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Starker Außenhandel

Die wirtschaftliche Lage bleibt auch 2019 gut – trotz Abkühlungsphase.

(Foto: dpa)

Kommentar Die fetten Jahre sind vorbei? Mehr Zuversicht, bitte!

Auch wenn die Wirtschaft nicht mehr so boomt und die Risiken zunehmen: Wir sollten die Wachstumsaussichten nicht tiefschwarz malen.
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Die wirtschaftliche Stimmung ist schlecht wie lange nicht mehr. Sie könnte den Verbrauchern die Kauflaune verderben. Risiken aus dem Ausland lauern überall, von Handelskriegen über die Brexit-Gefahr bis zum Börsencrash. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stellt sogar halbamtlich fest: Die fetten Jahre sind vorbei.

Die Deutschen stehen damit in der Gefahr, das Jahr in ihrer Lieblingsstimmung zu beginnen: düster, zerfressen von Angst, den Blick fest auf alles Schlechte gerichtet, was dem Land drohen könnte.

Dabei gibt es sie trotz allem weiterhin, die guten Hoffnungen aus der Welt der Konjunkturforscher. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, erwartet ein „verhalten gutes Jahr“, Ifo-Chef Clemens Fuest sieht „keinen Anlass für Panik“, DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagt: „Trotz aller Unkenrufe wird 2019 nicht das Jahr des wirtschaftlichen Abschwungs.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betreibt also nicht unbedingt Schönfärberei, wenn er betont, dass die Wirtschaft hierzulande „in einer sehr guten Verfassung“ sei.

De facto ist Deutschland wirtschaftlich in einer Lage, in der man das sprichwörtliche Glas als halbvoll oder halbleer sehen kann. Die Erwartungen der regelmäßig für Frühindikatoren befragten Unternehmenslenker und Börsenprofis sind auch deshalb so schlecht wie lange nicht mehr, weil sie von 2014 bis Mitte 2018 überschäumend gut gewesen sind. Jene viereinhalb Jahre sind der echte Boom innerhalb des Daueraufschwungs, der nach der Finanzkrise 2010 einsetzte.

Seit letztem Sommer befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer Abkühlungsphase. Erste Börsenprofis rechnen gar mit einer „technischen Rezession“ von zwei Quartalen mit Wirtschaftsschrumpfung wie zum Jahreswechsel 2012/13. Im Schnitt der Prognosen allerdings soll die Wirtschaft in diesem Jahr um etwa anderthalb Prozentpunkte wachsen.

Das wäre ein dem Gesamtjahr 2018 vergleichbares Tempo. Dass die Rückgänge beim Auslandsgeschäft im zweiten Halbjahr lagen, bietet aktuell die Vorlage für alle Pessimisten, den Jahresauftakt schon jetzt abzuschreiben.

Man kann aber, wie die DIW-Konjunkturabteilung, durchaus auch Positives sehen: Die Dürre mit ihren Bremseffekten auf die Binnenwirtschaft ist vorbei – ein Blick auf den Rhein genügt. Die Autoindustrie wird einen Teil des Rückgangs ihrer Europaverkäufe wegen der schleppenden Umstellung auf den neuen Abgasstandard WLTP aufholen.

Der Ölpreis ist freundlicher für die Industrie, die Zinsen bleiben niedrig. Und: Die zu wenig beachtete Binnenwirtschaft profitiert von der weiter wachsenden Zahl an Arbeitsplätzen, steigenden Löhnen und einem kleinen Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Das alles gibt dem Daueraufschwung keine Ewigkeitsgarantie.

Die Risiken der Welt wirken selbstverständlich auf eine Exportnation ein. Es ist aber keinesfalls ausgemacht, dass alle Worst-Case-Szenarien mit voller Härte eintreten.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China zum Beispiel könnte womöglich glimpflich enden: Die Regierungen der beiden größten Volkswirtschaften der Welt haben einen Dialog begonnen.

Dass ihr Bemühen ernsthaft ist, zeigt sich daran, dass niemand den schnellen Erfolg erwartet. Grund für Optimismus bietet vor allem die Tatsache, dass die Importzölle von Präsident Donald Trump der US-Wirtschaft nicht nutzen, sondern schaden – was wiederum Trumps Dauerwahlkampf nicht hilft.

Ein harter Brexit wiederum würde vor allem Großbritannien schaden, für den Rest Europas wäre er ein kurzer Konjunkturdämpfer, aber keine Katastrophe. Weit schlimmer träfe es die deutsche Wirtschaft, sollten die Wachstumsraten in China viel stärker als erwartet zurückgehen. Ja, das kann, muss aber nicht zwangsläufig passieren.

Was aus den Weiten der globalisierten Welt auf die hiesige Wirtschaft einwirken wird, können Akteure in Deutschland nur bedingt beeinflussen. Wie aber der Blick auf Gegenwart und Zukunft ausfällt, hängt durchaus davon ab, wie Unternehmer, Konsumenten und Politiker in Deutschland den Wasserstand im Glas beurteilen.

Mehr Zuversicht ist möglich. Und sie würde durchaus helfen: Unternehmer, die nicht nur Risiken sehen, sondern auch Chancen, investieren mehr. Wer eine Lohnerhöhung bekommt, kann sich darüber freuen und ruhig etwas gönnen.

Bleibt die Bundesregierung: Sie muss endlich Probleme lösen, anstatt sich nur mit sich selbst und den nächsten Wahlen zu beschäftigen. Kein Funkloch mehr in einem Jahr wäre ein erreichbares Ziel. Ideen zur Gestaltung der digitalen Berufswelt sind nötig.

Die beschleunigte Reparatur maroder Infrastrukturen ist bei einer Konzentration darauf möglich. Wenn es Union und SPD weiter so schwerfällt, an einem Strang zu ziehen, dann wäre ein vorzeitiges Ende dieser Legislaturperiode jedoch die bessere Lösung. Denn auch politische Lähmung wirkt auf die Wirtschaft – und zwar bremsend.

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