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Kommentar Die Gesellschaft sollte Beschäftigte leidender Autozulieferer nicht im Stich lassen

Nicht alle Autozulieferer werden die Folgen der Klimaschutzziele überleben. Diese Pleiten sind einkalkuliert. Beschäftigten sollte geholfen werden.
08.12.2019 - 17:00 Uhr Kommentieren
Gerade kleinere Firmen werden Schwierigkeiten haben, sich den neuen Klimazielen anzupassen. Pleiten sind da unausweichlich. Quelle: dpa
Autozulieferer mit Umsatzeinbußen und Stellenabbau

Gerade kleinere Firmen werden Schwierigkeiten haben, sich den neuen Klimazielen anzupassen. Pleiten sind da unausweichlich.

(Foto: dpa)

Der Zulauf ist unverändert groß. Wenn Klimaschützer am Freitag zur Demonstration rufen, kommen die Schüler auch jetzt noch zu Tausenden. Ihre Eltern machen am Wahltag ihr Kreuzchen bei der entsprechenden Partei: Die Grünen in Deutschland sind auf dem besten Weg, die SPD als große politische Kraft abzulösen.

Der gesellschaftliche Konsens hierzulande wächst, dass in Sachen Umwelt- und Klimaschutz viel mehr passieren muss. Die Politik reagiert darauf mit einer Verschärfung der Gesetze. Das beste Beispiel dafür sind die Emissionsgrenzen beim Kohlendioxid, die auch für die starke deutsche Automobilindustrie eine Herausforderung darstellen.

Wenn also die Meinung vorherrscht, dass die Kohlendioxid-Belastungen der Atmosphäre möglichst zügig und in großen Mengen gemindert werden sollen, dann geht das einher mit wirtschaftlichen Konsequenzen. So spricht etwa Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess ganz offen von einem „Systemwechsel“. Die künftigen Kohlendioxid-Grenzen werden sich nur dann einhalten lassen, wenn Elektroantriebe den Verbrennungsmotor ablösen.

Das wird einige Unternehmen der Branche vor existenzielle Probleme stellen. Nicht alle werden diesen Systemwechsel überleben.

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    Die meisten Automobilkonzerne gehen inzwischen so weit, dass sie auch ihre Produktion komplett klimaneutral umgestalten wollen. Jeder künftig produzierte Neuwagen soll ohne zusätzliche Kohlendioxid-Emissionen von den Bändern laufen. Dafür geben sie sich bis zum Jahr 2050 Zeit. Das entspricht in etwa den Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens, mit dem die künftige Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzt werden soll.

    Klimaneutralität ist ein zusätzlicher Kostenfaktor

    Die großen Autohersteller werden dieses ehrgeizige Ziel aber nicht allein erreichen können, die wirtschaftlichen Folgen greifen weiter. Bei einem Neuwagen kommen vielleicht noch etwa 30 Prozent der eigentlichen Wertschöpfung von einem Autohersteller. Der große Test verteilt sich entlang einer langen Wertschöpfungskette mit Tausenden von Zulieferern und Zehntausenden von Bauteilen.

    Die Produktion eines Autos wird also nur dann vollkommen klimaneutral vonstattengehen können, wenn auch die Zulieferer mitmachen. Den großen Zulieferkonzernen wie Continental und Bosch ist klar geworden, dass sie dem massiven gesellschaftlichen Druck in Sachen Klimaneutralität nicht mehr ausweichen können. Bosch etwa hat angekündigt, dass die eigene Produktion schon im nächsten Jahr komplett klimaneutral sein soll.

    Die Branche der Zulieferer besteht aber nicht nur aus internationalen Konzernen wie Bosch, ZF und Continental. Die Branche ist viel stärker mittelständisch geprägt. Kleine Familienunternehmen aus der dritten und vierten Reihe beliefern Bosch und Co. mit ihren Vorprodukten, die dort zu größeren Modulen zusammengesetzt werden und erst dann an die Autohersteller gehen.

    So mancher kleinere Zulieferer kann von einer Rendite von sieben oder acht Prozent nur träumen, die bei großen Konzernen durchaus üblich ist. Viele Hersteller erreichen nur so gerade eben die Gewinnzone und schaffen eine magere Rendite von ein oder zwei Prozent.

    Wenn jetzt als zusätzlicher Kostenfaktor die Klimaneutralität dazukommt, dann sind die wirtschaftlichen Konsequenzen ziemlich einfach beschrieben. Automobilzulieferer mit einer mageren Rendite werden in die Insolvenz gehen, weil sie sich den zusätzlichen Aufwand nicht leisten können. Diese Pleiten sind am Ende gesellschaftlich einkalkuliert – sie sind eine Konsequenz einer Umwelt- und Klimapolitik.

    Unnachgiebige Großkonzerne

    Die großen Autokonzerne haben deutlich gemacht, dass sie von ihren Klimaplänen keinen Deut abweichen werden. Kleinere Zulieferer können nicht mit Entgegenkommen rechnen: Wer die neuen Vorgaben nicht einhält, verliert seine Aufträge.

    Die Gewerkschaften haben erkannt, dass gravierende Veränderungen auf die vielen kleinen Zulieferer zukommen werden. Und sie entwickeln Maßnahmen, um die Folgen abzufedern. Die IG Metall schlägt beispielsweise die Einführung eines Transformations-Kurzarbeitergeldes vor. Brechen also die Aufträge weg, sollen betroffene Beschäftigte einen Teil ihres Lohnes von der Agentur für Arbeit bekommen. Zugleich werden die Firmen zur Weiterbildung verpflichtet. Denn allein mit ihren alten Qualifikationen aus der Zeit von Benzin- und Dieselmotor hätten sie wahrscheinlich keine besonderen Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz.

    Solch ein Vorschlag geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Die Gesellschaft verändert die Spielregeln des Wirtschaftens – also sollte die Gesellschaft auch die damit verbundenen Konsequenzen zumindest teilweise tragen. Dass etwa die Weiterbildungskosten für betroffene Arbeitnehmer übernommen werden, ist ein vernünftiger Ansatz. Klimaschutz und soziale Verantwortung sind so gleichermaßen realisierbar.

    Mehr: Konzerne wie VW und Daimler forcieren die CO2-neutrale Produktion. Bosch und Conti müssen mitziehen. Doch für viele kleine Zulieferer könnte diese Umstellung das Ende bedeuten.

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