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Kommentar Die Großmächtigen entlarven sich bei der Lösung der globalen Probleme als Ohnmächtige

Die Botschaft von München lautet: Wir wissen auch nicht weiter. 600 Sicherheitsexperten rätseln über die untergehende Welt von gestern und übersehen die Welt von morgen.
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Mit einem blauen Europa-Pullover hat Konferenz-Vorsitzender Wolfgang Ischinger das Treffen in München eröffnet. Quelle: Reuters
Munich Security Conference

Mit einem blauen Europa-Pullover hat Konferenz-Vorsitzender Wolfgang Ischinger das Treffen in München eröffnet.

(Foto: Reuters)

München Weltpolitikfähigkeit hatte Wolfgang Ischinger bei der Eröffnung der 55. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) gefordert und dabei insbesondere die Europäer und Deutschen im Auge.

Nach drei Tagen Reden, Debatten und Nachdenken lautet der traurige, aber nicht überraschende Befund: Auch gut zwei Jahre nach der Wahl von Donald Trump zum Führer der freien Welt befindet sich der Westen noch immer in Schockstarre.

Wer die Debatten in München und anderswo seit 2016 verfolgt hat, muss ehrlicherweise zugeben, dass wir beim Bau einer neuen internationalen Ordnung kaum einen Schritt vorangekommen sind.

Das Dilemma ist hinreichend analysiert, von allen Seiten betrachtet und beschrieben worden. Die entscheidende Frage aber bleibt unbeantwortet: „Wer hebt die Puzzleteile der alten Ordnung auf und setzt sie neu zusammen?“ So hatte auch Ischinger gefragt. Die Antwort lautet: niemand.

Keiner machte den riesigen Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit deutlicher als Angela Merkel. Sie, die studierte Physikerin, analysierte wie mit dem Mikroskop die globale Natur der drängendsten Probleme: Ob Klimawandel, Flüchtlingskrise oder Handelskonflikte – nichts davon lässt sich von einem Land, und sei es auch noch so mächtig, allein lösen.

Zum ersten Mal, so die Bundeskanzlerin, hinterlasse der Mensch Spuren auf seinem Planeten, die den uns nachfolgenden Generationen noch große Probleme bereiten würden.

Viel war in München von einer neuen Rivalität der Großmächte USA, China und Russland die Rede. Doch die Großmächtigen entlarvten sich bei der Lösung der globalen Probleme als Ohnmächtige. Weltpolitikunfähig eben.

Das Spannende in München war, dass abseits der Trauerreden über das Vergehende bereits das Neue in seinen Umrissen erkennbar war. Zum Beispiel in der Debatte darüber, welche Rolle moderne Technologie wie künstliche Intelligenz künftig für die Machtverteilung in der Welt spielen wird.

Robert Work, ehemaliger Vizeverteidigungsminister der USA, sprach mit Blick auf das Technologierennen mit China von einem „Sputnik-Moment“ und forderte eine „Apollo-Mission“, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Damit meinte er wohlgemerkt die Supermacht USA, nicht Europa, das gerade seinen eigenen „Huawei-Moment“ erlebt. Die Europäer könnten allenfalls als Verbraucher darüber mitentscheiden, welcher Seite der Macht die neuen Technologien zugutekommen sollten.

Es war deshalb mehr als ein Gag, dass Ischinger die Sicherheitskonferenz mit einem blauen Kapuzenpulli eröffnete. Der MSC-Chef wollte die Europa-Farben hochhalten, aber er wollte die Europäer auch wachrütteln: Es ist Zeit, sich zusammenzuraufen und zu handeln.

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