Kommentar Die große Farce von Athen

Das Schauspiel, das wir in diesen Tagen in Athen erlebt haben, war eine Farce. Griechenland kann nur mit einem geordneten Staatskonkurs „gerettet“ werden. Ohne diesen Neuanfang ist Hellas verloren.
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Juncker: „Worten müssen Taten folgen”

Meist wird die Tragödie bemüht, um den zum Scheitern verurteilten Kampf Griechenlands mit seinen Schulden zu beschreiben. Das Schauspiel, das wir jedoch in diesen Tagen in Athen erlebt haben, war eine Farce.

Nicht, weil man über das Leid der Griechen lachen könnte, sondern weil hier mit allen theatralischen Tricks versucht wurde, dem Publikum etwas vorzugaukeln. Die Griechen taten so, als ob sie bei dem Poker mit ihren Gläubigern noch einen Joker im Ärmel hätten. Dieser Joker war die Drohung, das Land für zahlungsunfähig zu erklären und damit unter den Investoren eine panische Kettenreaktion auszulösen. Für den Euro wäre das der Anfang vom Ende.

Doch die griechische Karte konnte nicht stechen. Die größten Leidtragenden einer ungeordneten Staatspleite wären die Griechen selbst. Das, was seit Ausbruch der Krise noch übrig geblieben ist von einem verfallenden Staatswesen, würde zerstört. Das heißt aber nicht, dass ein solches Schreckensszenario völlig ausgeschlossen ist. Die Geschichte folgt nicht der Kant’schen Vernunft, sondern wird oft getrieben von einer irrational agierenden Politik. Schwere Unfälle sind deshalb jederzeit möglich.

Thorsten Riecke leitet das Ressort Meinung und Analyse beim Handelsblatt. Quelle: Andreas Labes für Handelsblatt

Thorsten Riecke leitet das Ressort Meinung und Analyse beim Handelsblatt.

(Foto: Andreas Labes für Handelsblatt)

Aber auch die Troika der europäischen Gläubiger hat die Zuschauer des griechischen Spektakels mit leicht durchschaubaren Zahlenspielen getäuscht. So ist das anvisierte Ziel der brachialen Spar- und Streichaktion, den Schuldenstand Griechenlands innerhalb von acht Jahren von 160 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Diese Schuldenlast, so glauben EU und Internationaler Währungsfonds, könne das Land aus eigener Kraft schultern.

Zu Beginn der Schuldenkrise 2010 galt ein derart hoher Schuldenstand jedoch als nicht tragbar für das Land. Und zwar, weil die Wachstumskräfte schon damals nicht stark genug waren, um allein die Zinslasten zu tragen. Seitdem hat man die Zinsschraube zwar etwas gelockert, doch die Wachstumskräfte sind völlig erschlafft. In den vergangenen beiden Jahren ist die griechische Wirtschaft zwischen vier und fünf Prozent geschrumpft. Wie Griechenland trotz härtester Austerität auf einen Wachstumspfad zurückkehren soll, bleibt das Geheimnis der Troika. Die von Bundesfinanzminister Schäuble immer wieder zitierten US-Ökonomen Rogoff und Reinhart sehen übrigens bereits bei einer Quote von 90 Prozent die Gefahr einer unkontrollierbaren Schuldendynamik.

Diese Fakten sollten wir im Kopf behalten, wenn die Farce von Athen in den kommenden Monaten neu aufgeführt wird. Hier lügen sich beide Seiten aus unterschiedlichen Gründen kräftig in die Tasche. Die einen, weil sie sich aus lauter Not nicht anders zu helfen wissen. Die anderen, weil sie sich immer noch scheuen, das Unabwendbare zu akzeptieren.

Griechenland kann nur mit einem geordneten Staatskonkurs „gerettet“ werden. Ohne diesen Neuanfang und ohne eine langfristige Wachstumsstrategie ist Athen verloren.

Der Autor leitet das Ressort Meinung und Analyse. Sie erreichen ihn unter: riecke@handelsblatt.com

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34 Kommentare zu "Kommentar: Die große Farce von Athen"

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  • @lichtenberg

    Sie besitzen zu Griechenland nur rudimentaere Kenntnisse, die zudem in ihrem Surri voellig ausgrenzen. Germanischer kleiner Grosskotz

  • einverstanden.

    Es muß das Motto her,
    man kann nur ausgeben was man hat, und vom Volksvermögen
    darf man sich aus was pumpen. Aber man sollte es für ordentliche Zwecke verwenden.
    Wie weit die Günstlingswirtschaft in Deutschland bereits ist, sieht man ja an der Reaktion des Oberhauptlings.
    Er findet das wohl redlich, als normaler Bürger, so meint der Bürger, wäre er niemals in die upgrades gefallen. In dem Fall hat5 die Straqße recht. Der normale Bürger kommt schon gar nicht ans check in ran.

  • @lichtenberg, die andere Alternative ist, Griechenland bekommt kein weiteres Geld (kriegen eh kaum welches, landet alles bei den Banken), dann wären zwar 750.000 öffentlich Bedienstete in Anstellung (man frägt sich, womit die sich beschäftigen), müssten allerdings dann mit einem Bruchteil ihrer derzeitigen Bezüge auskommen

  • Das bringt doch alles gar nichts. Die Mentalität eines Volkes und seiner Führung kann man nicht von außen durch aufgedrückte Ermächtigungsgesetze oder Sparmaßnahmen ändern, - wenn dann nur mittelbar. Erst wenn die Schmerzen innerhalb des griechischen Volkes derart groß sind, dass sie anfangen ihre Eliten aufzuhängen, nur dann könnte sich ein Mentalitätswechsel hin zum nördlichen Europa vollziehen. Solange Griechenland diesen schmerzhaften Weg nicht geht, solange werden wir akzeptieren müssen, dass sie immer ein Schmarotzer Europas bleiben werden. Warum sollten sich denn die Polit- und Geldeliten freiwillig, für das Volk beispielgebend, zu einem Mentalitätswechsel zu mehr Rechtstreue, Seriösität und leistungsbezogenem Profit, verändern ?! Es ging und geht Ihnen doch bisher prächtig in Ihrem "Schweinesystem", sie leiden doch keinesfalls an der jetzigen Situation. Es ist allein die Sache des griechischen Volkes sich und Ihr "Ferkelsystem" zu ändern und solange dies nicht geschieht haben sie in Europa absolut gar nichts verloren !

  • @lichtenberg

    "das HB sollte sich mal langsam schämen, welchen Leuten sie hier im Übermaß eine Plattform geben"

    Das Handelsblatt erlaubt Meinungsvielfalt. Dies ist loeblich und nicht zum schaemen ;-)

  • Von den angekündigten 15.000 Entlassungen stehen die meisten kurz vor ihrer Pensionierung. Die tatsächliche Einsparung geht also gegen NULL! Ich verstehe wirklich nicht, wie unsere Politiker sowas als Erfolg verkaufen wollen

    Ich denke nicht daß das eine Erfolgsmeldung war oder sein soll,
    das hat die Presse so aufgezogen.
    Es war eine Forderung an die Griechen, diese wollten sie ja nicht mal erfüllen.
    Was wäre denn , wenn man die Axt anlegen würde, wie sie es beschrieben haben.

  • Kapitalverkehrskontrollen - bloss werden die mit der existierenden griechischen Verwaltung nicht umzusetzen sein; gegen ein Bakschisch wird wie immer alles möglich sein...

  • Es ist kein Problem mit dem Finger hier auf die Wunde zu teigen,
    wo sie ist.

    Nur hier bei HB sind solche Artikel erstmal dazu da um auf Merkel und jetzt ist der Sarkosy dazugekommen rumzuhampeln.
    Hier zeigt keiner auf das Übel, hier zeigt sich jeder
    Muffel in seinem deutschen Staatsverständnis das im zuwiederläuft.
    Ich nehme nicht an, daß Frau Merkel dieser Job Spaß macht,
    für den sie hier seit Jahren herhalten muß.
    Sowas geht nämlich an die Substanz.
    Ich bin bin meinerseits heilfroh, daß diese Frau enorm
    belastbar ist.
    ps. trotzdem würde ich nicht die CDU wählen,
    aber das ist eher off topic.

    Also der Euro ist gerettet, und das stinkt manchen.
    Der Rest den das nicht interessiert sollte mehr zum Beistand beitragen, als alles zu boykottieren weil es die
    anderen Misantophen so gefällt.
    Schließlich haben wir ALLE einen Arsch zu retten, oder soll
    das so wie in Griechenland gehen, wo man sieht wer seinen Arsch retten kann und wer nicht.
    Ich glaube schon, daß Frau Merkel die Interessen der Deutschen vertritt. Allerdings bin ich ein Ausländer der von weit herkommt und wahrscheinlich keine Ahnung hat.

  • Das Beamtenproblem in Griechenland haben die Politiker geschaffen, nicht umgekehrt. Um in Griechenland wirklich was zu bewegen, müssten von den 750.000 Beamten mindestens 150.000 entlassen werden. Dann wären dort immer noch ca. 20% aller Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst beschäftigt. Von den angekündigten 15.000 Entlassungen stehen die meisten kurz vor ihrer Pensionierung. Die tatsächliche Einsparung geht also gegen NULL! Ich verstehe wirklich nicht, wie unsere Politiker sowas als Erfolg verkaufen wollen. Sie werden regelrecht von den 2 herrschenden Familien Griechenlands vorgeführt!

  • Griechenland überhaupt möglich ist und wie stark die Schockwellen für den Euro und die Euroländer sein werden

    ES wird keinerlei Schockwellen mehr geben.

    Griechenland ist keinesfalls der Sargnagel
    weder der EU noch des Euros.

    Griechenland ist vielleicht der entzündende Blindarm Europas,
    und der muß raus.

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