Kommentar Die Förderung guter Schüler darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen

Die Bildungschancen für Millionen von Schülern hängen vom raschen Handeln der Bundesregierung ab. Sie hat das Geld für mehr außerschulische Förderung.
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Schule: Die Förderung guter Schüler darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen Quelle: dpa
Schüler

Mit „Leistung macht Schule“ hat die Bundesregierung einen subtilen Paradigmenwechsel vollzogen.

(Foto: dpa)

Der neue Nationale Bildungsbericht kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie seine Vorgänger: Wer auf gute Schulen geht und danach studiert, verdient in den meisten Fällen mehr und ist später mit seinem Leben zufriedener. Doch die Chance dazu bekommt nicht unbedingt der oder die Beste.

Die klassischen Akademikerkinder, Einheimische und Jungen haben bessere Aussichten als Arbeiterkinder, Zuwanderer und Mädchen. Ein Lösungsansatz, so paradox es klingt, sind Förderprogramme für die besten Schüler – unabhängig von sozialer Herkunft und Geschlecht.

Doch die haben gesellschaftlich einen schweren Stand. Seit Jahrzehnten ist Begabtenförderung in Deutschland verpönt. Das liegt vor allem daran, dass sie mit Elitenförderung gleichgesetzt wird. Und diejenigen, die es dank wohlsituierter Eltern bereits einfacher gehabt haben, brauchen keine weitere Unterstützung.

Also verzichten wir lieber auf Begabtenförderung. Solange das so bleibt, setzen sich aber die gleichen Muster fort: Es studieren nicht die besten, sondern die wohlhabendsten Schüler – denn ihre Eltern können sich außerschulische Förderprogramme leisten. Dabei geht es also nicht um die Frage, ob wir „mehr Elite“ brauchen: Es geht darum, die besten Schüler, unabhängig vom Geldbeutel und Pass ihrer Eltern, zu unterstützen. Mit der 125 Millionen Euro schweren Initiative „Leistung macht Schule“ hat die Bundesregierung Anfang 2018 ein Konzept vorgelegt, das genau das ankündigt: leistungsstarke Schüler in allen Fachbereichen frühzeitig entdecken und fördern.

Begleitet von 15 Universitäten sollen 300 Pilotschulen neue Perspektiven für herausragende Schüler herausarbeiten. Wenn die Umsetzung ihrem Grundsatz gerecht wird, Schüler unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Geldbeutel der Eltern zu fördern, dann kann sie so für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem sorgen.  

Mit „Leistung macht Schule“ hat die Bundesregierung so einen subtilen Paradigmenwechsel vollzogen: Der Fokus schwenkt von den leistungsschwachen Schülern auf die ganze Klasse. Wenn wir die außerschulische Förderung guter Schüler den Eltern überlassen, werden weiterhin die wohlhabendsten Kinder die Bestnoten einfahren.

Wer dabei denkt, Mathe-Olympiade und Mathe-Nachhilfe müssten sich ausschließen, irrt. Die Bundesregierung hat ihr geplantes Ziel für Bildungsausgaben noch lange nicht erreicht: Anstatt der geplanten zehn Prozent der Wirtschaftsleistung sind es neun Prozent. Ein Prozent macht hier immerhin 30,4 Milliarden Euro aus, das entspricht fast 250 Initiativen vom Kaliber „Leistung macht Schule“. Der Bildungsetat erlaubt also eine Förderung von leistungsschwachen und starken Schülern.

Solche Projekte müssen dann eben nur auch umgesetzt werden. Denn für Millionen Schüler in Deutschland tickt die Uhr: Ihre Bildungschancen – und damit auch ihre zukünftige Lebenszufriedenheit – hängt vom raschen Handeln der Bundesregierung ab.

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