie kaum belastbare Beweise für ein Fehlverhalten finden. Amazon wird sich trotzdem irgendwann darauf einlassen, eine Strafe zu zahlen – die auf den ersten Blick hoch scheint, aber dem Konzern nicht wirklich wehtut –, nur um seine Ruhe zu haben.

    Die größte Gefahr dabei: Die Wettbewerbshüter werden sich auf die Schulter klopfen, ihren vermeintlichen Erfolg feiern – und die Marktmacht von Amazon wird weiterwachsen. So fördern sie die Verödung des Handels, weil sie sich auf die falschen Maßnahmen konzentrieren.

    Wirklich etwas mehr Chancengleichheit würde es bringen, wenn die EU Amazon endlich dazu zwänge, in angemessener Höhe Steuern auf die Umsätze in Europa zu zahlen. Oder wenn die europäischen Staaten wirkungsvolle Programme zur Digitalisierung europäischer Händler auflegten. Doch dazu fehlt offenbar der Wille – oder die rechte Erkenntnis.

    Mehr: Die Coronakrise legt offen, wie der Handel Innovationen verschlafen hat

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