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Kommentar Die Folgen des Handelsstreits könnten vor allem für deutsche Firmen dramatisch werden

China will sich aus der Abhängigkeit mit den USA lösen. Das zeigt gerade der Fall Huawei. Für die deutsche Wirtschaft ist das eine Gefahr.
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China will sich aus der Abhängigkeit mit den USA lösen Quelle: dpa
Stahlherstellung

Europa und vor allem Deutschland könnten besonders unter dem Schlagabtausch der beiden größten Volkswirtschaften der Welt leiden, meint Stephan Scheuer.

(Foto: dpa)

Peking vollzieht eine Kehrtwende. Über Jahre hatte die chinesische Führung die Globalisierung forciert. Kein Staat der Welt profitiert so sehr vom globalen Handel und von internationalen Lieferketten. Firmen aus China klinkten sich erfolgreich in die globale Wertschöpfung ein. Der Handelskonflikt mit den USA stellt das infrage.

Peking hat gesehen, wie angreifbar die heimische Wirtschaft ist. Der chinesische Konzern Huawei drohte zu scheitern, als Washington ihm den Zugang zu allen Zulieferern und Partnern in den USA kappen wollte. Als Reaktion forciert Peking die Autarkie. Das ist schlecht für die Weltwirtschaft – und besonders schlecht für Deutschland.

Der chinesische Technologiekonzern Huawei hat vergangenes Wochenende das eigene Betriebssystem Harmonie OS vorgestellt. Es soll künftig auf Smartphones, Tablets und anderen digitalen Produkten zum Einsatz kommen. Das Vorgehen sei kein Wunsch von Huawei gewesen, aber nötig geworden, erklärte der Chef der Konsumgüter-Sparte, Richard Yu.

Bislang setzt Huawei auf das Betriebssystem Android von der Google-Mutterfirma Alphabet. Doch das US-Handelsministerium hatte gedroht, Google die Zusammenarbeit zu untersagen. Die Gnadenfrist dafür ist gerade auf den Dezember ausgedehnt worden.

Aber für Huawei ist Harmonie OS eine Lebensversicherung. Die Software aus dem eigenen Hause kann die Zukunft der Firma sichern, egal, wie sehr die USA ihre Blockade forcieren sollten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert zudem aus einem Huawei-Memo, nach dem der Konzern eine radikale Restrukturierung für die nächsten Jahre plant, um sich unangreifbar durch Washington zu machen.

Huawei steht für eine Kehrtwende einer ganzen Branche. Keine Industrie in der Volksrepublik ist so international verwoben wie die IT-Wirtschaft. Als Auftragsfertiger waren viele chinesische Firmen groß geworden. Heute fordern sie die Technologieführer aus den USA und Europa heraus. Das schloss Kooperationen bislang nicht aus.

Viele Zulieferer von Komponenten stellten ihre Produkte gleich für mehrere konkurrierende Konzerne zur Verfügung. Die Blockadehaltung der USA im Handelskonflikt stellt das infrage.

Auch auf politischer Ebene ändert sich die Situation. Chinesische Behörden sind deutlich restriktiver darin geworden, Auslandsinvestitionen zu genehmigen. Gleichzeitig sind chinesische Konzerne aufgrund der Unsicherheit durch den Handelskonflikt mit den USA zurückhaltender geworden.

In Deutschland zeigt sich das an einem radikalen Einbruch chinesischer Investitionen in Firmen von 10,1 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2018 auf nur noch 500 Millionen Dollar in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Es klingt paradox, aber Politiker und Unternehmer, die kürzlich vor einem Ausverkauf der deutschen Wirtschaft an China warnten, machen sich heute Sorgen darüber, dass die finanzstarken Investoren aus Fernost plötzlich ausbleiben.

Peking strebt eine globale Entkoppelung an. Die Volksrepublik will sich nicht mehr so angreifbar machen für die Attacken der US-Administration. US-Präsident Donald Trump traut Peking alles zu. Als Konsequenz setzt die chinesische Führung auf maximale Verteidigung. Es ist das chinesische Pendant zur „America first“-Strategie von Trump.

Europa und vor allem Deutschland könnten besonders unter dem Schlagabtausch der beiden größten Volkswirtschaften der Welt leiden. Als Exportnation profitiert die Bundesrepublik vom Welthandel. Jede Verunsicherung ist schlecht.

Dieses Mal könnten die Folgen dramatisch werden. Denn Deutschland und die heimische Wirtschaft könnten gezwungen werden, sich für eine Seite zu entscheiden. Es ist naheliegend, dass die USA und China früher oder später verlangen, dass Berlin Position bezieht. Dabei kann Deutschland nur verlieren, egal, wie die Entscheidung dann ausfällt.

Firmen aus der Bundesrepublik nehmen sich als Bindeglied wahr. Sie entwickeln, produzieren und verkaufen in Nordamerika wie in China. Es wäre fatal, wenn ein ungehinderter Zugang zum US-Markt das Geschäft mit China erschwert oder umgekehrt.

Das Schlimme ist jedoch: Wir können nichts dagegen unternehmen. Weder Berlin noch Brüssel sind Akteure im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Europa ist stummer, allerdings auch leidtragender Zuschauer.

Selbst eine baldige Lösung des Handelsstreits wäre keine Entwarnung für die europäische Industrie. Der Schaden ist bereits angerichtet.

Huawei hat seine Lektion gelernt und setzt auf Unabhängigkeit. Das ist konsequent. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die USA ihre Blockadestrategie eines Tages aufgeben. Denn die Entscheider in China haben gelernt, dass die US-Administration ihre Meinung sehr schnell ändert – besonders unter einem Präsidenten Trump.

Mehr: Huawei hat ein eigenes Betriebssystem vorgestellt. Harmony OS könnte wichtig werden, wenn der Konzern den Zugang zu Android verlieren sollte.

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