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Kommentar Die Hasardeure von Airbus verdienen eine Schadensersatzklage

Korruption wurde bei Airbus mit krimineller Energie betrieben. Der Neuanfang wird heikel, denn Airbus scheint eine Amnestie für die Täter beschlossen zu haben.
02.02.2020 - 16:34 Uhr Kommentieren
Der Flugzeugbauer muss in den nächsten drei Jahren beweisen, dass es heute wirklich „ein anderes Unternehmen“ ist. Quelle: Reuters
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Der Flugzeugbauer muss in den nächsten drei Jahren beweisen, dass es heute wirklich „ein anderes Unternehmen“ ist.

(Foto: Reuters)

Airbus ist in Europa zum Synonym für erfolgreiche Zusammenarbeit und Spitzentechnologie geworden. Das Gemeinschaftsunternehmen ist nicht mehr wegzudenken. Doch es ist nur haarscharf am Exitus vorbeigeschrammt, wie die jetzt zugänglichen Dokumente der englischen Richterin zeigen: Wäre es zu einem Gerichtsverfahren statt zur außergerichtlichen Einigung gekommen, hätte Airbus das nicht überlebt. Am Freitag suspendierten die Gerichte in Großbritannien, Frankreich und den USA die Ermittlungen im Gegenzug zur Zahlung einer Geldbuße von 3,6 Milliarden Euro.

In den nächsten drei Jahren muss der Hersteller beweisen, dass er nicht erneut seinen Absatz ankurbelt, indem er private und öffentliche Entscheider besticht. Die Prognose ist gut, wie die britische Richterin schreibt: „Airbus ist heute ein anderes Unternehmen.“

Das ist im Wesentlichen dem Chefjustiziar John Harrison zu verdanken, den der damalige CEO Tom Enders geholt hatte, und der das Unternehmen auf bedingungslose Zusammenarbeit mit den ermittelnden Behörden trimmte. Diese umfassende Kooperation ist für die britische Richterin das wichtigste Argument dafür, auf ein Gerichtsverfahren zu verzichten.

Das hätte Airbus das Genick gebrochen, ist sie überzeugt: Das Unternehmen hätte auf Jahre hinaus den Zugang zu wichtigen Märkten in Europa, Asien und Amerika verloren. Ein Geschäftsvolumen in der Größenordnung von 200 Milliarden Euro wäre weggebrochen, „Tausende unschuldige Arbeitnehmer hätten ihren Job verloren“. An einer Verurteilung bestand kein Zweifel, wegen der „Schwere der Kriminalität“.

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    Die Ermittler haben Beweise dafür gefunden, dass das Topmanagement beteiligt war. Fast alle der damaligen Entscheider mussten gehen: acht von zwölf sind raus, inklusive Vorstands- und Finanzchef. Umso weniger versteht man, dass Airbus noch immer schweigt über die genauen Umstände, und die Leute, die das Unternehmen fast vor die Wand gefahren hätten, nicht zur Rechenschaft zieht. Hasardeure in der Führung verdienen es, auf Schadensersatz verklagt zu werden.

    Hier zeigt sich ein merkwürdiges Missverhältnis etwa zum Fall Carlos Ghosn: Dem Ex-Chef von Nissan und Renault werden viel harmlosere Delikte zur Last gelegt, dennoch gehen seine früheren Arbeitgeber gegen ihn vor. Airbus dagegen scheint eine Amnestie für die Täter beschlossen zu haben.

    Das ist umso unverständlicher, weil der Schaden über die 3,6 Milliarden Euro Buße hinausgehen kann: Jeder Geschädigte kann nun zivilrechtlich gegen Airbus vorgehen, weil das Unternehmen den Markt verzerrt hat. Man kann nur hoffen, dass nicht zu viele Kläger diese Einladung annehmen.

    Mehr: Der Flugzeughersteller zahlt rund 3,6 Milliarden Euro wegen jahrelanger Bestechung. Die Staatsanwälte in Paris legen dar, wie und wo Airbus sich so Aufträge sicherte.

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