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Kommentar Die EZB steht unter Druck

Starker Euro, schwache Inflation und der Strategieschwenk der Fed: Am Donnerstag muss EZB-Präsidentin Christine Lagarde klare Signale geben.
08.09.2020 - 04:00 Uhr 2 Kommentare
Die EZB steht auch wegen des jüngst verkündeten Strategieschwenks der US-Notenbank Fed unter besonderer Beobachtung. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank

Die EZB steht auch wegen des jüngst verkündeten Strategieschwenks der US-Notenbank Fed unter besonderer Beobachtung.

(Foto: dpa)

In dieser Woche richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf die Europäische Zentralbank (EZB). Am Donnerstag tagt deren Rat. Die Notenbank steht aktuell von mehreren Seiten unter Druck. So hat der Euro seit Anfang Juni um sechs Prozent im Vergleich zum Dollar aufgewertet, die Inflation im Währungsraum ist auf ein historisches Tief gefallen, und die US-Notenbank hat einen Strategieschwenk verkündet. EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird es daher bei ihrer Pressekonferenz nach der Ratssitzung nicht bei Allgemeinplätzen belassen können: Sie wird weitere Schritte der EZB wohl zumindest andeuten.

Die derzeitige Stärke des Euros ist für die Notenbank ein Problem, weil sie Exporte aus Europa im Ausland teurer macht und Importe billiger. Ersteres belastet das Wachstum und Letzteres drückt die ohnehin sehr niedrige Inflation im Euro-Raum weiter. Im August sind die Verbraucherpreise bereits laut einer ersten Schätzung um 0,2 Prozent zurückgegangen.

Außerdem ist die von der EZB stark beachtete Kernrate, aus der besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgestrichen werden, auf ein historisches Tief gefallen. Natürlich hängt das auch mit Sondereffekten wie der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zusammen. Die Gefahr ist jedoch, dass dadurch auch die Inflationserwartungen abrutschen, was eine Abwärtsspirale bei der Inflation in Gang setzen könnte.

Zudem steht die EZB auch durch den jüngst verkündeten Strategieschwenk der US-Notenbank Fed unter besonderer Beobachtung. Diese will künftig eine Inflation über zwei Prozent tolerieren, um Phasen niedriger Inflation auszugleichen. Die Märkte sehen offenbar durchaus Chancen, dass die Fed dies erreicht. Zumindest sind die Inflationserwartungen dort seit der Ankündigung gestiegen. Tendenziell bedeutet das zusätzlichen Abwärtsdruck für den Dollar, der gegenüber dem Euro weiter abwerten könnte.

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    Was kann die EZB tun? Das klassische Instrument, um den Wechselkurs des Euros zu schwächen, wäre eine Zinssenkung. Der im Euro-Raum entscheidende Einlagenzins liegt aber bereits bei minus 0,5 Prozent. Selbst auf dem Höhepunkt der Coronakrise haben Christine Lagarde und ihre Kollegen darauf verzichtet, ihn weiter zu senken. Zu groß war die Angst vor möglichen negativen Effekten für den Finanzsektor. Solche möglichen Effekte könnten durch höhere Freibeträge für Banken abgemildert werden. Plausibler ist aber, dass die EZB im Laufe des Jahres noch einmal ihre Anleihekäufe ausweitet. Noch ist es für einen solchen Schritt zu früh. Erst im Juni hat sie ihr Krisenprogramm um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro aufgestockt. Lagarde könnte am Donnerstag aber zumindest signalisieren, dass die EZB zu weiteren Schritten bereit ist.

    Mehr: Warum der Euro ein Gewinner der Coronakrise werden kann

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Die EZB steht unter Druck"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Missmanagement anderer Staaten, wird heute durch die Gesamthaftung aller Teilhaber an der Währungsunion ausgeglichen. Wo ein lachendes Auge ist, ist auch ein Weinendes nicht weit weg.

    • Man stelle sich vor, wir hätten den Euro nicht und statt dessen noch die vielen unterschiedlichen Währungen in Kern-Europa. Das Währungs-Chaos wäre perfekt, ständige Auf- und Abwertungen und Ärger zwischen den Staaten, was Nationalisten noch mehr befeuern würde mit einfachen dümmlichen Antworten. Wie gut, dass es den Euro schon gibt. Der €-Währungsraum ist bequem groß, so dass der Außenwert zum Doller nicht mehr die entscheidende Rolle spielt wie es wäre, gäbe es noch die Liliput-Währungen der Klein-Staaten. Die früheren massenhaften Devisen-Transfers zwischen den Klein-Staaten haben einst die Kassen der Banken risikolos reichlich gefüllt, das sparen sich heutzutage die Marktteilnehmer innerhalb des €-Raumes.

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