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Kommentar Die Gelbwesten-Proteste offenbaren ein Versagen der französischen Demokraten

Die Gewalt der Gelbwesten in Frankreich wird von Teilen des Bürgertums und der Linken noch immer verharmlost. Das nutzen die rechten Parteien aus.
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Die Demonstrationen gegen die Regierung werden immer öfter von radikalen Gruppen genutzt. Quelle: dpa
Gelbwesten-Proteste in Frankreich

Die Demonstrationen gegen die Regierung werden immer öfter von radikalen Gruppen genutzt.

(Foto: dpa)

Für die Bewohner vieler französischer Großstädte ist es eine Plage: Seit November rücken Schlägerbanden radikalisierter Gelbwesten, Gilets jaunes, am Wochenende in die Innenstädte ein.

Wie letzten Samstag in Paris fallen sie mit großer Brutalität über Polizisten her und schicken mit erheblichem logistischem Geschick mobile Stoßtrupps los, um Geschäfte zu plündern und Autos oder städtisches Mobiliar zu verbrennen.

Die Polizei war im November und Dezember völlig überfordert, hatte die Lage anschließend einigermaßen im Griff, wirkt nun aber wieder hilfloser. Sie steht verschiedenen Kräften gegenüber: radikalisierten Gelbwesten, die Gewalt als einziges Mittel zur Erreichung ihrer Ziele sehen, da sie für Wahlerfolge zu schwach sind; Kriminellen, die sich in den verwüsteten Geschäften mit Waren versorgen; und einem Mob, der wie Fußball-Hooligans einfach Spaß an der Gewalt hat.

Tausende von Polizisten und Gendarmen setzen jedes Wochenende ihre Gesundheit, manchmal ihr Leben aufs Spiel.

Dilettantische Führung

Ihre Führung aber dilettiert, probiert mal diese, mal jene Taktik aus. Besonders hervorgetan hat sich in dieser Disziplin der Polizeipräfekt von Paris, der nach dem neuerlichen Versagen vom Wochenende nun rausgeschmissen wurde. Viele Einsätze sind gleichermaßen zu hart und zu sanft.

Zu hart, weil sofort mit Tränengas und schnell mit Gummikugeln geschossen wird, was friedliche Demonstranten gegen die Ordnungskräfte aufbringt und unnötige Opfer fordert. Zu sanft, weil wenig Kontrollen im Vorfeld erfolgen und die Einsatzkräfte manchmal lange zusehen, wie die Schläger ihre Gewaltorgien inszenieren, bevor sie dagegenhalten.

Politisches Störfeuer erschwert die Lage. Die Gewalt schadet vor allem der Regierung von Emmanuel Macron. Deswegen übt sich die gemäßigte Rechte, der offenbar die demokratischen Werte abhandenkommen, in klammheimlicher Schadenfreude und äußert allenfalls lahme Kritik an den Gelbwesten.

Noch schlimmer treibt es der rechtsextreme „Rassemblement National“, Ex-Front National: Dessen Chefin Marine Le Pen behauptet ernsthaft, schuld an der Gewalt sei allein Macron, weil er die Gelbwesten provoziere.

Zu den schwer verständlichen Reaktionen der französischen Gesellschaft zählt, dass die rechtsextreme Krakeelerin nicht auf mehr Widerspruch stößt. In anderen europäischen Ländern müsste sie sich wegen Verharmlosung brutaler Ausschreitungen verantworten.

In Frankreich aber gibt es noch immer Teile des wohltemperierten Bürgertums und auch der Linken, die gleichmäßig die Schuld bei den Tätern wie beim Staat sehen oder die Gewalt entschuldigen. Auf diese Weise versagen die Demokraten.

Erneut gewalttätige Ausschreitungen in Paris

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