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Kommentar Die Finanzbranche vertrödelt die digitale Aufholjagd

Deutsche Finanzkonzerne setzen selten auf Cloud-Technologie. Die Kooperation zwischen Microsoft und Deutscher Börse sollten sie als Ansporn verstehen.
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Bemerkenswerte Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Deutscher Börse. Quelle: dpa
Microsoft-Werbeslogan

Bemerkenswerte Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Deutscher Börse.

(Foto: dpa)

Deutsche Finanzunternehmen tun in der Öffentlichkeit gerne so, als seien sie Vorreiter bei der Digitalisierung. Eine schicke App hier, eine Finanzierung auf Basis der Blockchain-Technologie da. Wer die Chefs von großen Banken und Versicherern reden hört, könnte den Eindruck gewinnen, der deutsche Finanzsektor liege technologisch weltweit ganz vorn.

Doch dieser Eindruck täuscht, wie ein Blick auf die Cloud-Technologie zeigt. Dabei geht es um die Nutzung von externen IT-Leistungen wie Speicherplatz, Prozessorleistung und Programmen aller Art. Zudem können Unternehmen mithilfe von Clouds Daten besser auswerten und neue Produkte schneller entwickeln. Doch deutsche Geldhäuser nutzen Clouds bislang seltener als Unternehmen aus anderen Branchen – und auch als ihre Konkurrenten aus dem Ausland.

Als Hauptgrund dafür werden oft die strengen Regularien der Finanzaufsicht angeführt. Und diese tragen zweifellos dazu bei, dass die Verlagerung von Geschäften in die Cloud komplizierter und kostspieliger ist als in anderen Branchen.

Doch die am Montag verkündete Kooperation zwischen Microsoft und der Deutschen Börse zeigt, dass eine umfassende Cloud-Nutzung im Dialog mit den Behörden durchaus möglich ist. Andere Konzerne sollten dies als Ansporn verstehen und ihren Lippenbekenntnissen nun zeitnah Taten folgen lassen.

Die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Börse und Microsoft ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich der Dax-Konzern mit dem amerikanischen IT-Giganten auf eine neue Form der Kontrolle verständigt hat. Die Börse überprüft die Microsoft-Cloud nicht allein, sondern zusammen mit sieben anderen Finanzkonzernen. So sinkt der Aufwand für alle Beteiligten.

Dieses Modell hat Charme und könnte im Finanzsektor auch in anderen Bereichen genutzt werden. Wenn die Wertschöpfungsketten von Banken aufgebrochen werden und einzelne Dienstleistungen künftig verstärkt von kleinen Fintechs oder großen IT-Konzernen erbracht werden, wird die Überprüfung von externen Anbietern immer mehr an Bedeutung gewinnen. Und dabei kann mehr Kooperation helfen, um die ohnehin begrenzten finanziellen Ressourcen der deutschen Finanzunternehmen zu schonen.

Wichtig bei der Nutzung von Cloud-Diensten ist, dass die Unternehmen den Umgang mit den eigenen Daten und denen ihrer Kunden strengstens kontrollieren. Hier darf es keinerlei Kompromisse geben. Und hier müssen auch die amerikanischen Cloud-Anbieter beweisen, dass sie sich an die strengen europäischen Regeln halten. Das ist auch in ihrem eigenen Interesse: Am Ende wird es von der Akzeptanz der Kunden abhängen, welche Rolle Clouds künftig im Finanzsektor spielen.

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