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Kommentar Die geforderte Senkung des Garantiezinses ist ein notwendiger Weckruf

Der Vorschlag, den Garantiezins bei Lebensversicherungen deutlich zu reduzieren, ist ein Vorstoß mit Sprengkraft – allerdings ein unausweichlicher Schritt.
04.12.2020 - 11:31 Uhr Kommentieren
Über den Garantieziens entscheidet am Ende das Bundesfinanzministerium. Quelle: imago images/Rainer Unkel
Lebensversicherung

Über den Garantieziens entscheidet am Ende das Bundesfinanzministerium.

(Foto: imago images/Rainer Unkel)

Frankfurt Es ist ein Fanal der besonderen Art. Die Deutsche Aktuarvereinigung schlägt vor, den Garantiezins bei klassischen Lebensversicherungen ab 2022 drastisch zu senken. Es geht darum, wie viel die Versicherer den Kunden bei klassischen Policen maximal auf die gesamte Laufzeit fix zusagen dürfen. Statt 0,9 Prozent, wie der Satz seit 2017 lautet, soll der Zins nun auf überschaubare 0,25 Prozent sinken.

Die Gilde der Versicherungsmathematiker hat in dieser Frage ein Vorschlagsrecht, die Entscheidung allerdings trifft das Bundesfinanzministerium. Stellt sich allen Kunden die bange Frage: Müssen sie sich darauf einstellen, dass die Politik schon bald eine weitere Garantieschmelze auslösen wird?

Nein, wohl eher nicht. Denn ein solcher Schritt hätte weitreichende Folgen für die bisherige Riester-Rente, die sich schon länger am Markt nur sehr schwer behauptet. Noch wirbt das weitverbreitete Produkt mit der Zusage einer 100-prozentigen Beitragsgarantie. Sinkt jedoch der Garantiezins auf 0,25 Prozent, wäre es für die Versicherer kaum mehr darstellbar, dieses Versprechen auch in Zukunft zu erfüllen. Denn die Firmen lassen sich üblicherweise ihre Vertriebs- und Verwaltungskosten und vor allem ihre Provisionen für die Vermittler von den eingezahlten Kundengeldern bezahlen.

Genau das weiß auch Olaf Scholz. Zu erwarten ist, dass er sich deshalb mit einer Entscheidung zum Garantiezins Zeit lassen dürfte, bis eine Reform der Riester-Rente auf den Weg gebracht wurde. Erst gegen Ende der Legislaturperiode wird das wohl angegangen werden.

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    Der Vorstoß der Rechenkünstler ist deshalb sowohl ein Weckruf für die Politik – als auch eine Mahnung an die eigenen Reihen. Denn die sinkenden Zinsen lenken den Blick immer mehr auf die Kosten der Versicherer. Ob von 100 Euro, die der Kunde zahlt, 5,90 Euro oder 15,50 Euro bei einer Lebenspolice für Betriebskosten abgehen und nicht für die Kapitalanlage zur Verfügung stehen, macht eben den großen Unterschied aus. Derzeit bewegen sich die Betriebskosten-Quoten der Anbieter in dieser breiten Spanne – was nicht so bleiben kann.

    Für Geringverdiener braucht es neue Anreize

    Doch auch die Politik muss ihren Beitrag leisten. Dringend gebraucht wird gerade für Geringverdiener ein neues, transparentes Modell für die privat finanzierte Rente mit mehr finanziellen Anreizen, um die Absicherung der Altersvorsorge attraktiver zu machen. Die Politik muss daher dringend Strategien entwickeln, wie sie die Produkte attraktiver machen kann – beispielsweise durch neue Steuervorteile.

    Eines kristallisiert sich immer deutlicher heraus: Für die Kunden bleibt immer weniger Rendite übrig. Sollten jedoch zunehmend mehr Deutsche das Interesse daran verlieren, sich privat abzusichern, zahlt später die Gesamtbevölkerung die Zeche. Dann riskiert der Staat eine steigende Altersarmut. Und die Rechnung dafür könnte für alle Steuerzahler drastisch höher ausfallen als ein Steuerausfall auf Erträge neuer Lebensversicherungen.

    Mehr: Lebensversicherer wollen Garantiezins ab 2022 drastisch senken

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