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Kommentar Die größte Gefahr für die Deutsche Bank ist möglicher Übermut

Deutschlands größtes Geldhaus kommt auch im aktuellen Ausnahmezustand bei der Sanierung voran. Die Coronakrise erweist sich für die Deutsche Bank sogar als Segen – noch.
28.10.2020 - 19:31 Uhr 1 Kommentar
Das größte deutsche Geldhaus darf seinen Investmentbankern nicht wieder zu viel Freiraum geben. Quelle: AP
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

Das größte deutsche Geldhaus darf seinen Investmentbankern nicht wieder zu viel Freiraum geben.

(Foto: AP)

Frankfurt Wenn die Deutsche Bank Zahlen vorlegt, weiß man nie so genau, was man bekommt. Schon oft gab es in den vergangenen Jahren negative Überraschungen: unerwartet hohe Abschreibungen auf Wertpapiere oder ganze Geschäftsbereiche, Strafzahlungen oder sonstige „Sondereffekte“, die die Bilanz verhagelten. Genauso oft wurde in den Doppeltürmen argumentiert: Wenn man alle diese Posten herausrechne, stehe die Bank richtig gut da. Man müsse eben nur genau hinschauen.

Dagegen ist die Bilanz des dritten Quartals ein echter Lichtblick: Deutschlands größtes Geldhaus ist mitten in der Coronakrise in die Gewinnzone zurückgekehrt und kommt bei seinen Sparanstrengungen voran. Vorstandschef Christian Sewing liefert das, was er Mitarbeitern und Aktionären im Sommer 2019 versprochen hat: Die Kosten gehen kontinuierlich herunter, Risiken in der Bilanz werden abgebaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Das Paradoxe daran: Gerade die Krise hilft der Bank dabei, Geld zu verdienen. Wenn Anleger an den Märkten investieren, Anleihen platziert und gehandelt werden, wenn sich Großkonzerne gegen Währungsrisiken absichern oder frisches Kapital aufnehmen, dann spült das den Investmentbankern ordentlich Geld in die Kasse. Die Deutsche Bank ist hier keine Ausnahme. Sie profitiert von derselben Sonderkonjunktur wie die großen Rivalen von der Wall Street.

Man könnte fast sagen, Corona ist ein wahrer Segen für die Branche. Denn das Auf und Ab an den Märkten, der große Beratungs- und Finanzierungsbedarf insbesondere der Firmenkunden, das alles dürfte noch eine ganze Weile anhalten.

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    Die größte Gefahr besteht nun darin, dass die Bank wieder übermütig wird. Dass sie ihren Investmentbankern wieder zu viel Freiraum gibt, da sie die Gewinne scheffeln, die in anderen Bereichen – allen voran das Privatkundengeschäft – ausbleiben. Das würde Sewings Strategie ad absurdum führen.

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    Denn in dieser Hinsicht ist die Coronakrise ein Fluch: Das traditionelle Kreditgeschäft mit Unternehmens- und Privatkunden, das die Deutsche Bank eigentlich als Rückbesinnung auf ihre Wurzeln wieder zum Kerngeschäft machen will, bringt im Moment die größte Unsicherheit mit sich. Die Pandemie hat in Europa schon jetzt die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ausgelöst.

    Die Effekte eines zweiten Lockdowns, wie er sich in vielen europäischen Ländern inklusive Deutschland anbahnt, sind da noch gar nicht eingerechnet. Klar ist nur: Je länger die Coronakrise dauert, desto höher wird am Ende die Zahl an Insolvenzen und Arbeitslosen ausfallen. Und wenn Firmen und Privatkunden ihre Darlehen nicht mehr zurückzahlen können, wird es auch für die Banken ernst. Die bisherige Risikovorsorge für Kreditausfälle bildet das nur zu einem kleinen, weil theoretischen Teil ab.

    Grafik

    Die Deutsche Bank hat dabei noch Glück im Unglück: Einerseits profitiert sie davon, dass es der heimischen deutschen Wirtschaft nach wie vor relativ gut geht. Der jahrelange Aufschwung hat zu üppigen Rücklagen geführt, mit denen der Staat leidgeprüften Branchen nun unter die Arme greifen und Sozialleistungen erhöhen kann.

    Das könnte die schlimmsten Folgen abmildern, wenn auch hierzulande das öffentliche Leben erneut stark eingeschränkt wird. Das Risiko für drastische Kreditausfälle ist für die südeuropäischen Geldhäuser ungleich größer, wie sich in deren Bilanzen teilweise auch schon gezeigt hat.

    Entfremdung der Deutschen Bank vom Mittelstand

    Andererseits kommt der Deutschen Bank im Moment zugute, dass sie ihre immer wieder ausgerufene Mittelstandsoffensive nie richtig in die Tat umgesetzt hat. Egal, wer bei der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten das Sagen hatte: Man versprach, für die kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Hause da zu sein, aber zog in die weite Welt hinaus, um große Kapitalmarkttransaktionen zu stemmen und mit den angelsächsischen Instituten um Einnahmen und Prestige zu wetteifern.

    Das führte zeitweise zu einer Entfremdung der deutschen Großbank vom heimischen Mittelstand, der sich lieber der Commerzbank oder den Sparkassen und Volksbanken zuwandte. Es erklärt aber in der aktuellen Krise, warum die Deutsche Bank noch relativ wenig Belastungen im Kreditbuch spürt und einem zweiten Lockdown auch in Deutschland – nach außen zumindest – gelassen entgegenblickt.

    Handwerker, Restaurantbesitzer und sonstige Selbstständige, von denen viele jetzt mehr denn je um ihre Existenz fürchten, zählen nicht zur Kernklientel der Deutschen Bank. Das sind eher die Großkonzerne, die eine viel größere Widerstandskraft haben.

    Was am Ende überwiegt – Corona als Segen oder Fluch –, das muss sich für die Deutsche Bank erst noch zeigen. Sie ist noch längst nicht so wetterfest, wie sie sein müsste. Sie hat noch immer keine nennenswerten Reserven aufgebaut. Für Sewing kommt es jetzt darauf an, sich bei seinem Sanierungskurs nicht ablenken zu lassen: Altlasten abbauen und Kosten weiter senken, heißt das Gebot der Stunde. Die Krise könnte Letzteres sogar beschleunigen – und damit eine Chance sein.

    Mehr: Fünf Lehren aus den Quartalszahl der Deutschen Bank

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die größte Gefahr für die Deutsche Bank ist möglicher Übermut"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Dass sie ihren Investmentbankern wieder zu viel Freiraum gibt, da sie die Gewinne scheffeln, die in anderen Bereichen – allen voran das Privatkundengeschäft – ausbleiben. Das würde Sewings Strategie ad absurdum führen."
      Die Deutsche Bank hat jahrelang angloamerikanischen Investmentbänker überdimensionierte Boni bezahlt: Jene Bänker gingen erhebliche Risiken ein, waren diese erfolgreich, kamen die exorbitanten Boni - waren sie nicht erfolgreich, hatte der Bänker nichts zu befürchten, die Bank zahlte den Verlust.
      Christian Sewing kommt aus dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Ein wenig wissender Mensch, wie ich, weiß um jene angloamerikanischen Investmentbänker, liebe Frau Kathrin Jones, auch Christian Sewing weiß davon und kann die Risiken einschätzen. Persönlich halte ich Christian Sewing für einen hochinteligenten, risikobewußten und mutigen BANKER, der sehr gut Kosten und Nutzen der einzelnen Geschäftsfelder einschätzen kann.
      Ihre WARNUNG finde ich gut, Herr Christian Sewing sollte seine ureigene Strategie nicht ändern, eine EU-Strategie auch im Investmentbereich würde Europas Wiederaufbau nach der Coronakrise zugute kommen. Für den Wiederaufbau sehe ich die europäischen Mitarbeiter der Deutschen Bank an vorderster Stelle.

      Meine persönlichen Erfahrungen mit den hochqualifizierten und auskunftsfreudigen Mitarbeitern der Deutschen Bank sind außerordentlich gut. Als Selbstständiger und Unternehmer sollte man immer gerne die Deutsche Bank und die Commerzbank in finanzielle Überlegungen einbinden - beide Institute bringen gute Ideen!

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