Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die Geduld der iranischen Führung ist am Ende

Der Iran zündelt immer mehr gegen die USA: Der Geheimdienst hat jetzt angebliche CIA-Spione verhaftet und teilweise zum Tode verurteilt. Teheran sollte zur Diplomatie zurückkehren.
1 Kommentar
Der britische Tanker wird vom Iran festgehalten. Quelle: dpa
Öltanker Stena Impero

Der britische Tanker wird vom Iran festgehalten.

(Foto: dpa)

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem der Iran nicht mit Drohungen oder zweifelhaften Aktionen die Weltgemeinschaft erschreckt. Revolutionsgarden und Regierung in Teheran wollen den USA offenbar demonstrieren, dass sie sich den Wirtschaftssanktionen und militärischen Muskelspielen des Erzfeinds nicht einfach beugen.

Erst zeigten die Revolutionsgarden am Wochenende mit einem Video, wie sie einen unter britischer Flagge fahrenden Tanker unter ihre Kontrolle bringen. Am Montag verkündete Irans Geheimdienst die Verhaftung von 17 iranischen Bürgern, die für die CIA spioniert haben sollen. Dass davon einige bereits zum Tode verurteilt wurden, dürfte nach der Festnahme von aus dem Iran stammenden britischen und französischen Doppelstaatlern vor allem in Europa für Aufregung sorgen.

Die Provokationen Richtung Europa sind überraschend. Der Iran ist darauf angewiesen, dass Europa weiterhin am Atomabkommen festhält und sich der Strategie des maximalen Drucks von US-Präsident Donald Trump widersetzt. Die jüngsten Aktionen Teherans haben sicher nicht dazu beigetragen. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch die EU das 2015 nach jahrelangen Verhandlungen und mühsamen Kompromissen geschlossene Nuklearabkommen für beendet erklären und wieder Sanktionen gegen den Iran verhängen wird.

Auch Teheran scheint kein echtes Interesse an dem Abkommen mehr zu haben. Immerhin hat die landeseigene Atombehörde zugegeben, über die im Atomdeal vereinbarte Obergrenze hinaus Uran anzureichern. Und nun noch Tankerkrieg, die Rache für einen vor Gibraltar durch die Briten auf US-Geheiß festgesetzten iranischen Tanker, die Spionen-Hexenjagd sowie verbale Aggressionen. Innenpolitisch mögen die Signale auf Beifall stoßen, außenpolitisch sind sie verheerend.

Der Religions- und Revolutionsführer, Ajatollah Ali Chamenei, hatte schon immer gesagt, man könne mit den USA keine Vereinbarungen treffen und fühlt sich nun bestätigt. Er will Stärke demonstrieren, seinem Volk zeigen, dass Iran sich nicht unterkriegen lässt. Und die Regierung unter Präsident Hassan Rohani will ihm offenbar in Nichts nachstehen, um sich nicht angreifbar zu machen.

Bisher war Teheran moralisch im Recht. Es hatte sich penibel an den Atomvertrag gehalten, obwohl Trump vor einem Jahr einseitig ausgestiegen war und harte Sanktionen gegen den Petro-Staat verhängt hatte. Nun ist offenbar die Geduld der iranischen Führung am Ende.

Ihrer Bevölkerung kann sie nicht mehr erklären, warum sie sich an ein Abkommen hält, das dem Iran Auflagen erteilt und von der Gegenseite die zugesagten Wirtschaftserleichterungen nicht kommen. Teheran hat ein Jahr lang durchgehalten, die Ungerechtigkeit akzeptiert – in der Hoffnung auf ein Ende der Herrschaft Trumps. Doch nun dämmert der iranischen Regierung, dass Trump wiedergewählt werden könnte.

Iran sollte über eine diplomatische Lösung nachdenken

Europa muss sich in dieser angespannten Situation vorwerfen lassen, nicht entschlossen für den Erhalt des Atomabkommens gekämpft zu haben. Ein Abkommen, das die Regierungen selbst als diplomatischen Meilenstein zur Verhinderung eines atomaren Wettlaufs am Golf gelobt hatten.

Die Konfrontation der iranischen Führung mit den USA birgt viele Risiken für das Krisenland. Teheran sollte dringend überlegen, ob nicht eine diplomatische Lösung der Krise durch Zugeständnisse möglich wäre. Es wäre für alle der viel bessere Weg.

Die aktuelle Situation lässt befürchten, dass weder der Iran noch der US-Präsident einlenken. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass im Nahen Osten zwei Züge aufeinander rasen, die niemand bremst.

Mehr: Iran hält einen britischen Öltanker fest. Großbritannien entscheidet am heutigen Montag über Sanktionen gegen Iran.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Die Geduld der iranischen Führung ist am Ende

1 Kommentar zu "Kommentar: Die Geduld der iranischen Führung ist am Ende"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Adenauer hat einmal gesagt, Einfamilienhausbesitzer machen keine Revolution.
    Die wirtschaftliche Ausgrenzung des Iran kann/soll die Armut weiter steigern. die Gefahr ist, dass wenn man nichts mehr hat außer der Ehre, "man auch diese verteidigen kann". Der Stimulus ggü. einem "ausländischen Aggressor" läßt noch leichter Emotionen schüren.
    Wenn das Wort "pacta sunt servanda" nicht mehr gilt, hat es die Diplomatie schwer. Ihr ist Erfolg gegönnt. Recht muß auch - unabhängig von der Person - gegenüber jedermann executiert werden.
    Fraglich ist was passieren würde, wenn US ggü. Iran und auch Kuba die Wirtschaftssanktionen aufheben würde. Dann würden die Systeme vielleicht von innen erodieren.

Serviceangebote