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Kommentar Die Gesellschaft braucht einen Kitt – und könnte ihn in einer allgemeinen Dienstpflicht finden

In einer Zeit, in der der Zusammenhalt unter den Bürgern vermeintlich schwindet, braucht es einen neuen Halt. Die Idee der CDU-Chefin ist eine Diskussion wert.
28.11.2019 - 16:18 Uhr 1 Kommentar
Allen großen Organisationen fehlt es an Nachwuchs in der Pflege. Quelle: dpa
Allgemeine Dienstpflicht

Allen großen Organisationen fehlt es an Nachwuchs in der Pflege.

(Foto: dpa)

Berlin Annegret Kramp-Karrenbauer macht ernst und treibt ihre Themen zur Profilierung der CDU weiter voran. Bei der allgemeinen Dienstpflicht hat die Parteichefin offenbar John F. Kennedy im Kopf, der in seiner Amtsantrittsrede den Bürgern zurief: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

In CDU-Kreisen kommt eine solche Verpflichtung bei der Bundeswehr, in der Pflege oder bei der Feuerwehr gut an. Gerade in einer Zeit, in der viele Bürger das Gefühl haben, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt kaputtgeht, könnte das der Kitt sein, der wieder Halt schafft. Es gibt eben eine Stimmung in Deutschland, es ist dahingestellt, ob es wirklich so ist, dass sich alle nur noch um sich selbst drehen und wir in einer Ego-Gesellschaft leben.

Kramp-Karrenbauer hat ein Thema gesetzt, über das sich trefflich debattieren lässt. Die Liberalen lehnen eine Dienstpflicht – gleich, ob verpflichtend oder freiwillig – etwa aus verfassungsrechtlichen Gründen ab. Die Wirtschaft wird auch nicht Hurra schreien, wenn in Zeiten des Fachkräftemangels die jungen Menschen erst ein Jahr später auf den Arbeitsmarkt kommen. Trotzdem ist Kramp-Karrenbauers Dienstpflicht es wert, darüber politisch zu streiten.

Die CDU-Chefin muss klären, ob zu einer allgemeinen Dienstpflicht eine allgemeine Wehrpflicht gehört. Früher hieß es immer bei den Wehrpflicht-Befürwortern, die Soldaten seien Bürger in Uniform. Sowohl ehemalige Wehrpflichtige als auch Zivildienstleistende schildern das im Rückblick oft als prägende Zeit.

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    Man bekommt noch einmal einen zusätzlichen Blick auf die Welt, der in den meisten Fällen positiv die Persönlichkeit bildet. Für viele junge Leute, meist aus Akademikerfamilien, gehört ein Sabbatical nach dem Abitur schon fast zum guten Ton. Offensichtlich wollen die jungen Menschen erst einmal etwas anderes erleben, bevor sie ihren beruflichen Weg einschlagen. Das Bedürfnis ist also da. Es ist nur die Frage, ob das staatlich für alle organisiert werden soll.

    Gesellschaftspolitisch kann man dem Vorstoß von Kramp-Karrenbauer nur zustimmen. Allen großen Organisationen, seien es Gewerkschaften, Parteien, Vereinen oder Sozialeinrichtungen, sterben im wahrsten Sinne des Wortes die Leute weg. Ersatzstrukturen sind noch nicht in der Breite erkennbar. Deshalb ist es durchaus legitim, als politische Partei hier Initiativen voranzutreiben, die ein Stück weit diese Entwicklung aufhalten können.

    Jetzt sind eigentlich die politischen Konkurrenten gefordert, sich mit dem Vorschlag von Kramp-Karrenbauer intensiv auseinanderzusetzen. Als allgemeinen Wahlkampfgag kann man ihn jedenfalls nicht abtun.

    Mehr: Um den Bundesfreiwilligendienst attraktiver zu machen, fordert ein Wohlfahrtsverband freie Bahnfahrten.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Gesellschaft braucht einen Kitt – und könnte ihn in einer allgemeinen Dienstpflicht finden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie um alles in der Welt soll die Mißachtung oder gar Abschaffung der in Artikel 1 des Grundgesetzes als oberstes Staatsziel garantierten Würde des Menschen die Gesellschaft kitten? Nach allgemeinem Konsens wird diese Würde durch Kants Pragmatischen Imperativ definiert:
      „Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“
      Und daß eine Dienstpflicht einen Dienstpflichtigen als bloßes Mittel sieht und nutzt ist ja gerade ihre Definition. Und bitte jetzt nicht diese merkwürdigen Argumente, solche Pflichten würden auch dem armen Pflichtopfer nützen, weil sie "ihn zum Manne machen" oder "auch ihm seine freiheitlich demokratische Grundordnung sichern" würden: derartigen Unfug habe ich damals im glücklicherweise nach 12-jähriger Dauer beendeten "Tausendjährigen Reich" und nachher von Verbliebenen seiner alten Denkschemata zur Genüge gehört.

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