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Kommentar Die Gewinnwarnung von SAP ist ein Alarmsignal für die Börse

Anleger glaubten, die IT-Branche sei gegen die Krise immun. Deshalb hat die Gewinnwarnung des Walldorfer Softwareunternehmens das Potenzial für ein Börsenbeben.
27.10.2020 - 14:24 Uhr Kommentieren
Jahrelang haderte der Konzern  mit einem Walldorfer Aufmerksamkeitsmakel und einer mutmaßlichen Benachteiligung an den Kapitalmärkten aufgrund seiner geografischen Randlage gegenüber den Stars im kalifornischen Silicon Valley. Quelle: imago images/R. Wittek
SAP-Zentrale in Walldorf

Jahrelang haderte der Konzern mit einem Walldorfer Aufmerksamkeitsmakel und einer mutmaßlichen Benachteiligung an den Kapitalmärkten aufgrund seiner geografischen Randlage gegenüber den Stars im kalifornischen Silicon Valley.

(Foto: imago images/R. Wittek)

Zweiundzwanzig Prozent hat SAP zum Wochenbeginn nach seiner Gewinnwarnung an Wert verloren. Das ist unter großen deutschen Konzernen einmalig in der jüngeren Börsengeschichte des vergangenen Jahrzehnts. 30 Milliarden Euro wurden vernichtet, fast doppelt so viel, wie die gesamte Deutsche Bank noch wert ist.

Wenn Unternehmen wie Daimler, Henkel oder Siemens angesichts der Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie vor niedrigeren Erträgen warnen, können ihre Aktionäre mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich die Kursverluste in Grenzen halten.

Börsianer haben sich nämlich längst daran gewöhnt, dass Unternehmen außerhalb der Tech-Branche vor unerwarteten Ertragseinbußen warnen. Schon vor Corona, 2018 und 2019, gab es so viele Gewinnwarnungen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Sie haben Anleger dafür sensibilisiert, dass Gewinne nicht immer nur steigen und Geschäfte sich oft anders entwickeln als gedacht.

Doch jetzt trifft es ausgerechnet Deutschlands wertvollsten Konzern, unser Aushängeschild, den einzigen europäischen IT-Konzern mit Weltformat. SAP war dank stetig steigender Kurse zuletzt sogar wertvoller als sein ewiger Rivale Oracle mit seinem schillernden Unternehmensgründer Larry Ellison.

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    Jahrelang haderte SAP mit einem Walldorfer Aufmerksamkeitsmakel und einer mutmaßlichen Benachteiligung an den Kapitalmärkten aufgrund seiner geografischen Randlage gegenüber den Stars im kalifornischen Silicon Valley. Doch immer bessere Geschäftsaussichten hatten die Börsenverhältnisse zugunsten der Deutschen umgekehrt, trotz höherer Gewinne der Amerikaner.

    Der Nimbus ist gebrochen

    Dieser Nimbus ist jetzt weg, weil der bodenständige Kraichgauer und inzwischen alleinige SAP-Chef Christian Klein aussprach, was im Konzern ohnehin schon viele dachten: Die ständig höheren Gewinne und Margen, wie sie sein Vorgänger Bill McDermott fast zehn Jahre lang geliefert und immer neu versprochen hatte, gingen auf Kosten zufriedener Kunden und notwendiger Investitionen.

    Doch näher betrachtet geschah zum Wochenauftakt noch mehr: SAP demaskierte die wahnwitzige Idee, dass die Technologiebranche immun gegen die wirtschaftliche Krise ist. Nichts anderes spiegelten die immer weiter steigenden Kurse in den letzten Monaten wider.

    Zweifellos gibt es Profiteure der Pandemie. Firmen wie Zoom, Teamviewer und Amazon profitieren vom Trend zur Heimarbeit, dem Homeoffice oder dem kontaktlosen Online-Bestell-Boom. Doch die nüchterne Mitteilung, wonach immer mehr Kunden ihre IT-Budgets infolge sinkender Erträge zusammenstreichen, schockierte Anleger vor allem wegen ihrer Schlichtheit.

    Gut möglich, dass SAPs Crash deshalb noch ein Börsenbeben auslöst. Dann nämlich, wenn in der jetzt laufenden Berichtssaison zum dritten Quartal weitere IT-Konzerne ihre Gewinnziele nicht halten können. In diesem Fall drohen viele Anleger kalt erwischt zu werden. Wie kein anderer Sektor profitierte die IT-Branche lange Zeit von einem beinahe grenzenlosen Vertrauen auf ewiges Wachstum. Fast so wie in der Dotcom-Blase vor zwei Jahrzehnten.

    Richtig ist zwar, dass die IT-Branche inzwischen erwachsen geworden ist. Das heißt, die Unternehmen erwirtschaften reale Milliardengewinne, die sie nicht nur stetig steigern, sondern auch mehr und mehr an ihre Aktionäre ausschütten. Das unterscheidet die IT heute von damals.

    Spekulationsblasen wie in den 1990ern

    Doch ebenso wie in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre sind in den vergangenen zehn Jahren die Kurse wieder sehr viel schneller als die Firmengewinne gestiegen. Das lässt sich ablesen an den stetig steigenden Unternehmens- und Aktienbewertungen. Allein seit 2019 haben sich die Kurse der 100 größten amerikanischen Technologie-Aktien verdoppelt.

    Angeführt wird der Boom von den ganz Großen: Apple, Microsoft, Facebook, Amazon und Alphabet. Immer mehr Anleger setzen auf diese IT-Größen, oft sogar mithilfe regelmäßiger Aktienkäufe in Form von Sparplänen, ohne die Geschäftsmodelle dahingehend zu hinterfragen, ob die Unternehmen künftig genauso schnell wachsen wie bislang. Nur dann rechtfertigen sich die hohen Bewertungen.

    Die Folge dieses grenzenlosen Vertrauens ist, dass Anspruch samt Spekulation (Kurse) und Realität samt Gewinnmargen (Firmenbilanzen) immer weiter auseinanderklaffen. Auch SAP hatte seine Kurse jahrelang stärker als seine Gewinne gesteigert: abzulesen an einer fast doppelt so hohen Bewertung wie vor einem Jahrzehnt.

    Das geht so lange gut, wie sich immer neue Anleger finden und diese Aktien trotz hoher Bewertung kaufen. Von SAP bekamen Aktionäre aber nun schmerzhaft mitgeteilt, dass die Erträge nicht wie erhofft immer weiter steigen.

    Wie alle Branchen kann sich auch die IT den irdischen Gesetzen nicht entziehen: Es ist immer nur so viel Geld und Gewinn da, wie durch Kunden neu hereinkommt. Da geht es SAP und weiten Teilen der IT nicht anders als der vermeintlichen Old Economy in der Industrie um BASF oder Siemens.

    Mehr: Christian Klein im Interview: Waren uns bewusst, dass die Reaktion der Anleger so ausfallen könnte.

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