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Kommentar Die große Vision von der neuen Mobilitätswelt ist tot

Der Markt für Fahrdienste wird sich von den Corona-Folgen nicht mehr erholen. Uber, Lyft & Co. müssen ihre Strategien korrigieren. Vielen Anbietern droht die Pleite.
17.05.2020 - 11:55 Uhr 1 Kommentar
Statt Ride-Hailing-Dienste wie Uber zu verwenden, bevorzugen die Menschen derzeit individuelle Fortbewegungsmittel. Quelle: Bloomberg
Geteilte Mobilität

Statt Ride-Hailing-Dienste wie Uber zu verwenden, bevorzugen die Menschen derzeit individuelle Fortbewegungsmittel.

(Foto: Bloomberg)

Das Konzept der neuen Mobilitätsdienstleister ist schon nicht aufgegangen, als Corona noch ein Virus im fernen China war und keine globale Pandemie: Städte wie New York, Peking und Berlin waren wuselige Zentren voller Menschen, die permanent in Bewegung waren und Car-Sharing, Ride-Hailing oder E-Scooter nutzten. Doch schon damals verdienten Uber, Lyft, Lime, Tier, Share Now und all die anderen neuen Mobilitätsdienstleister kein Geld.

Sie verfolgen ein Geschäftsmodell, das nicht einmal in guten Zeiten funktioniert. Und jetzt wird deutlich: Corona wird nachhaltigen Einfluss auf die Mobilitätsgewohnheiten haben. Auch wenn es irgendwann einen Impfstoff geben sollte, werden sich die Menschen nicht mehr so fortbewegen, wie vor der Krise. Der öffentliche Nahverkehr verliert an Bedeutung. Die Prognosen der neuen Mobilitätsdienstleister, die unglaublichen Wachstumsraten, die riesigen Firmenbewertungen – alles hinfällig.

Der Markt für Personentransport ist Mitte März, als immer mehr Länder Kontakt- oder Ausgangssperren verhängten, praktisch über Nacht verschwunden. Das Verkehrsaufkommen nimmt zwar nach Lockerungen der Beschränkungen mancherorts wieder zu. Doch in Bus und Bahn steigt kaum jemand ein und statt Car-Sharing- oder Ride-Hailing-Dienste zu nutzen, fahren die Menschen lieber mit dem eigenen Auto.

Das zeigen Umfragen der Boston Consulting Group und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Auch deswegen verzeichnete Uber bei den Buchungen für Fahrten im April einen Rückgang von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Peking wiederum ist der Anteil der U-Bahn-Fahrer aktuellen Daten der Marktforscher von Bloomberg NEF zufolge 53 Prozent niedriger als vor der Krise.

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    Wie groß die Sorge vor einer Infektion durch geteilte Mobilität sein muss, zeigt sich in Spanien, Italien und Frankreich. Diese Länder sind besonders stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Capgemini ergab, dass dort sogar Menschen, die es sich eigentlich nicht leisten können, bereit sind, ein Auto zu kaufen.

    Bewegungsprofile von Millionen Menschen ändern sichh

    Berufsoptimisten, von denen es in der Sharing-Mobility-Branche unzählige gibt, mögen das als einen kurzfristigen Trend abtun, der sich wieder umkehrt, sobald ein Impfstoff auf den Markt kommt. Doch niemand kann vorhersagen, wann und ob überhaupt ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird.

    Und selbst wenn: Derzeit schleifen sich neue Arbeitsbedingungen ein, die nach Corona nicht mehr zurückgedreht und massive Auswirkungen auf die Mobilität der Menschen nehmen werden. Ausschlaggebend ist das Homeoffice. Twitter hat festgestellt, dass die Heimarbeit neben des geringeren Infektionsrisikos auch weitere Vorteile mit sich bringt. Die 5000 Mitarbeiter dürfen daher auch nach Corona „für immer“ aus dem Homeoffice arbeiten. Und Twitter ist nicht das einzige Unternehmen, das diesen Lernprozess durchläuft.

    Autonomer Lieferdienst statt Personentransport

    Auf einen Schlag verändern sich so die Bewegungsprofile von Millionen Menschen. Vor allem für Arbeitnehmer mit typischen Bürojobs kommt das Homeoffice in Frage. Die Bürojobs wiederum befinden sich oft in Städten – der Kernmarkt der Dienste. Und sie werden in der Regel von Menschen ausgeübt, die in Städten oder deren Randbezirke wohnen – die Kernklientel von Uber & Co. Die Kundenzahl wird sinken und mit ihr die Anzahl der Sharing-Mobility-Anbieter. Die, die überleben, müssen ihre Wachstumsstrategie korrigieren und Personal entlassen. Allein Uber wird 3700 Stellen streichen.

    Es zeichnet sich aber ein neuer Trend ab: Statt Personentransport wächst die Bedeutung von autonomen Lieferdiensten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es fallen keine Kosten für einen Fahrer an. Die Infektionsproblematik entfällt, weil keine Personen befördert werden. Und die Lieferungen von Lebensmitteln oder Paketen findet auch während Ausgangs- oder Kontaktsperren statt.

    Das chinesische Roboterautounternehmen Pony.ai hat deswegen mitten in der Coronakrise einen selbstfahrenden Lieferservice für Pakete und Lebensmittel gestartet. Die Ford-Tochter Argo, die sich mit dem autonome Fahren beschäftigt, sieht ebenfalls größere Chancen in der Entwicklung autonomer Lieferdienste als in der Beförderung von Menschen mittels Robotertaxis.

    Auch Uber hat die Chance erkannt. Wie Pony.ai und Argo arbeitet Uber mit Hochdruck an der Entwicklung des autonomen Fahrens. Und vor wenigen Tagen gab es Marktgerüchte, dass der Fahrdienstpionier plane, den Essenslieferdienst GrubHub zu übernehmen. Seine E-Scooter-Aktivitäten hingegen hat Uber an das US-Start-up Lime ausgelagert.

    Eine Rückkehr zur Normalität beim Personentransport wird es nicht geben. Im Gegenteil: Selbst pessimistische Szenarien für die Entwicklung des Mobilitätsmarktes werden unterboten. Der Markt für Fahrdienste, egal ob für Car-Sharer, Ride-Hailing-Dienste oder E-Scooter-Verleiher schrumpft, das Vor-Krisen-Niveau wird unerreichbar bleiben. Die große Vision von der neuen Mobilitätswelt ist tot.

    Mehr: Corona sorgt für eine fundamentale Wende auf dem Mobilitätsmarkt: Sharing-Angebote werden gemieden, das Auto erlebt ein Comeback.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die große Vision von der neuen Mobilitätswelt ist tot"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Vielleicht kommt es aber auch ganz anders und die Mobilitätsnutzer wagen sich zwar nicht mehr in die "U-Bahn" aber durchaus noch in einen privaten Fahrdienst. Dann entfallen wenigstens die Kosten für das Parken. Wenn alle mit dem eigenen Fahrzeug in die Stadt unterwegs sind werden diese ganz sicher steigen. Dann haben Fahrdienst durchaus wieder ihre Berechtigung. Wer kann das schon genau vorhersagen.

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