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Kommentar Die Groko erweckt den fatalen Eindruck, auf eine Milliarde mehr Schulden käme es nicht an

Die Regierungskoaltion zeigt sich mit der Homeoffice-Pauschale großzügig. Doch damit rutscht sie in einen gefährlichen Wünsch-dir-was-Modus.
30.11.2020 - 18:25 Uhr 3 Kommentare
Der Bundesminister für Arbeit und Soziales hat einen neuen Gesetzentwurf zum Homeoffice erarbeitet. Quelle: dpa
Hubertus Heil

Der Bundesminister für Arbeit und Soziales hat einen neuen Gesetzentwurf zum Homeoffice erarbeitet.

(Foto: dpa)

Berlin Nun gibt es also auch noch ein finanzielles Bonbon für alle, die wegen der Pandemie zu Hause arbeiten müssen oder wollen. Union und SPD haben sich grundsätzlich auf eine Homeoffice-Pauschale geeinigt: Fünf Euro pro Tag, maximal 600 Euro im Jahr, können von der Steuer abgesetzt werden.

Für diese Unterstützung lassen sich gute Gründe anführen. Arbeitnehmer, die von zu Hause aus arbeiten, haben einen finanziellen Mehraufwand. Vom Arbeitgeber bekommen sie den selten ausgeglichen, da die Unternehmen trotzdem ihre Büros finanzieren und in der Krise ohnehin knapp bei Kasse sind.

Und manch einer, der bisher die Pendlerpauschale stark genutzt hat, hätte durch das Homeoffice womöglich auf einmal sogar mehr Steuern zahlen müssen. Ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen zu können ist an viele Bedingungen geknüpft, die Pauschale ist da deutlich näher an der Realität vieler Bürger, die derzeit vom Küchentisch aus arbeiten. In der Coronakrise kann sie deshalb ein sinnvolles Instrument sein.

Wenn die Homeoffice-Pauschale auf den Arbeitnehmerpauschbetrag angerechnet wird – wofür unter steuersystematischen Gründen alles spricht –, wird sich das Finanzvolumen in Grenzen halten. Rund eine Milliarde Euro dürfte Finanzminister Olaf Scholz das Vorhaben kosten.

Doch auch wenn es gute Gründe gibt und das Volumen überschaubar ist, so bleibt doch ein Beigeschmack: Einmal mehr vermittelt die Große Koalition den Eindruck, dass sie jeden für jede Belastung und Zumutung dieser Krise entschädigen kann. Unternehmen, die schließen müssen, bekommen ihren Umsatz großzügig ersetzt; die Corona-Helden erhalten ihren Bonus steuerfrei; Familien einen Zuschlag beim Kindergeld und so weiter.

Maßnahmen werden zu gewaltigem Kostenblock

Jede Maßnahme für sich lässt sich bestens begründen, alle zusammen führen aber zu einem gewaltigen Kostenblock. Natürlich sollte in der Krise nicht geknausert werden, Wirtschaftshilfen und Konjunkturpaket sind grundsätzlich richtig. Und trotzdem darf man die Kosten nicht aus dem Blick verlieren.

Derzeit wird zu oft das Argument angeführt, dass eine Milliarde mehr oder weniger nun auch nichts mehr ausmache, wenn man ohnehin schon ein Defizit von 180 Milliarden Euro für das kommende Jahr plant. Das ist dann doch etwas arglos.

Auch in einer Ausnahmekrise wie dieser sollten die Hilfen möglichst zielgerichtet bleiben. Die Koalition gerät derzeit durch die Kombination aus Coronakrise und aufziehendem Bundestagswahlkampf etwas zu sehr in einen Wünsch-dir-was-Modus, in dem sie jeden und alles noch mal bedenken will.

Mehr: Koalition einigt sich auf Homeoffice-Steuerpauschale von fünf Euro pro Tag

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3 Kommentare zu "Kommentar: Die Groko erweckt den fatalen Eindruck, auf eine Milliarde mehr Schulden käme es nicht an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Selbstständigkeit ist Freiheit aber auch mit Risiko verbunden - Das wird jetzt vielen klar - Daher müssen diese Menschen demnächst Vorsorge treffen - Da sollte die Regierung ein Angebot entwickeln

  • Die Diktion des Beitrags geht leider völlig an der Sache vorbei. Die Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hat nichts mit "Bonbon" oder "Unterstützung" zu tun. Die Abziehbarkeit von Erwerbsaufwand ist zentraler Bestandteil unseres Steuersystems und steht nicht zur Disposition der Politik. Würde es irgendjemand als "Bonbon" bezeichnen, dass ein Händler nur seinen Gewinn und nicht seine Einnahmen der Einkommensteuer unterwerfen muss?
    @Herrn Hanselmann: Eine ziemlich "eigenwillige" Rechnung. Kaum jemand arbeitet zu 100% im Homeoffice, und die Zeitkarteninhaber im ÖPNV etwa sparen genau 0 €, denn da niemand weiß, wie lange diese Verhältnisse noch dauern, kündigt man das Abo nicht, sondern zahlt brav weiter den vollen Preis, fährt nur weniger.

  • "Und manch einer, der bisher die Pendlerpauschale stark genutzt hat, hätte durch das Homeoffice womöglich auf einmal sogar mehr Steuern zahlen müssen. " Ja und? 100% Fahrtkosten gespart und 40% Steuer gezahlt lässt immer noch 60% netto.

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