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Kommentar Die EZB hat sich in eine Sackgasse manövriert

Die EZB signalisiert weiter Bereitschaft für eine ultralockere Geldpolitik. Das ist gefährlich, denn der Verschuldungsgrad vieler Unternehmen und Privatleute ist hoch.
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Die Nebenwirkungen der Niedrigzinspolitik werden immer deutlicher. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank in Frankfurt

Die Nebenwirkungen der Niedrigzinspolitik werden immer deutlicher.

(Foto: dpa)

Was sich in diesen Tagen an den europäischen Anleihemärkten abspielt, hat mit Marktwirtschaft wenig zu tun. Da erzielen griechische Staatsanleihen ähnliche Renditen wie die der USA. Und Anleger reißen sich darum, Italien für 50 Jahre Geld zu leihen, zu Konditionen, die noch vor Kurzem niemand für fünf Jahre akzeptiert hätte. In halb Nordeuropa zahlen die Investoren dafür, ihr Geld beim Staat parken zu dürfen.

Völlig klar ist: Niemand, der im aktuellen Marktumfeld Anleihen kauft, will diese Papiere auch bis zur Endfälligkeit halten. Die meisten dürften darauf spekulieren, dass die Kurse noch etwas weiter steigen. Doch schon bei den ersten Anzeichen, dass der Boom ins Stocken gerät, droht ein Ausverkauf.

Die Europäische Zentralbank wird versuchen, das zu verhindern, etwa indem sie weiterhin die Bereitschaft für eine ultralockere Geldpolitik signalisiert. Doch damit hat sich die Notenbank an einen Punkt ohne Umkehrmöglichkeit manövriert.

Viele Unternehmen haben einen Verschuldungsgrad erreicht, der schon beim aktuellen Zinsniveau scharf kalkuliert ist. Sollten die Zinsen steigen, haben die Firmen ein massives Finanzierungsproblem. Zumal viele Unternehmen das geliehene Geld für riskante Übernahmen oder Aktienrückkaufprogramme ausgegeben haben.

Ähnlich sieht es bei Privatleuten aus, die ihren Immobilienkredit auf Kante genäht haben. Verteuert sich die Anschlussfinanzierung, könnten massenhaft Immobilienkredite ausfallen.

Pleitewellen und massenhafte Privatinsolvenzen will auch in der Zentralbank niemand. Daher fehlt den meisten Experten und wohl auch den Notenbankern selbst die Fantasie, wie die EZB ihre Geldpolitik normalisieren kann, ohne Marktverwerfungen auszulösen.

Sicher, eine überhastete Zinswende wäre angesichts der schwächelnden Konjunktur in der Euro-Zone fatal. Doch die Nebenwirkungen der Niedrigzinspolitik werden immer deutlicher. Die EZB kann es sich nicht länger leisten, keinen Exit-Plan zu haben.

Mehr: Die Hoffnung auf eine ultralockere Notenbank drückt die Bondrenditen in Europa nach unten. Für die Märkte kann das riskant werden.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Die EZB hat sich in eine Sackgasse manövriert"

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  • Guthaben will jeder, Schulden will keiner, Staatsschulden haben wir verboten. Daraus folgt, dass wir das Kreislaufgleichgewicht privatwirtschaftliche absichern müssen. Wenn bei Nullzins und guter Konjunktur immer noch mehr Private Geldvermögen bilden als Schulden machen wollen, dann ist der Zins halt noch viel zu hoch. Und nun kommt auch noch die Konjunktur runter - dann kommt bald eine Zinswende - und zwar nach unten.

    Wie man den Bedarf an deutlich sinkenden Zinsen mit hortbarem Bargeld löst? Keine Ahnung - wird sicher eine Überraschungs-Lösung.

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